Kritik zum Romy Auswahlverfahren

Wien (OTS) - Es ist begrüßenswert, dass österreichische Filme, welche in den letzten Jahren zahlreiche internationale Ehrungen und Preise erringen konnten, auch im Rahmen der ROMY-Veranstaltung präsent sind und damit erneut in den Blickpunkt der Öffentlichkeit rücken.

Der Vorstand des Verbandes Filmregie Österreich, die Standesvertretung der heimischen RegisseurInnen, hält die momentane Vorgehensweise beim ROMY-Auswahlverfahren der Filme jedoch für absolut ungeeignet.

Zum Einen werden bei den Nominierungen in den einzelnen Preiskategorien (Regie, Drehbuch, Kamera) die Sparten "Kino-Film" und "TV-Film" vermischt, was unseres Erachtens unzulässig ist. Die Regie bei einer Kino-Produktion unterscheidet sich in zahlreichen Punkten von derjenigen eines TV-Filmprojekts. Das gilt auch für die anderen Bereiche, wie Drehbuch und Kamera. Dies außer Acht zu lassen , heißt den "Wettbewerb" entscheidend zu verzerren, indem man Projekte gegeneinander antreten lässt, die in künstlerischer, budgetärer und logistischer Hinsicht unter vollkommen verschiedenen Bedingungen und mit gänzlich anderen Vorraussetzungen entstanden sind. Es bedeutet, die unterschiedlichen Leistungen und Tätigkeiten der Filmschaffenden nicht nach entsprechend professionellen Kriterien zu beurteilen.

Weiters halten wir es für unzulässig, alle bisherigen ROMY-PreisträgerInnen zur Jury bzw. zu einem Film-Akademiegremium "hoch zu stilisieren". Die ROMY war bekanntlich bislang ein TV- und Publikums-Preis, bei dem unter anderem auch die beliebtesten Nachrichten- und Programm ModeratorInnen, wie auch Sport-ModeratorInnen gewählt wurden. Diese Veranstaltung jetzt nebenbei auch zu einem "Filmpreis" und alle ROMY-PreisträgerInnen zu "Film-Experten" zu erklären, macht das Auswahlverfahren nicht "demokratischer und transparenter", wie der Organisator Rudolf John meint, sondern vielmehr diffuser und letztendlich fragwürdig.

Es ist bei der Vergabe von Film-Preisen bei allen anerkannten Festivals üblich, dass eine Fach-Jury die einzelnen Werke beurteilt. Bei Publikums-Preisen wiederum entscheidet das anwesende Publikum. In beiden Fällen kann davon ausgegangen werden, dass die Experten die Filme, über die sie urteilen, in voller Länge im Kino gesehen haben. Nur so kann ein profundes Urteil gefällt werden. Wenn nun, wie beim gegenwärtigen ROMY-Auswahlverfahren, nicht kontrolliert werden kann, wer welchen Film tatsächlich gesehen hat, ist die Transparenz und das profunde Urteil gefährdet.

Nicht zuletzt sollte dieser Preis wie jeder andere auch dazu dienen, die PreisträgerInnen ins Licht der öffentlichen Aufmerksamkeit zu rücken und damit ihre Arbeit sowohl zu würdigen, wie auch zu fördern. Das nun angewandte "ROMY-Auswahlverfahren" wird voraussichtlich zur Folge haben, dass der Film eine Chance auf eine Auszeichnung hat, der bereits im Fokus des öffentlichen Interesses steht. Wie bei anderen Film-Akademien und Preisen üblich, müsste jedes stimmberechtigte Akademie- oder Jury-Mitglied zumindest alle nominierten Filme auf DVD ins Haus geliefert bekommen, um sich über die Werke eine Meinung bilden zu können. Ist dies nicht gewährleistet, werden die bekannteren Filme über die weniger bekannten dominieren.

Wir bedauern sehr, dass die ROMY-Organisatoren in dem richtigen Bestreben, auf die zahlreichen internationalen Erfolge des heimischen Filmschaffens zu reagieren, vorschnell und eilfertig einen "Filmpreis" ausrufen, der auf Grund unangemessener Vergabemodalitäten von vornherein nicht professionell gestaltet und damit auch nicht von hohem Wert ist. Dadurch wird dem österreichischen Film kein guter Dienst erwiesen.

Wir ersuchen daher die ROMY-Organisatoren das Auswahlverfahren entsprechend den oben genannten Anmerkungen einer Änderung zu unterziehen.

Mit besten Grüßen

Der Vorstand

Barbara Albert
Andrea Maria Dusl
Gerhard Ertl
Rupert Henning
Michael Kreihsl
Götz Spielmann

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