Immer mehr Hepatitis-Fälle in Österreich

Wien (OTS) - Hepatitis befindet sich in Österreich im Vormarsch. Infektionen mit dem Hepatitis A- und B-Virus nehmen stark zu. Wurden 2001 noch offiziell beim Bundesministerium für Gesundheit 133 Hepatitis A und 210 Hepatitis B Fälle gemeldet, waren es 2008 bereits 142 Hepatitis A und 783 Hepatitis B Fälle! Die geschätzten Dunkelziffern liegen jedoch weit höher.

Leberentzündungen verursacht durch Hepatitis-Viren gehören zu den gefährlichsten Infektionskrankheiten der Welt. "Eine Virushepatitis führt häufig zu einer schweren und unter Umständen lebensbedrohlichen akuten oder chronischen Erkrankung. Es gibt nur einen verlässlichen Schutz, und das ist die Impfung", so Univ.-Prof. Dr. Michael Kunze, Vorstand des Instituts für Sozialmedizin der Medizinischen Universität Wien.

Hepatitis A

Hepatitis A ist eine hoch ansteckende Virusinfektion der Leber, die durch das Hepatitis A-Virus hervorgerufen wird. Sie wird durch verunreinigte Lebensmittel und vor allem durch Schmierinfektion übertragen. Typische Symptome der Hepatitis A sind Fieber, Übelkeit, Oberbauchbeschwerden und Gelbsucht. Der Schweregrad der Krankheit ist stark altersabhängig. Während die Krankheit bei Kindern eher mild verläuft und aufgrund der grippeähnlichen Symptome oft nicht diagnostiziert wird, ist der Krankheitsverlauf bei Jugendlichen und Erwachsenen meist schwerer. Eine wirksame Behandlung gegen Hepatitis Typ A gibt es nicht, der Körper muss in einer bis zu acht Wochen langen "Abwehrschlacht" selbst damit fertig werden.

Die Hepatitis A gilt als zweithäufigste Reiseerkrankung (nach Malaria) und kommt weltweit vor allem in Regionen niedriger Hygienestandards vor. Man muss jedoch keine Fernreise unternehmen, um Gefahr zu laufen sich mit Hepatitis A zu infizieren. In beliebten Ferienregionen im Mittelmeerraum sowie in osteuropäischen Ländern besteht ebenfalls das Infektionsrisiko für Hepatitis A. Aber auch in Österreich kommt es nach Einschleppung der Hepatitis A-Viren jedes Jahr zu Ausbrüchen. Den einzig zuverlässigen Schutz vor dieser schwerwiegenden Erkrankung stellt nur die Impfung dar.

Hepatitis B

Auch bei Hepatitis B handelt es sich um eine durch Virusinfektion hervorgerufene Leberentzündung. Bereits ein einziger Tropfen mit Hepatitis B infiziertem Blut kann ausreichen, um jeden Wassertropfen einer randvollen Badewanne ansteckend zu machen.

Anders als bei Hepatitis A kann diese Infektion aber in vielen Fällen zu einer chronischen Leberentzündung führen. Hepatitis B ist eines der größten Gesundheitsprobleme, weltweit sind mehr als 2 Milliarden Menschen infiziert. Hepatitis B ist mit über 2 Millionen verursachten Todesfällen nicht nur an 10. Stelle der häufigsten Todesursachen sondern nach Rauchen auch die zweithäufigste Ursache für Krebs. Alleine in Österreich leben 42.000 Menschen, die an chronischer Hepatitis B erkrankt sind und - oft ohne es zu wissen, eine hohe Ansteckungsgefahr für andere Menschen darstellen. In Österreich musste in den vergangenen Jahren leider ein starker Anstieg dieser Erkrankung verzeichnet werden.

Hepatitis B-Viren können über alle Körperflüssigkeiten - vor allem aber über Blut und Speichel - übertragen werden. Hygienemaßnahmen können das Risiko einer Ansteckung zwar vermindern, richtig geschützt ist man jedoch nur mit der Impfung.

Hepatitis-Impfaktion von 1. April bis 31. Mai 2010

Da nur die Impfung einen sicheren Schutz vor Hepatitis A und B bietet, starten die Österreichische Apothekerkammer, die Österreichische Ärztekammer und das Österreichische Impf-Komitée eine österreichweite Hepatitis Impfaktion. Diese findet von 1. April bis 31. Mai in allen 1.280 Apotheken in Österreich statt. Im Aktionszeitraum werden die Impfstoffe deutlich preisreduziert abgegeben.

Mit rund 52 % ist die Durchimpfungsrate gegen Hepatitis nach wie vor viel zu gering. Umso wichtiger sind Impfaktionen, um bei der Bevölkerung mehr Bewusstsein für Krankheiten, die Hepatitis A und B auslösen können, zu erzeugen. Mag. pharm. Dr. Christiane Körner:
"Ziel der Hepatitis-Impfaktion und der Aufklärungskampagne ist es, allen Österreicherinnen und Österreichern bewusst zu machen, dass es auf die Hepatitis-Gefahr nur eine Antwort gibt: NUR IMPFEN SCHÜTZT!"

Nationale Impfprogramme sinnvoll!

"Wenngleich Hepatitis A in Europa noch nicht als große Gefahr für die öffentliche Gesundheit gesehen wird, kommt es jedes Jahr zu Ausbrüchen von Hepatitis A, die eine beträchtliche Anzahl von Personen betreffen. Aus diesem Grund wäre das Einführen nationaler Impfprogramme gegen Hepatitis A sehr wünschenswert", sagt Univ.-Prof. Dr. Herwig Kollaritsch, Leiter der Unit Epidemiologie und Reisemedizin am Institut für Spezifische Prophylaxe und Tropenmedizin, Medizinuniversität Wien.

Österreich hat daher seit 2010 erstmals auch die Empfehlung einer Impfung gegen Hepatitis A für Kleinkinder in den Österreichischen Impfplan aufgenommen. Der Österreichische Impfplan 2010 empfiehlt eine Grundimmunisierung gegen Hepatitis A im zweiten Lebensjahr.

Hepatitis B - Ausrottungsprogramm

Die WHO hat Hepatitis B mit einer generellen Impfempfehlung auf die Liste der auszurottenden Infektionskrankheiten gesetzt. Daher haben die meisten Staaten - wie auch Österreich - mit einer generellen Durchimpfung im Säuglingsalter begonnen. Da die Ansteckung über alle Körpersekrete, vor allem durch Blut, insbesondere auch bei ungeschütztem Geschlechtsverkehr erfolgen kann, stellen auch Jugendliche und Erwachsene eine wichtige Zielgruppe für eine generelle Impfung dar. Hepatitis B ist 100 Mal ansteckender als AIDS; Jugendliche und Erwachsene sind auf Grund ihres Lebensstils besonders gefährdet, sich anzustecken: "Es ist daher Ziel und Anliegen der Ärzteschaft, diese Zielgruppe durch eine generelle Impfempfehlung zu erfassen und damit am weltweiten WHO Ausrottungsprogramm teilzunehmen", so Dr. Wilhelm Sedlak, Facharzt für Kinder- und Jugendheilkunde sowie Impfreferent der Österreichischen Ärztekammer.

Rückfragen & Kontakt:

Mag. Jutta Pint und Mag. Gudrun Reisinger,
Österreichische Apothekerkammer
Presse und Kommunikation
Tel.: 01/404 14/DW 601 oder 600
E-Mail: jutta.pint@apotheker.or.at oder gudrun.reisinger@apotheker.or.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | APO0004