"KURIER"-Kommentar von Magdalena Rauscher-Weber: "Schadensbegrenzung"

Die katholische Kirche muss endlich das eigene System infrage stellen.

Wien (OTS) - Für Papst Benedikt XVI. wird das Thema langsam wirklich unangenehm. Immer öfter tauchen Vorwürfe auf, er habe über Missbrauchsfälle Bescheid gewusst. Die jüngsten Enthüllungen sind besonders abscheulich: Ein amerikanischer Priester soll Hunderte gehörlose Buben missbraucht haben. Josef Ratzinger, damals Chef der vatikanischen Glaubenskongregation, sei informiert worden, aber untätig geblieben (siehe Seite 8). Wenn er jetzt im Hirtenbrief zum Missbrauch die Eltern bittet, den Kindern Moral beizubringen, klingt das wie Hohn.
Die österreichischen Bischöfe tun sich nicht leichter. 15 Jahre nach der Affäre Groer plagt man sich nach wie vor mit den Missbrauchsfällen. Wenn Bischof Egon Kapellari "lückenlose Aufklärung nach klaren Regeln" verspricht, ist das löblich, kommt aber Jahre zu spät.
Beim Vertuschen ging es um Schadensbegrenzung für die Kirche. Dass damit der Schaden noch viel größer geworden ist, haben die Kirchenführer offenbar immer noch nicht begriffen - weder in Rom noch in Wien. Sonst würden sie nicht der (sexualisierten) Gesellschaft die Schuld geben, sondern endlich das eigene System infrage stellen. Dass Reformen notwendig sind, sehen auch schon einige Bischöfe ein. Sie sollten es schnell ganz laut sagen, sonst gibt es niemanden mehr, der ihnen zuhört.

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