Expertenforum Beton St. Pölten

Energiespeicher Beton: Frische Bau-Impulse für ein besseres Klima

Wien (OTS) - Unter dem Titel "Energiespeicher Beton - Klimawandel fordert neue Baukonzepte" luden Lafarge Perlmooser GmbH, Wopfinger Baustoffe und die Vereinigung der Österreichischen Zementindustrie zum Expertenforum Beton 2010 in St. Pölten am 24. März 2010 ein. "Die großen Ressourcen von Beton werden mehr und mehr entdeckt, auch durch seinen wachsenden Stellenwert für ein besseres Klima", sagt DI Felix Friembichler, Geschäftsführer der Vereinigung der Österreichischen Zementindustrie (VÖZ). Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand Beton als Hoffnungsträger innovativer Bausysteme, die aktiv zu einer Verbesserung des Klimas beitragen können. "Das Thema Energie bestimmt zurzeit unsere Gespräche am Stammtisch, die nationale und internationale Medienlandschaft und natürlich auch uns, die politischen Entscheidungsträger", so DI Peter Morwitzer, Landesbaudirektor Niederösterreich, im Vorwort zum Tagungsband.

Morwitzer weist dabei besonders auf den Effizienzfaktor von Beton hin. Ein Energiespeicher wie beispielsweise Beton biete einen Ziel führenden und effizienten Ansatz, Wärmenergie zu speichern und bedarfsgerecht dem Verbrauch zuzuführen. Dies gälte sowohl für die Wärmeversorgung als auch für die Kühlung von Gebäuden.

Ressource Beton für erneuerbare Energien

Es besteht akuter Handlungsbedarf beim Einsatz erneuerbarer Energien, die durch die Verwendung von Beton bei Bauprojekten erheblich besser genutzt werden können. "Das große Potenzial von Beton als Energiespeicher macht diesen als Baustoff unverzichtbar. Gerade für den Einsatz von erneuerbaren Energien, wie Sonne oder Erdwärme, leistet Beton als effizienter Massenspeicher einen enormen Beitrag", erklärt DI Felix Friembichler. Gebäude der Gegenwart und Zukunft benötigen durch die intelligente Kombination von Gebäudehüllen im Passivhausstandard und die Nutzung der vorhandenen Speichermassen wenig Wärme, lassen sich praktisch energieautark kühlen und haben eine optimierte Haustechnik.

BOB - Bürogebäude mit optimierten Lebenszykluskosten

Dr. Ing. Bernhard Frohn von der VIKA Ingenieurgesellschaft in Aachen referierte über das Balanced Office Building - kurz: BOB - ein Bürogebäude mit optimierten Lebenszykluskosten. Es benötigt nur 20 Prozent der Energiekosten eines konventionellen Bürogebäudes, wobei neben den Energiekosten, die in einem ständigen Energiemanagement überwacht werden, sämtliche Lebenszykluskosten wie Wartungs- und Instandsetzungskosten, Kosten für Wasser, Kosten für eine eventuelle Umnutzung etc. minimiert wurden. Der Investitionskostenvergleich mit einem Neubau gemäß der Energieeinsparverordnung zeigt bei demselben Ausstattungskomfort keine Mehrkosten.

Eine Null-Energie-Bilanz für Wiener Boutiquehotel Stadthalle

Die Eigentümerin und Geschäftsführerin des Boutiquehotels Stadthalle, Michaela Reitterer, erzählte wie ihr Hotel zum ersten und einzigen Wiener Hotel mit Europäischem Umweltzeichen wurde. Neben einer bereits vorhandenen 130 Quadratmeter großen Solaranlage, den Gründächern und der Regenwassernutzanlage ist man hier in Sachen Umweltfreundlichkeit und nachhaltigem Tourismus der Zeit voraus. Das Haus ist mit einer Wasser-Wärme-Pumpe ausgestattet, die Heizung wird mittels Betonteilaktivierung über die Decke eingebracht. Dieselbe Flächenheizung wird im Sommer auch für eine angenehme Temperierung verwendet, wobei hier durch Brunnenwasser die Kühlung zur Verfügung gestellt wird. Das Fazit: Eine Null-Energie-Bilanz.

