Missbrauchsfälle: Die Verwirrung um das "päpstliche Geheimnis"

Vatikan-Normen bei Missbrauch sind besser als ihr Ruf -"Kathpress"-Korrespondentenbericht von Johannes Schidelko

Vatikanstadt, 26.03.10 (KAP) Nach der "New York Times" hat nun auch der Tübinger Theologe Hans Küng der Kirche das Vertuschen von Missbrauchsskandalen vorgeworfen. Medienkommentatoren in aller Welt ziehen mit dem neu aufgerollten Fall Murphy aus der US-amerikanischen Diözese Milwaukee eine direkte Verbindung zwischen den kirchlichen Normen bei "Verführungs-Verbrechen" (Vatikandokument "Crimen sollicitationis") und der angeblichen Geheimhaltung gegenüber zivilen Strafverfolgungsbehörden. Einen Zusammenhang den Vatikansprecher P. Federico Lombardi erst am Donnerstag wieder energisch bestritt. Und auch Küng hielt nun Papst Benedikt XVI. vor, als Präfekt der Glaubenskongregation wichtige Informationen über Missbrauchsvorgänge geheimgehalten zu haben.

Gemeinsam ist den Vorwürfen ein Missverständnis über Bedeutung und Reichweite kirchlicher Strafverfolgung - und ihre Unterschiede zu zivilrechtlicher Ahndung. Und unklar ist dabei zugleich, dass der Vatikan mit seinem Dokument "Delicta graviora" - über schwerwiegende Straftaten - aus dem Jahre 2001 die seit 1962 geltenden Normen bei "Crimen sollicitationis" deutlich verschärft hat.

Während die Ortskirchen zuvor bei Verführungsverbrechen eigenständig agierten und nur Vergehen etwa gegen die Sakramentenordnung (Verstöße gegen das Beichtgeheimnis) nach Rom melden mussten, sind seither generell Missbrauchsfälle durch Geistliche der vatikanischen Glaubensbehörde anzuzeigen.

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