WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Eine Debatte über Schall und Rauch - von Wolfgang Unterhuber

Warum nicht gleich ein generelles Rauchverbot in Lokalen?

Wien (OTS) - Ich gestehe: Ich bin Raucher. Noch ein Geständnis:
Ich bevorzuge Restaurants, in denen nicht (!) geraucht wird. Ich habe jedes Verständnis für Nichtraucher, die sich in einer Gaststätte nicht einqualmen lassen wollen. Das hat nichts mit Nächstenliebe, aber mit Rücksicht zu tun.

Die aktuell aufgeflammte Debatte um das Rauchen ist wie all die anderen Diskussionen davor eine, die am Thema vorbeischießt. Zunächst einmal zum Ist-Zustand: Weil wir in Österreich sind, haben wir einen für dieses Land typischen Kompromiss gefunden. Kleine Lokale können es sich aussuchen, ob sie Raucher- oder Nichtraucher-Tempel sein wollen. Ab 50 Quadratmetern heißt es für die Wirte "Umbauen, bitte", weil "Nichtraucherzonen" geschaffen werden müssen. Jetzt investiert natürlich niemand in den Umbau, weil vermutlich in zwei Jahren per EU-Verodnung sowieso ein generelles Rauchverbot ins Haus steht.

Das kommt also heraus, wenn man in den Kategorien "Vorsichtl" und "Rücksichtl" denkt. Warum also nicht gleich ein generelles Rauchverbot in den Gaststätten? Die Raucher würden es überleben und die Wirte auch. Bei denen geht natürlich die Angst vor dem großen Umsatzverlust um. Da genügt ein Blick nach Norwegen, wo die Restaurants höchst erfinderisch geworden sind. Seit dort in den Lokalen Rauchverbot herrscht, existiert auf den Straßen von Oslo ein Nachtleben. Weil die Wirte möblierte, windgeschützte sowie beheizte Outdoor-Zonen für Raucher errichtet haben. Die sind mitunter schon gemütlicher als die Lokale selbst - "Draußen daheim" und so. Machen wir es doch wie die Norweger. Gehen wir kreativ an die Sache ran. Österreich ist in vielen Dingen Vorreiter. Zum Beispiel beim Umweltschutz oder bei der Mülltrennung. Warum also nicht auch bei dieser Angelegenheit?

Wir sind übrigens leider auch manchmal Nachzügler. Speziell beim Thema Nikotin und Alkohol bei Jugendlichen. Es sollte niemand egal sein, wenn sich Kinder mit zwölf die Glimmstängel reinziehen, weil es "cool" ist, und sich mit buntgefärbten Spirituosen wegschwemmen. Das ist ein großes gesellschaftliches Problem. Vor dem werden aber die Augen verschlossen. Da ist es natürlich viel einfacher, eine aufgeregte Debatte über faule Kompromisse zu führen.

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