OeNB - 2009 - Ein herausforderndes Jahr für Österreichs Banken

Pressekonferenz der OeNB anlässlich des Jahresrückblicks auf das Bankenjahr 2009

Wien (OTS) - Die Leitzinssenkungen der EZB wurden in Österreich aufgrund des hohen Anteils von variabel verzinsten Krediten deutlich rascher an die Kreditnehmer weitergeben als in anderen Ländern des Euroraums, betonte Direktor Mag. Andreas Ittner. Die Kreditvergabe an Unternehmen war - laut Direktor Ittner - mit einer Neukreditvergabe von monatlich rund 7,5 Mrd EUR relativ stabil. Durch hohe Rückzahlungen sank hingegen das aushaftende Kreditvolumen um 1,7%. Bei Krediten an Private gab es 2009 ein geringfügiges Wachstum (0,6%). Das Betriebsergebnis der österreichischen Banken erreichte -unkonsolidiert - einen ähnlichen Wert wie in den letzten Jahren (6,8 Mrd EUR). "Wegen historisch hoher Risikovorsorgen erwarten die österreichischen Banken", so Direktor Ittner, "jedoch einen deutlich geringeren unkonsolidierten Jahresüberschuss von nur 248 Mio EUR". Das erwartete konsolidierte Jahresergebnis (1,5 Mrd EUR) wird nach wie vor hauptsächlich in den Staaten Ost- und Südosteuropas erwirtschaftet. Die konsolidierte Kernkapitalquote erhöhte sich nicht zuletzt durch das Bankenpaket auf 9,27%. Abschließend resümierte Direktor Ittner, dass 2009 für die österreichischen Banken infolge der stark gestiegenen Risikovorsorgen ein herausforderndes Jahr gewesen sei.

Sinkende Zinssätze entlasten österreichische Kreditnehmer
"Die deutlich niedrigeren Zinssätze im Kundengeschäft führten dazu, dass für EUR-Kredite der Zinsaufwand für Unternehmen 2009 gegenüber 2008 um rund 2,5 Mrd EUR sank", erläuterte OeNB-Chefstatistiker Aurel Schubert. Private Haushalte ersparten sich bei EUR-Krediten rund 1 Mrd EUR. Bei Unternehmen wurden bei neu vergebenen Krediten die sieben Leitzinssenkungen der EZB (um 325 Basispunkte) seit September 2008 bereits vollständig weitergegeben. Der Zinssatz für neue Kredite an Unternehmen sank in derselben Zeit um 357 Basispunkte, jener an private Haushalte um 288 Basispunkte. Neue Wohnbaukredite lagen im Dezember 2009 sogar erstmals unter der 3 %-Marke. Die Neugeschäftsspanne - die Differenz zwischen Kredit- und Einlagenzinssätzen - war mit 92 Basispunkten in Österreich im Jänner 2010 die niedrigste des Euroraums.

Besonders wies Schubert darauf hin, dass die sinkenden Leitzinssätze aufgrund des höheren Anteils variabel verzinster Kredite in Österreich sich im Bestand rascher als im Euroraum in den Kundenkonditionen widerspiegelten. So stieg der Zinsvorteil für Österreichs Kunden gegenüber dem Euroraum zwischen Dezember 2008 und Jänner 2010 bei Unternehmenskrediten von 13 auf 69 Basispunkte, bei Konsumkrediten gar von 12 auf 150 Basispunkte.

Über 90 Mrd EUR an Neukreditvergaben an Unternehmen
Das aushaftende Kreditvolumen an Unternehmen sank 2009, so Schubert, um 2,3 Mrd EUR (bzw. 1,7%), nachdem es 2008 noch um 11,3 Mrd EUR angestiegen war. Der Rückgang fiel im Euroraum allerdings noch etwas stärker aus (-2,1%). Dennoch wurden weiterhin konstant neue Kredite an Unternehmen vergeben, in Summe 90,6 Mrd EUR; 80% davon allerdings mit nur sehr kurzer Laufzeit (bis 6 Monate). Bei den privaten Haushalten war 2009 nach wie vor ein leichtes Kreditwachstum (um 0,7 Mrd EUR oder 0,6%) zu beobachten. Die Summe aller Kredite an inländische Kunden sank 2009 auf 302,3 Mrd EUR, während die Einlagen auf 279,0 Mrd EUR stiegen. "Mit einem Kredite/Einlagen-Verhältnis von rund 108% bleibt eine günstige Refinanzierung der Kredite sichergestellt", so Direktor Schubert.

