Mölzer: Erdogan betrachtet sich als Protektor der türkischen Parallelgesellschaften in Europa

Nicht Assimilierung von Türken ist ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit, sondern türkischer Völkermord an den Armeniern - Beitrittsverhandlungen sind sofort abzubrechen

Wien (OTS) - Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan betrachte sich offenbar weiterhin als Protektor der türkischen Parallelgesellschaften in Europa, erklärte der freiheitliche Delegationsleiter im Europäischen Parlament, Andreas Mölzer. "Wenn Erdogan, wie heute im ?Spiegel-online? zu lesen ist, bei einer Veranstaltung in Istanbul vor Auslandstürken die Ansicht vertreten hat, daß im Ausland lebende Türken die Staatsbürgerschaft ihrer neuen Heimat annehmen sollten, aber nicht in erster Linie um sich dort zu integrieren, sondern um politisch aktiv zu werden, dann wird deutlich, daß der Regierungschef die Auslandstürken vor allem als fünfte Kolonne Ankaras betrachtet", kritisierte Mölzer.

Als unerträglich bezeichnete der freiheitliche EU-Mandatar Erdogans Vergleich der Islamophobie mit dem Antisemitismus. "Im Gegensatz zur Türkei, wo Christen im Alltag diskriminiert werden, können in Europa Moslems ihre Religion frei praktizieren. Herr Erdogan soll, wenn ihm angeblich so viel an den Grundrechten liegt, lieber dafür sorgen, daß in der Türkei die christlichen Minderheit endlich die vollen Rechte bekommen", stellte Mölzer klar.

Und wenn Erdogan wie schon vor zwei Jahren bei seiner Kölner Rede die Assimilierung als Verbrechen gegen die Menschlichkeit bezeichnet, dann solle er doch, so der freiheitliche Europaparlamentarier, einen Blick auf die türkische Geschichte werfen. "Denn bekanntlich war der Völkermord an bis zu eineinhalb Millionen christlichen Armeniern durch das Osmanische Reich ein Völkermord", betonte Mölzer.

Insgesamt habe, so Mölzer, der türkische Ministerpräsident erneut zu verstehen gegeben, daß er sich nicht als Partner Europas, sondern als Schutzherr der türkischen Parallelgesellschaften in Europa betrachte. "Für die Europäische Union ist es daher an Zeit, endlich die Beitrittsverhandlungen mit Ankara abzubrechen", forderte der freiheitliche Europa-Abgeordnete abschließend.

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