Neues Volksblatt: "Nährboden" (Von Markus Ebert)

Ausgabe vom 27. März 2010

Linz (OTS) - Wer am Donnerstagabend nach "Dorfers DonnersTalk" von ORF 1 hinübergezappt ist auf ORF2 zur umstrittenen Schauplatz-Dokumentation über zwei Skinheads, dem konnte das Lachen im Hals stecken bleiben. Hier eine köstliche Parodie ("Schnittlauch backstage") auf die dahindümpelnde Society-Sendung "Chili", dort ein Stück triste Wirklichkeit. Dass sich der von Alexander Wrabetz mit großem Getöse und viel Geld zum Quotenretter stilisierte Dominic Heinzl als Quotenflop, aber dankbares Kabarettisten-Opfer erweist, sollte ebenso zu denken geben wie die Begleitumstände der Schauplatz-Reportage. Hier tut Aufklärung not, insbesondere in Bezug auf die Frage, ob der öffentlich-rechtliche ORF eine Art von Scheckbuchjournalismus pflegt.
Dennoch: Abgesehen von der umstrittenen Zusammenführung mit HC Strache zeichnet die Dokumentation über die beiden Skinheads ein Bild von erschütternder Tristesse. Wer am Rand unserer Wohlstandsgesellschaft strandet, so die Botschaft, hat zumindest noch einen Sündenbock - "die" Ausländer. Dass sich hier gesellschaftspolitischer Sprengstoff bildet, muss wohl jedem klar sein. Wer den rechten Umtrieben wirksam Einhalt gebieten will, muss diesem Nährboden der Hoffnungslosen die Hoffnungslosigkeit entziehen.

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