Trend zu kurzfristigen Einlagen
Generell ist ein Trend zu kurzfristigeren Einlagenformen erkennbar, wobei immer mehr Geld auf Gehalts- und Pensionskonten gehalten wird (+14,8%). An den Sichteinlagen in der Höhe von 87 Mrd EUR haben Direktbanken bereits einen Anteil von über 9%, ein Plus von 4,1 Prozentpunkten. Termineinlagen gingen 2009 nach Anstiegen in den letzten Jahren um mehr als ein Viertel zurück, Spareinlagen stiegen bei den derzeit niedrigen Zinssätzen nur um 2,3% auf 159 Mrd EUR.

Hohe Wertberichtigungen reduzieren erwarteten Jahresüberschuss massiv Die unkonsolidierten Betriebserträge gingen um 13,1 % auf 17,9 Mrd EUR zurück. Verantwortlich dafür waren unter anderem Rückgänge im Beteiligungsgeschäft (-3,87 Mrd EUR). Die Betriebsaufwendungen sanken hingegen um 3% auf 11,1 Mrd EUR, so Schubert. Das unkonsolidierte Betriebsergebnis der in Österreich tätigen Kreditinstitute reduzierte sich dadurch um 25,7%. Die erwarteten Risikokosten (u.a. Wertberichtigungen im Kreditbereich von 4,26 Mrd EUR) werden mit 8,32 Mrd EUR auf ein historisch hohes Niveau geschätzt. Durch ein außerordentliches Ergebnis von 2,23 Mrd EUR wird ein Jahresüberschuss von 0,25 Mrd EUR (-86,9%) erwartet.

Konzernergebnis verbessert sich
Weiters präsentierte Direktor Schubert die aktuellen vorläufigen Daten des österreichischen Bankensektors auf Konzernbasis. Das konsolidierte Jahresergebnis nach Steuern stieg demnach gegenüber dem sehr geringen Wert 2009, liegt aber noch weit hinter den Ergebnissen von 2006 (7,5 Mrd EUR) bzw. 2007 (6,8 Mrd EUR). Während die Betriebserträge beträchtlich erhöht werden konnten (+ 12,5%), erfolgten auf der Kostenseite Reduktionen (-6,2%), wodurch eine Verdoppelung des Betriebsergebnisses (vor Risikovorsorgen) auf 15,6 Mrd EUR gelang. Auch konsolidiert betrachtet stiegen die Risikovorsorgen kräftig an, so verdoppelten sie sich im Kreditgeschäft auf 11,0 Mrd EUR.

Die konsolidierten Auslandsforderungen österreichischer Banken gegenüber Zentral- und Südosteuropa bzw. den GUS-Staaten gingen um 6,3% auf 204 Mrd EUR zurück, wobei verstärkt eine Konzentration des Engagements auf osteuropäische EU-Mitgliedstaaten festzustellen war (Anteilszuwachs um 2,4 %-Punkte auf 71,6%). In Märkten wie Griechenland, Irland, Spanien oder dem Vereinigten Königreich sind die österreichischen Banken hingegen nur relativ wenig exponiert, resümierte Schubert.

Rückgang bei Bankstellen und Mitarbeitern im Inland
Im Jahr 2009 setzte sich der notwendige Strukturbereinigungsprozess bei den Bankstellen mit einem Rückgang um 89 fort. Das ist das 2,5-Fache des Jahres 2008. Die hohe Zahl an Bankstellen in Österreich bewirkt, dass rund 2.000 Einwohner auf eine Bankstelle kommen. Damit liegt Österreich im EU-Vergleich im niedrigsten Drittel. Im Jahr 2009 gab es erstmals seit 2004 wieder einen Rückgang der Bankbeschäftigten (-1,9%) auf 79.000 Personen. Zuwächse gab es hingegen bei den inzwischen schon 144.000 Beschäftigten (+3,5%) bei 89 vollkonsolidierten Auslandstochterbanken österreichischer Institute.

Weitere statistische Informationen unter www.dieaktuellezahl.oenb.at bzw. www.oenb.at im Bereich "Statistik und Melderservice"

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