"Kleine Zeitung" Kommentar: "Griechenland und der Euro haben nur diese Chance" (von Rainer Strunz)

Ausgabe vom 27. 03. 2010

Graz (OTS) - Es war der Tag der Angela Merkel. Nach unzähligen Pokerrunden um eine Finanzspritze für das am Boden liegende Griechenland konnte sich die deutsche Kanzlerin mit ihrem harten Kurs durchsetzen. Merkel ging als strahlende Siegerin aus dem Ringen hervor - und hat sich damit nicht nur als die neue, eiserne Lady profiliert, sie hat der EU auch respektable Zugeständnisse abgerungen.

Ins Auge sticht dabei vor allem die Einbeziehung des Internationalen Währungsfonds (IWF) in den Notfallplan für Griechenland. Statt die Amateure aus Brüssel mit der Kontrolle der Hellenen zu betrauen setzt Merkel lieber auf die Schuldenprofis aus Washington, die über reichlich Erfahrung bei der Sanierung maroder Staatsfinanzen verfügen. Der IWF ist zudem im Gegensatz zum "Club Med"- sprich Portugal, Spanien und Italien - nicht mit Griechenland verbandelt und tut sich daher wesentlich leichter, in Athen harte Maßnahmen durchsetzen.

Kritiker sehen in der Einbeziehung des IWF in die Causa Griechenland aber nur eine Verschleierungstaktik. Denn im äußersten Notfall, wenn Griechenland am internationalen Kapitalmarkt keine Kredite mehr bekommt, muss natürlich die EU den Löwenanteil der Hilfszahlungen übernehmen. Und das zielt ganz klar gegen den Stabilitätspakt, der fordert, dass die Länder mit ihren Haushaltsproblemen selbst fertig werden müssen.

Griechenland wird daher trotz des Kraftaktes von Merkel über kurz oder lang zur Nagelprobe für die Währungsunion. Stellt sich heraus, dass Griechenland (oder schon bald Portugal) letztlich nur in Brüssel anklopfen muss, um ein paar Milliarden Euro abzurufen, wird die Akzeptanz des Euro bald dahin sein. Auf Dauer dürften weder Deutsche noch Franzosen oder Österreicher dafür Verständnis haben, dass reiche Länder büßen müssen, weil andere Staaten dauerhaft über ihre Verhältnisse leben.

Die Stabilität einer Währung lebt nicht nur von der Stärke ihrer Wirtschaft, sondern in einem großen Ausmaß auch vom Vertrauen, das ihr die Bürger des Landes entgegenbringen. Der Euro ist diesbezüglich in den letzten Jahren allen Unkenrufen zum Trotz zu einem lieb gewordenen Begleiter geworden, den man ob seiner Stärke schätzt. Daran hat der leichte Rückgang gegenüber dem Dollar in den letzten Monaten kaum etwas geändert, mehrfache Feuerwehreinsätze in diversen Euro-Ländern hingegen würden das Vertrauen unrettbar untergraben.

Griechenland hat nur diese eine Chance. Der Euro ebenso.****

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