ÖAMTC-Expertenforum "Technologien zur Einhaltung zukünftiger Stickoxid-Grenzwerte" (+Foto)

Erreichung der EU-Grenzwerte durch Abgasnormen fraglich, Experten fordern weitere Maßnahmen

Wien (OTS) - Die Umsetzung der EU-Richtlinien zur Luftqualität erfolgt in Österreich im Immissionsschutzgesetz Luft (IG-L). Überschreitungen gibt es neben Feinstaub vor allem bei Stickstoffdioxid (NO2). Hauptverursacher ist der Verkehr, konkret:
Diesel-Fahrzeuge. Problemgebiete sind größere Städte und Messstellen, die nahe an intensivem Kfz-Verkehr liegen. Das heutige Expertenforum "Technologien zur Einhaltung zukünftiger Stickoxid-Grenzwerte", das der ÖAMTC gemeinsam mit dem Institut für Fahrzeugantriebe und Automobiltechnik der Technischen Universität Wien veranstaltet, gibt einen Überblick über den Status Quo. Internationale Experten aus Wissenschaft, Forschung und Automobilindustrie informieren über aktuelle und zukünftig notwendige Maßnahmen zur Erreichung der EU-Grenzwerte.

Im Jahr 2008 wurden die NO2-Jahresmesswerte in Österreich an 21, im Jahr 2009 an 20 von 150 Messstellen überschritten. Die bisherigen Maßnahmen der EU konzentrieren sich auf die Emissionsreduktion durch Einführung der Abgasklassen Euro 5 und Euro 6. "Wir können davon ausgehen, dass in den nächsten Jahren durch Euro 5 eine leichte Verbesserung der Immissionssituation von NO2 in Österreich auftreten wird und die EU-Grenzwerte nur mehr an stark belasteten Messorten überschritten werden. Mit dem Wirksamwerden von Euro 6 in den Jahren nach 2015 werden Überschreitungen der EU-Grenzwerte voraussichtlich der Vergangenheit angehören", ist Hans Puxbaum vom Institut für Chemische Technologien und Analytik an der Technischen Universität Wien, beim ÖAMTC-Expertenforum überzeugt.

Nicht ganz so positiv sind die Erwartungen von Günter Lichtblau vom Umweltbundesamt: "Die nationalen Emissionsgrenzwerte sind auf absehbare Zeit nicht einzuhalten. Ohne weitere Maßnahmen ist ein Rückgang von NO2 erst im Jahr 2013 zu erwarten, die Einhaltung 2015 ist fraglich." Im Rahmen des ÖAMTC-Expertenforums fordert er daher neben technischen Verbesserungen eine Kombination von ökonomischen, rechtlichen und organisatorischen Maßnahmen, konkret: die Verlagerung des Individualverkehrs auf den öffentlichen Verkehr, Geschwindigkeitsbeschränkungen, die Forcierung des Einsatzes alternativer Antriebe und steuerliche Maßnahmen zur Reduktion der Anzahl von Dieselfahrzeugen in Österreich.

Automobilindustrie - technische Lösungen durch Stickstoff-Katalysatoren und Hybridantrieb

Die Reduktion der Stickoxid-Emissionen ist eine der aktuellen Herausforderung der Automobilindustrie. Die Hoffnung liegt in der Ausrüstung neuer Fahrzeuge mit Stickstoff-Katalysatoren. Eine Nachrüstung ist in diesem Fall nicht möglich, die neuen Systeme sind entsprechend aufwändig.

Doch laut Patrice Marez, Direktor Konzeption Antriebssysteme, PSA Peugeot Citroen, wird der Einsatz von Stickstoff-Katalysatoren allein nicht ausreichen, um die Emissionsziele langfristig zu erreichen. "Die Automobilindustrie muss technische Entwicklungen forcieren, die eine Stickstoffreduktion bei gleichzeitiger Kraftstoffeinsparung ermöglichen. Dazu wird es notwendig sein, dass Lösungen wie der teilweise oder vollständige Einsatz von Hybridantrieben dem breiten Markt zugänglich gemacht werden", erklärt Marez beim ÖAMTC-Expertenforum. Auch Richard Dorenkamp von der Volkswagen AG sieht die aktuellen EU-Normen als Herausforderung: "Sämtliche Maßnahmen - Optimierung des innermotorischen Verbrennungsprozesses ebenso wie aufwändige zusätzliche Abgasnachbehandlungsbausteine mit zugehöriger Sensorik - eröffnen ein Spannungsfeld aus maximalem Stickoxid-Wirkungsgrad und verträglicher Kostenzunahme bei weiterem CO2-Minderungspotenzial."

Mercedes bietet mit der Bluetec-Technologie bereits Dieselfahrzeuge an, die die Euro 6 - Abgasnormen erfüllen. Probleme ortet Guido Vent, Daimler AG, in der weltweit unterschiedlichen Abgasgesetzgebung: "Konflikte im Hinblick auf Grenzwerte, Zyklen und andere Rahmenbedingungen wie CO2-Ziele erschweren die Entwicklung eines weltweit einsatzfähigen Dieselabgasnachbehandlungssystems."

Nähere Informationen zum ÖAMTC-Expertenforum findet man online unter www.oeamtc.at .

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