Gewerbe und Handwerk: Stabile Beschäftigungslage, aber starke Preiskonkurrenz

Konjunktur 2009 mit negativer Umsatzentwicklung, aber stabilen Exporten - 2010 soll Verbesserungen im konsumnahen Bereich bringen

Wien (OTS/PWK253) - "Die Beschäftigungslage in Gewerbe und
Handwerk ist stabil. Damit sind wir mit unseren 90.000 Betrieben ein verantwortungsvoller Arbeitgeber für die rund 600.000 Mitarbeiter", betonte heute, Freitag, der Obmann der Bundessparte Gewerbe und Handwerk, Georg Toifl, im Rahmen der Konjunkturpressekonferenz der Sparte. Für das erste Quartal 2010 rechnen die Betriebe mit einer stabilen Entwicklung in den investitionsgüternahen Branchen und einer Verbesserung im konsumnahen Bereich. Für das II. Quartal 2010 sind die Unternehmer mehrheitlich optimistisch, so Toifl. 70 % der österreichischen Gewerbe- und Handwerksbetriebe werden den Beschäftigtenstand in den kommenden Monaten halten. 25 % der Betriebe beabsichtigen, Personal einzustellen und 5 % befürchten, den Beschäftigtenstand reduzieren zu müssen. In den kommenden Monaten sei insgesamt mit einem zusätzlichen potenziellen Personalbedarf der Betriebe von rund 18.000 zu rechnen, so Walter Bornett, Direktor der KMU Forschung Austria.

Im ersten Quartal 2010 lag in den investitionsgüternahen Gewerbe-und Handwerksbranchen der durchschnittliche Auftragsbestand mit 11,1 Wochen annähernd auf dem Vorjahresniveau. Während sich die privaten und gewerblichen Aufträge positiv entwickelten (+0,2 %), ging die öffentliche Nachfrage zurück (-7,0 %). Zuwächse verzeichneten die Kunststoffverarbeiter, Spengler, Dachdecker, Tischler und die Installateure, rückläufige Auftragsbestände meldeten der Holzbau und die Schlosser. Eine stabile Auftragslage wurde vom Baugewerbe und den Malern gemeldet.

In den konsumnahen Branchen meldeten im ersten Quartal 2010 12 % der Betriebe Umsatzsteigerungen, 62% der Unternehmen gaben stabile Umsätze an (Vorjahr: 49%). Der Anteil der Betriebe mit Umsatzrückgängen ist von 39% auf 26% gesunken. Damit hat sich die Situation insgesamt verbessert. Der Saldo aus Unternehmen mit Umsatzsteigerungen und Umsatzrückgängen liegt jedoch weiterhin im negativen Bereich.

2009: Nomineller Umsatzrückgang von 2 Prozent

Im Gesamtjahr 2009 konnten 30% der Betriebe den Jahresumsatz um durchschnittlich 12% steigern, 36% meldeten stabile Umsätze und 34% mussten Umsatzrückgänge von durchschnittlich 15 % verkraften. Per Saldo ergibt dies einen Rückgang des nominellen Umsatzes im österreichischen Gewerbe und Handwerk gegenüber dem Vorjahr um 2,0%. "Verglichen mit der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, hat sich das Gewerbe und Handwerk im Jahr 2009 relativ gut behauptet. Nominell war der Umsatzrückgang (-2,0%) zwar etwas höher als der Rückgang des Bruttoinlandsprodukts (-1,8%), die reale Entwicklung (-2,4%) war aber besser (Bruttoinlandsprodukt real: -3,6%)", so Toifl. Der Anteil der Exporterlöse am Gesamtumsatz (Exportquote) lag wie im Vorjahr bei 8%. Insgesamt setzten die Betriebe 2009 67 Mrd. Euro um, die Exportquote bedeutet ein Volumen von rund 5,4 Mrd. Euro, erläuterte Bornett.