Heizen mit Sonne und Beton

An bereits erfolgreich realisierten Projekten mangelt es nicht, und sie haben große Vorbildwirkung. So gelang es zum Beispiel BM Dipl. HTL Ing. Anton Ferle MAS, MSc, von Blitzblau Architektur GmbH in Innerschwand, sein eigenes neues Domizil komplett mit Sonne und Beton zu heizen. Neben Holz und Lehm verwendete er Betonbauteile für behagliche Wärme im Winter und zur Kühlung im Sommer. Resultierend aus sechs Jahren Erfahrung des Einsatzes der Temperierung von Bauteilen, konnte das Ziel "Null-Heizkosten" durch eine 70 Zentimeter dicke Betonplatte und ein Betonsandwich an der Nordseite des Gebäudes erreicht werden.

Österreichisches Know - how in China

Die österreichische Firma Enercret GmbH hat sich seit 1982 auf die Nutzung von Erdwärme zum Heizen und Kühlen von Gebäuden spezialisiert. DI Bernhard Widerin berichtete von alternativen Energieformen im Wuxi Goulian Financial Tower. Das 95 Meter hohe Gebäude beinhaltet ein Shoppingcenter sowie Büros und wird über Geothermie geheizt und gekühlt. Etwa 8.000 Kilowatt werden für die Kühlung und ca. 4.000 Kilowatt für die Beheizung des rund 117.000 Quadratmeter großen Gebäudes benötigt. Die Anlage ist somit das größte Projekt dieser Art weltweit. Weiters wird zusätzlich ein Fluss unter dem Gebäude durchgeleitet, der ebenfalls einen Teil des Wärmetransports übernehmen wird.

Bau der Zukunft: heizen und kühlen mit Beton

Bmstr. Dipl.-Ing. Dr. techn. Gernot Tilz von der Kampits & Gamerith ZT-GesmbH in Graz rückte das Thema Betonteiltemperierung im Bürohausbau ins Zentrum seiner Ausführungen: "Die Kombination aus Betondecken und Heizungssystem wird neben den baustellen- und bauablaufrelevanten Punkten auch in Hinblick auf die Argumente der Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit hohen Ansprüchen gerecht und leistet somit einen wesentlichen Beitrag zur ökologischen Ökonomie für zukünftige Bauwerke."

Auch Bmstr. DI (FH) Robert Kamleitner von Alfred Trepka GmbH in Obergrafendorf sprach über die Vorteile von Betonfertigteilen. "Die Tatsache, dass viele Experten der Ansicht sind, dass in Zukunft die zum Kühlen eines Gebäudes aufzubringende Energie deutlich höher sein wird als die für dasselbe Gebäude benötigte Heizenergie, stimmt uns zuversichtlich, mit dem Baustoff Beton und der Betonteilaktivierung auf das richtige System gesetzt zu haben." Univ.-Prof. DI Dr. techn. Dietmar Adam von der TU Wien, Institut für Geotechnik, widmete seinen Vortrag innovativen Systemen der Erdwärmenutzung, um regenerative Energie aus dem Untergrund zu nützen. Seit Anfang der 90er-Jahre würden Technologien entwickelt, die es erlauben, Absorbersysteme in Bauwerksteile zu integrieren und damit größere Energiepotenziale zu günstigeren Preisen zu erschließen, so Adam.

Impulse für die Branche

Mit der Veranstaltungsreihe des Expertenforums Beton werden wichtige Akzente für umweltschonendere Entwicklungen gesetzt. "Die laufenden Bemühungen, wie sie auch beim Expertenforum in St. Pölten dokumentiert werden, leisten daher einen wesentlichen Beitrag zur dringend erforderlichen Erhöhung des effizienten Einsatzes von mehr erneuerbarer Energie", schließt DI Peter Morwitzer. Die Chancen, die so genannten 20-20-20 Ziele zu erreichen, d.h. Reduktion der CO2-Emissionen und des Energieverbrauchs bis 2020 gegenüber dem Stand von 1990 jeweils um 20 Prozent und um 20 Prozent erhöhte Nutzung erneuerbarer Energiequellen, steigen daher wesentlich.

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