TIROLER TAGESZEITUNG "Leitartikel" 27. März 2010, von Floo Weißmann: "Ein bisschen weniger Apokalypse"

Der neue Abrüstungsvertrag zwischen den USA und Russland ist ein erster Schritt in die richtige Richtung.

Innsbruck (OTS) - Ob Amerika und Russland je 2200 einsatzbereite Atomsprengköpfe unterhalten oder je 1550, macht für die Apokalypse keinen entscheidenden Unterschied. Außerdem dauert es noch mindestens sieben Jahre, bis die neue Zielvorgabe erreicht ist. Die Welt lebt also auf absehbare Zeit weiter mit der Möglichkeit, dass die beiden nuklearen Supermächte die Erde binnen weniger Stunden vernichten können. Auf dem Weg zur atomwaffenfreien Welt, von der US-Präsident Barack Obama träumt, bedeutet der neue Abrüstungsvertrag nur einen bescheidenen ersten Schritt. Und doch haben Obama und sein russischer Kollege Dmitri Medwedew einen großen Schritt in Richtung mehr internationale Sicherheit gemacht.
Mindestens ebenso wichtig wie die konkreten Zahlen im neuen Abkommen ist die Tatsache, dass es überhaupt zu Stande kommt. Es ist noch nicht lange her, da saß George W. Bush im Weißen Haus und Wladimir Putin im Kreml. Damals herrschte zwischen den USA und Russland eine Eiszeit, die viele an den Kalten Krieg erinnerte. Auch jetzt sind längst nicht alle Streitfragen ausgeräumt. Doch die neuen Präsidenten, die persönlich gut miteinander auskommen, haben den Dialog wieder aufgenommen und gezeigt, dass sie Ergebnisse liefern können. Das schafft eine neue, konstruktive Atmosphäre in der internationalen Sicherheitspolitik. Nicht zuletzt bilden Schritte zur eigenen Abrüstung auch die Voraussetzung für einen glaubwürdigen Umgang mit den Möchtegern-Atommächten Nordkorea und Iran.
Beide Präsidenten können mit dem Abkommen auch vor den Wählern glänzen. Für Obama ist es kurz nach der Gesundheitsreform die zweite konkrete Anzahlung auf den versprochenen Wandel. Und Medwedew wird den Russen erzählen, dass er ihr Land wieder auf Augenhöhe mit den USA gebracht hat. Die konkrete Zahl der Sprengköpfe spielt dabei für beide Präsidenten wohl die Nebenrolle.

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