Die Mehrzahl der Betriebe (61%) hat die Verkaufspreise im Vergleich zu 2008 nicht verändert; 33% der Unternehmen konnten sie um durchschnittlich 3% erhöhen. Demgegenüber haben 6% der Unternehmen die Preise um durchschnittlich 9% reduziert. Unter Berücksichtigung der Veränderung der Verkaufspreise (+0,4%) ist der Umsatz im österreichischen Gewerbe und Handwerk preisbereinigt (mengenmäßig) um 2,4% gesunken (Vorjahr: +1,3%).

Relativ günstig verlief das Jahr 2009 vor allem für die Sanitär-, Heizungs- und Lüftungstechniker. Die Bäcker und Tischler konnten das Umsatzniveau des Vorjahrs sowohl nominell als auch real knapp übertreffen. Alle übrigen Branchen meldeten mengenmäßige Rückgänge. Für die Mechatroniker, Kunststoffverarbeiter und Schlosser verlief das Jahr 2009 besonders negativ, ergänzte Bornett.

Im Hinblick auf die Investitionslage der Betriebe entfielen 2009 im Durchschnitt 27% auf Erweiterungs-, 17% auf Rationalisierungs- und 56 % auf Ersatzinvestitionen (Vorjahr: 30% bzw. 17% bzw. 53%). Für 2010 ist von einer leicht steigenden Investitionsneigung auszugehen. 46 % der Betriebe beabsichtigen zu investieren (Vorjahr: 45%), 19% planen eine Erhöhung ihrer Investitionen 16% gleich bleibende und 11% geringere Investitionen als im Vorjahr.

Hauptproblembereich bleibt auch 2010 die Preiskonkurrenz. 69 % der Betriebe (Vorjahr: 70%) leiden darunter. 24% der Betriebe sind durch Fachkräftemangel in ihrer Geschäftstätigkeit beeinträchtigt (Vorjahr:
22%), 17% klagen über fehlendes Eigenkapital (Vorjahr: 19%). Dr Anteil der Betriebe, der Probleme mit der Fremdfinanzierung hat, ist von 11% auf 12% gestiegen.

NAP für nachhaltige öffentliche Beschaffung: Forderungen des Gewerbes

Im Hinblick auf die Umsetzung des Nationalen Aktionsplans (NAP) für nachhaltige öffentliche Beschaffung betonte der Geschäftsführer der Bundessparte, Helmut Heindl, dass hier wesentlich auf die Bedürfnisse der KMU Rücksicht genommen werden müsse, was zusätzliche Zertifizierungen wie etwa das Umweltzeichen anbelangt. Zudem sollten Kleinaufträge bis zu 100.000 Euro aus dem NAP ausgenommen werden.

"Grundsätzlich machen die geforderten Nachweise Sinn, wenn es um entsprechend große Stücke geht. Handelt es sich aber um Einzelanfertigungen, stehen Bürokratie und hohe Zusatzkosten in keinem Verhältnis", so Heindl. Zudem spricht sich das Gewerbe gegen Eintragungen in private Datenbanken als offizielle Nachweiserklärung aus. Stattdessen sollen nur jene Kriterien, Nachweispflichten und Nachschlagewerke in den NAP aufgenommen werden, die auch der alleinigen Verantwortung des Ministeriums unterstehen. Heindl verwies in diesem Zusammenhang auf das Meistergütesiegel, das als wichtiger Nachweis für Qualität bereits bestehe und von den entsprechenden Betrieben auch verwendet werden solle. Mit dem NAP, der auf eine EU-Initiative zurückgeht, sollen Normen innerhalb des Binnenmarktes für die umweltgerechte Gestaltung von Beschaffungsgruppen der jeweiligen nationalen Behörden festgelegt werden. (us)

Rückfragen & Kontakt:

Wirtschaftskammer Österreich, Bundessparte Gewerbe und Handwerk
Helmut Heindl
Tel.: T:+43 (0)5 90 900 3291, F:+43 (0)5 90 900 217
helmut.heindl@wko.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PWK0005