Vatikan: Keine Geheimanweisungen bei Missbrauchsfällen

"Staatsanwalt" in der vatikanischen Glaubenskongregation, Msgr. Charles Scicluna: "Klares Prinzip, dass kirchliche Stellen Strafanzeige stellen müssen" - Kirchenrechtliches Verfahren oft strenger als das Verfahren vor staatlichen Gerichten

Vatikanstadt, 19.03.10 (KAP) Es gibt keine kirchlichen Dienstvorschriften zur Vertuschung von Missbrauchsfällen: Darauf hat der "Staatsanwalt" in der vatikanischen Glaubenskongregation, Msgr. Charles J. Scicluna, am Freitag auf Anfrage von Nachrichtenagenturen hingewiesen.

Im Gegenteil sei es ein "klares Prinzip", dass kirchliche Stellen Strafanzeige machen müssten, wenn dies nach dem staatlichen Recht verlangt werde, so Scicluna. Es bestehe auch die allgemeine moralische Pflicht, mit staatlichen Behörden zu kooperieren.

Es habe zwar ein vertrauliches Dokument zum Umgang mit Missbrauch gegeben. Es handelt sich um das Dokument "Crimen Sollicitationis" von 1922 und 1962. Aber dies sei schon längst öffentlich zugänglich.

Eine nicht autorisierte schlechte Übersetzung ins Englische habe den Eindruck der Geheimhaltung erweckt, erläuterte der aus Malta stammende Kirchenrechtler. Im Gegenteil zu anderslautenden Spekulationen sei das Ermittlungsgeheimnis eingeführt worden, um den Schutz der beteiligten Personen zu sichern.

Scicluna betonte weiters, dass sich die allgemeine moralische Pflicht zur Zusammenarbeit mit staatlichen Ermittlern schon aus den Prinzipien des Kirchenrechts ergebe. Die häufig kommentierte Formel des "secretum pontificium" übersetzte Scicluna mit "Verschwiegenheitspflicht". Sie müsse klar vom Beichtgeheimnis unterschieden werden. Nur letztes sei unverletzlich.

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