AGES: Aktuelle Fallzahlen zu Listeriose-Ausbruch 2009/2010

Laufende Präventionsarbeit der Lebensmittelbehörden und Ausbruchsabklärungen durch AGES

Wien (OTS) - Von der AGES-Referenzzentrale für Listerien wurden seit 10.3.2010 keine weiteren Fälle im Zusammenhang mit dem mit dem Konsum von Quargel der Firma Prolactal in Verbindung stehenden Listeriose-Ausbruch 2009/2010 bestätigt. Bis zum heutigen Datum sind in Österreich somit 24 humane Listeriose-Fälle diesem Ausbruch mit dem neuen Stamm von Listeria monocytogenes SG 1/2a zuzuordnen (2009:
13 Erkrankte, davon fünf Todesfälle; 2010: 11 Erkrankte). Vom Ausbruch betroffen waren alle Bundesländer außer Vorarlberg und Tirol. Mit Fertigstellung des "Jahresberichts Listeriose 2009" wurde der fünfte Todesfall dem vergangenen Jahr zugeordnet. Auch wenn die Zuordnung zum Ausbruch erst 2010 bestätigt wurde, verstarb der Patient bereits am 26.12.2009. Im Jahr 2010 wurden bis 25.3.2010 in Österreich 17 Patienten/-innen mit einer Listeriose stationär im Krankenhaus behandelt. Bei elf Patienten ist ein Zusammenhang mit dem betroffenen Quargel festgestellt worden, bei sechs Patienten wurde ein Zusammenhang ausgeschlossen.

Risiko-Lebensmittel im Visier der Lebensmittelkontrolle

Bei verzehrsfertigen Produkten, also jenen, die nicht mehr gekocht oder gebraten werden, ist das Risiko naturgemäß höher, dass sie Keime enthalten, die eine Erkrankung verursachen können. Daher wird im Rahmen der amtlichen Lebensmittelkontrolle besonderes Augenmerk auf derartige Produkte gelegt. Für Listerien oder Salmonellen zum Beispiel gibt es jedes Jahr vom Bundesministerium für Gesundheit (BMG) angeordnete Schwerpunktaktionen: Untersucht wird von Rohmilch-und Schimmelkäse über Feinkosterzeugnisse wie Mayonnaisesalate, Feinkostsalate mit Joghurt und Gabelbissen mit verschiedenen Einlagen (Wurst, Huhn, Ei, Gemüse), Feinkostsalate mit Marinade (z. B. Rindfleischsalat), Brotaufstriche (z. B. Topfen-, Thunfisch-, Ei-Aufstrich, Liptauer) bis hin zu geräucherten Fischen. Es ist jedoch unmöglich, jedes einzelne Produkt, das in die Verkaufsregale gelangt, zu untersuchen und jede Kontamination eines Lebensmittels zu entdecken, bevor es zu den Verbraucher/-innen gelangt. So erklärt sich, dass jedes Jahr Menschen erkranken können, weil sie ein mit Bakterien kontaminiertes Lebensmittel gegessen haben. In den überwiegenden Fällen verläuft eine lebensmittelbedingte Krankheit harmlos; für Personen mit einem schwachen Immunsystem (z. B. sehr alte Menschen, Kleinkinder, Schwangere) können die Folgen aber auch schwerwiegend sein.

Sehr oft treten Probleme mit Keimen erst im Haushalt auf, bei zu langer oder falscher Lagerung oder wenn Hygieneregeln nicht eingehalten werden. Wichtig ist daher: Kühlschranktemperatur nicht über +4Grad C einstellen, Kühlkette beim Transport nicht unterbrechen (im Sommer Kühltasche verwenden), im Kühlschrank rohe von verzehrsfertigen Lebensmitteln trennen, verzehrsfertige Lebensmittel im Kühlschrank gut abdecken, Küchenhygiene beachten, Hände waschen nach dem Kontakt mit rohen Lebensmitteln, Gebrauchsgegenstände (Schneidbretter, Messer etc.), Oberflächen im Küchenbereich und Kühlschränke mit heißem Wasser und Spülmittel reinigen.

Ausbruchsabklärung durch "Lebensmittel-Detektive"

Die AGES ist laufend mit der Präventionsarbeit zur Verhinderung von lebensmittelbedingten Infektionskrankheiten betraut. Eine wesentliche Aufgabe besteht darin, sowohl durch die molekulargenetische Feintypisierung, als auch die Erhebung epidemiologischer Daten etwaige Ausbrüche rasch zu erkennen, um damit eine Grundlage für gezielte Präventionsmaßnahmen in Zusammenarbeit mit den lokalen Gesundheitsbehörden zu schaffen. In den Referenzzentralen werden die Isolate (Bakterienstämme z. B. aus Blutproben, Stuhlproben) erkrankter Personen auf die Art des Erregers hin untersucht und genauestens bestimmt (z. B. genetischer Fingerabdruck). Diese Verfahren werden auch für Lebensmittelproben angewandt. Die so gewonnenen, sehr präzisen Daten werden miteinander verglichen: Im günstigsten Fall lässt sich so sehr schnell die Quelle der krankmachenden Keime belegen.

