WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Der Proporz feiert seine Auferstehung - Günter Fritz

Bei öffentlichen Posten kommt es weiter aufs richtige Parteibuch an

Wien (OTS) - Die zu Redaktionsschluss noch in Gang befindliche Neubesetzung des Vorstands der Hypo Alpe Adria Group hat zwei Seiten:
eine positive und eine negative. Die positive ist, dass die Kärntner Skandalbank eine neue Führung erhält, die nun unverzüglich daran gehen kann, den Schutt der Vergangenheit aufzuräumen und die Neuaufstellung des Instituts voranzutreiben. Das wird auch nötig sein, wenn der Bund, der die Hypo mittels Notverstaatlichung vor der Pleite retten musste, in drei, vier Jahren wie geplant ohne finanzielles blaues Auge wieder aussteigen will.

Die negative Seite der Jobrochaden an der Hypo-Spitze hingegen zeigt deutlich, wie wenig sich in den vergangenen Jahren in Sachen Polithygiene getan hat. Die Proporzmentalität in staatlichen Unternehmen feiert wieder einmal ihre Auferstehung - genau genommen ist sie freilich nie gestorben. In trauter rot-schwarzer Eintracht wurden hier nach kurzer, intensiver Mauschelei und in bester großkoalitionärer Tradition Jobs offenbar freihändig vergeben. Zum Wochenende endete erst die Bewerbungsfrist für die 20 bis 30 kolportierten Kandidaten, zu Wochenbeginn standen die vier neuen Vorstände bereits fest. Die Shortlist wurde offenbar im Schnellsiederverfahren erstellt und die Kandidaten-Hearings durch den Aufsichtsrat unter Führung von Johannes Ditz (ÖVP) und Rudolf Scholten (SPÖ)raschestmöglich durchgepeitscht - soferne überhaupt ernstzunehmende stattgefunden haben. Folgerichtig wurde der neue -von Ex-KPMG-Geschäftsführer Gottwald Kranebitter und dem bisherigen Morgan Stanley-Banker Johannes Proksch als Neo-Finanzchef geleitete -Vierer-Vorstand in bestem Einvernehmen zwischen rot und schwarz aufgeteilt.

Das soll nun nicht unbedingt gegen die Qualifikationen der neuen Hypo-Manager sprechen, es zeigt jedoch klar, dass es in Österreich bei Postenbesetzungen im öffentlichen Bereich nach wie vor auf das richtige Parteibuch ankommt. Egal ob ÖBB, Asfinag, Post oder Flughafen Wien - überall, wo die Politik ihre Finger im Spiel hat, hat sie bei Personalentscheidungen das letzte Wort. Von einer Bewegung der besten Köpfe ist in öffentlichen Unternehmen nicht wirklich was zu bemerken. Angesichts der budgetären Situation, in der sich Österreich befindet, sind solche Besetzungsmethoden definitiv abzulehnen. Auch weil dabei finanzielle Überlegungen keine Rolle spielen, solange die gewünschten Kandidaten zum Zug kommen. Das zeigt nicht zuletzt die Millionen-Euro-Ablöse von Ex-Hypo-Chef Franz Pinkl, auch wenn von der Politik darum zuletzt gestritten wurde.

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