Jugendanwalt stellt Alkoholkonsum von Jugendlichen ins richtige Licht

Trinkgewohnheiten der Jugendlichen ändern sich aus verschiedenen Gründen

Wien (OTS) - Wieder müssen Jugendliche für oberflächliche Zahleninterpretationen herhalten und werden als Problemgruppe stigmatisiert, kritisiert der Wiener Jugendanwalt Anton Schmid.

In Bezug auf die in Spitäler eingelieferten Jugendlichen nach exzessivem Alkoholkonsum ist festzuhalten, dass vor einigen Jahren durch die Umstellung auf die leistungsorientierte Krankenhausfinanzierung in diesem Zeitraum auch die statistische Erfassung sich änderte und daher keine Vergleiche seriös sind.

Der Jugendanwalt sieht folgende Gründe für die geänderten Trinkgewohnheiten bei Jugendlichen:

Altersverschiebung (Akzeleration): Immer mehr Jugendliche beginnen früher zu trinken, diese Tatsache lässt sich durch eine in Jahrzehnten festgestellten Verschiebung der Reife von Jugendlichen belegen. Auch in Bereichen wie der sexuellen Reife, des Kriminalitätsbeginnes steigen Kinder/Jugendliche immer früher ein, dies hat aber keinen Zusammenhang mit einer allgemeinen quantitativen Zunahme der Jugendphänomene.

Mädchen trinken mehr als früher: Dies ist richtig, wie in anderen Bereichen auch stellen wir fest, dass Mädchen auch in burschendominierte Felder vordringen und sich "emanzipiert" verhalten. Wieder sind die Bereiche von Gewalt, Kriminalität ein gutes Beispiel dieser Entwicklung. Hier nähern sich langsam Burschen und Mädchen auf ein gleiches Niveau.

Alkoholkonsum europaweit: Hat es früher sogenannte Niedrigkonsumländer und Hochkonsumländer gegeben findet hier eine Angleichung statt. In Ländern mit viel Alkoholkonsum wird weniger getrunken, in den Niedrigkonsumländern dafür etwas mehr. Diese Entwicklung ist natürlich parallel zu der Entwicklung der Trinkgewohnheiten von Jugendlichen zu sehen.

All diese wissenschaftlich erhobenen Entwicklungen zeigen deutlich, dass Jugendliche keine von allgemeinen Trends abgehoben Gruppe sind, die aus welchen Gründen auch immer zu mehr Alkohol in bedenklichem Ausmaß greifen. "Anstelle Jugendliche als Problemspezies abzustempeln, sollten wir uns darauf besinnen, dass Jugendliche immer ein Spiegelbild der gesamtgesellschaftlichen Entwicklungen sind und somit die Antwort auf das, was wir in unserer Gesellschaft in die Wege leiten", schloss Jugendanwalt Schmid.

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Dr. Anton Schmid
Kinder- und Jugendanwaltschaft Wien
1090 Wien, Alserbachstraße 18
Tel.: 01/ 70 77 000

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