Weitaus schwieriger ist die Abklärung, wenn zwar Personen erkrankt sind, das ursächliche Lebensmittel aber nicht bekannt ist. Diese Zusammenhänge zu finden ist Aufgabe der Infektionsepidemiologen/-innen, der "Lebensmittel-Detektive" der AGES. Sie befragen die Patienten/-innen, vergleichen Labordaten uvm. Ihr Erfolg hängt von unterschiedlichen Faktoren ab. Erkranken z. B. mehrere Personen einer Hochzeitsgesellschaft an Salmonellen, werden die Experten wahrscheinlich sogar noch Lebensmittelreste finden, da bei Salmonellen der Zeitraum zwischen Infektion und Erkrankung recht kurz ist. Waren kontaminierte Eier im Tiramisu die Ursache, kann man die Herkunft der Eier bis zum Huhn zurückverfolgen. Das Huhn kann geimpft und damit die Quelle der Infektion beseitigt werden.

Sehr schwierig ist eine Abklärung, wenn Keime mit sehr langer Inkubationszeit, wie z. B. Listerien, involviert sind. Der Zeitraum zwischen Infektion und Erkrankung beträgt in diesem Fall im Schnitt drei Wochen, kann aber auch bis zu 70 Tage betragen: Ein kontaminiertes Lebensmittel ist nach dieser Zeit nicht mehr vorhanden, noch können sich die Patienten/-innen daran erinnern, was sie vor drei Wochen oder noch früher gegessen haben. Hinzu kommt, dass durch Listerien verursachte Erkrankungen selten sind und meist nur sporadisch als Einzelfälle auftreten. In diesem Fall müssen Infektionsepidemiologen/-innen völlig neue Methoden und Verfahren entwickeln, um der Quelle auf die Spur zu kommen. Das Sammeln der Einkaufsbelege im Fall des durch Quargel verursachten Listerioseausbruchs war zum Beispiel eine derartige neue Methode.

Die immer genauere Kenntnis des genetischen Fingerprints verschiedener Erreger und deren Sammlung in Datenbanken erlauben es heute auch, mögliche Verbindungen zwischen Einzelfällen, die oft monatelang auseinander liegen, zu entdecken. So zeigte ein kürzlich von der AGES durchgeführter Vergleich zweier Listeriose-Fälle aus dem Jahr 2009 und von vier Fällen aus 2008 ein identes Erregermuster. Dies wurde dem BMG am 24.3.2010 mitgeteilt. Im Auftrag des BMG wird nun eine entsprechende epidemiologische Abklärung zur Identifizierung einer möglichen gemeinsamen Quelle durch die AGES eingeleitet.

Listeriose in Österreich

Listeriose ist in Österreich eine seltene Infektionskrankheit, allerdings war in den vergangenen Jahren ein deutlicher Anstieg zu verzeichnen: 2009 wurden in Österreich von der AGES-Referenzzentrale 46 Fälle kulturell verifiziert (13 davon betrafen den oben genannten Ausbruch). 2008 waren es 31 Fälle, 2007 waren es 20 Fälle. Die Häufigkeit ist vergleichbar mit der in anderen westeuropäischen Staaten. Die Krankheit ist aber gefährlich: Trotz gezielter Therapie verläuft sie in bis zu 30 Prozent der Fälle tödlich. 2009 starben 12 der 46 erkrankten Personen, was einer Letalität von 26 Prozent entspricht. Dies liegt im Bereich der Vorjahre. Die hohe Sterblichkeit und gelegentlich auftretende schwerste Dauerschäden begründen die Anstrengungen der AGES zur Erkennung etwaiger lebensmittelbedingter Ausbrüche. Bei vielen Listeriose-Ausbrüchen weltweit bleibt die Quelle der Infektion ungeklärt. Somit ist jede gelungene Ausbruchsabklärung - durch den Nachweis identer Listeria-Isolate in Lebensmitteln und bei Patienten/-innen - als Erfolg zu werten.

Anbei der Link zum "Listeriose - Jahresbericht 2009" der Nationalen Referenzzentrale: http://www.ots.at/redirect/bmg.gv

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AGES - Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit GmbH

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