Neues Volksblatt: "Prüfstand" (von Markus Ebert)

Ausgabe vom 29. März 2010

Linz (OTS) - Aus der Sicht der katholischen Kirche wäre der gestrigen ORF-Pressestunde ein breiteres Publikum zu wünschen gewesen, als es bei dieser Sendung üblich ist. Denn dann hätten auch jene, die sich im Zuge der Missbrauchsaffäre als besondere Kirchenkritiker hervorgetan haben, erkennen können: In dieser Frage soll nichts mehr vertuscht werden. Kardinal Schönborn hat keinen Zweifel aufkommen lassen, dass nicht nur Aufklärung, sondern auch uneingeschränkte Hilfe für die Opfer das erklärte Ziel ist. Mit der Opferbeauftragten Waltraud Klasnic soll dieser Wille, den "Weg der Wahrheit" gehen zu wollen, dokumentiert werden.
Zu diesem Weg der Wahrheit gehört es freilich auch, die Fragen des sexuellen Missbrauchs und der Prügelpädagogik nicht als alleinigen Auswuchs kirchlicher Einrichtungen stehen zu lassen. Auch weltliche Protagonisten waren und sind in solche Verfehlungen involviert, und auch sie sind aus heutiger Sicht nicht zu rechtfertigen. Bloß in der rückblickenden Bewertung scheinen manche diesbezüglich toleranter zu sein: Hier ein "strenger" Lehrer, dort aber ein "gewalttätiger" Kirchenmann - diese Schieflage zu Lasten der Kirche ist völlig fehl am Platz. Wenn schon, dann steht eine Gesellschaft als Ganzes auf dem Prüfstand.

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