TIROLER TAGESZEITUNG "Leitartikel" 26. März 2010, von Mario Zenhäusern: "Bei Veto aus Brüssel droht der Wildwuchs"

Wenn die EU beim Grundverkehr auf den Grundsatz "Gleiches Recht für alle" pocht, wären die Folgen fatal.

Innsbruck (OTS) - Tirol ist ein schönes Fleckchen Erde. Deswegen wundert sich auch niemand, dass Baugrundstücke hier begehrter sind als anderswo. Und teurer, weil eben die Nachfrage auch in diesem Bereich den Preis regelt. Einheimische Normalverdiener stellt das zusehends vor unlösbare Probleme. Die Preistreiberei lässt den Traum vom Eigenheim platzen wie eine Seifenblase. Und wenn er sich doch traut, kaut er ein Leben lang an den finanziellen Belastungen.
Nicht minder problematisch ist die Situation der Landwirtschaft. Die Arbeit der Bauern ist zu einem Gutteil dafür verantwortlich, dass Tirol so ausschaut, wie es ausschaut. Landwirtschaft ist auch Landschaftspflege. Deshalb versucht die Landesregierung über das Grundverkehrsgesetz, Tirol vor dem totalen Ausverkauf zu bewahren. Bei der im Vorjahr vom Tiroler Landtag verabschiedeten Novelle ist der Gesetzgeber vom ursprünglichen "Bauernland in Bauernhand" schon meilenweit abgerückt, hat den Kauf landwirtschaftlicher Flächen und von Bauernhöfen auch für Nicht-Landwirte geöffnet.
Der EU-Kommission geht dieser Schritt offensichtlich zu wenig weit. Die Politiker in Brüssel rütteln damit nicht nur am Tiroler Grundverkehr: Auch in anderen Bundesländern wird mit diesem Modell versucht, den Ausverkauf von Grund und Boden zu verhindern und Einheimischen so die Chance auf ein Eigenheim zu wahren. Fällt es, droht der absolute Wildwuchs: Wenn die landwirtschaftlichen Güter nach und nach verkauft und in späterer Folge in (Zweit-)Wohnsitze umgewandelt werden, findet sich bald niemand mehr, der die Flächen bewirtschaftet und so für den Charme unseres Landes sorgt. Drastisch ausgedrückt: Rückt Brüssel nicht von der Regel ab, dass jeder EU-Bürger die gleichen Rechte - auch im Grundverkehr - haben muss, ist es bald vorbei mit dem schönen Land Tirol.

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