Europäische Industrie: Öffentliche Verschuldung größte Gefahr für Wirtschaftserholung

IV-GS Beyrer: Brauchen gemeinsamen europäischen Kraftakt mit mutigen Reformen - Maastricht-Pakt bleibt bestimmende Richtlinie - Zukunftsinvestitionen steigern

Wien (OTS/PdI) - Die internationale Finanz- und Wirtschaftskrise habe "Jahre ökonomischen Wachstums und Fortschritts ausgelöscht", so der Generalsekretär der Industriellenvereinigung (IV) Mag. Markus Beyrer bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem Präsidenten des europäischen Industrie- und Arbeitgeberdachverbandes BUSINESSEUROPE Jürgen Thumann sowie BUSINESSEUROPE-Generalsekretär Philippe de Buck zu "Sustainability of Public Finances" heute, Montag, in Brüssel. So wichtig und richtig die Stabilisierung des Finanz- und Wirtschaftssystems durch öffentliche Konjunkturpakete gewesen sei, "entwickelt sich die Schwäche der öffentlichen Finanzen zur größten Gefahr für die wirtschaftliche Erholung". Diese Entwicklung erschwere den Zugang von Unternehmen zu ausreichender Finanzierung und untergrabe das Vertrauen in den Euro. "Die nachhaltige Gestaltung der öffentlichen Haushalte muss daher in einem gemeinsamen europäischen Kraftakt mit mutigen Reformen sichergestellt werden", forderte Beyrer, der seit dem jüngsten BUSINESSEUROPE-Präsidentenrat in Stockholm Vorsitzender der High-Level-Group von BUSINESSEUROPE zur "Tragfähigkeit öffentlicher Finanzen" ist.

Im Zentrum der neuen europäischen Wachstumsstrategie "Europe2020" müsse daher zweierlei stehen: Erstens die rasche Konsolidierung der öffentlichen Haushalte und zweitens Maßnahmen, welche für mehr Wachstum sorgen und dadurch neue Jobs entstehen lassen. "Die Budgetkonsolidierung wird in der EU nur dann gelingen, wenn auch mit Blick auf die demografische Verschiebung strukturelle Reformen rasch angegangen werden", so Beyrer, der gemeinsam mit Präsident Thumann und Generalsekretär de Buck am Nachmittag in Brüssel auch mit EZB-Präsident Jean-Claude Trichet zusammentrifft. Die Pensionssysteme müssten reformiert - um insbesondere Frühpensionierungen zu verhindern - und Anreize geschaffen werden, möglichst viele Menschen möglichst lange in Arbeit zu halten. Reformen seien zudem im Gesundheitssystem und in der Verwaltung notwendig: "Mehr Effektivität und weniger Doppelgleisigkeiten bedeuten Einsparungen, ohne dass die Qualität leidet", betonte der IV-Generalsekretär.

Der Maastricht-Pakt bleibe die bestimmende Richtlinie für die Rückkehr auf einen nachhaltigen Budgetpfad - Europa stehe allerdings eine Mammut-Aufgabe bevor: "Um die öffentliche Verschuldung - im Schnitt der EU-27 im Jahr 2025 - zurück auf die Maastricht-Grenze von 60 Prozent des BIPs zu drücken, müssten die Regierungen ab 2014 über Jahre hinweg jährliche Primärüberschüsse - Budget vor Aufwendungen für den Zinsendienst - von 2,8 Prozent des BIPs erzielen. Erforderlich sei dazu ferner ein durchschnittliches jährliches Wachstum von zwei Prozentpunkten. Allein eine Stabilisierung der Staatsschulden bei 80 Prozent bis 2025 würde Primärüberschüsse von 1,4 Prozent des BIP erforderlich machen."

Gleichzeitig müsse aber auch für ein ausreichendes Wachstum gesorgt werden, weil die genannten Ziele ansonsten nicht zu erreichen seien, unterstrich der IV-Generalsekretär: "Wir müssen die richtigen Zukunftsinvestitionen steigern, also vor allem Investitionen in Bildung, Forschung und Innovation." So würde sich das europäische BIP um rund 2,6 bis 4,4 Prozent erhöhen, würde das Ziel erreicht, drei Prozent des BIP in F&E zu investieren. Weitere wichtige Maßnahmen lägen vor allem im Infrastrukturbereich. "Investitionen in eine wettbewerbsfähige IKT-Infrastruktur werden in den nächsten Jahren sehr wichtig sein. Zudem müssen wir in die weitere Diversifizierung und Erneuerung der Energiegewinnung investieren", so Beyrer. Bei diesen Investitionen sollten PPP-Modelle und damit in Zusammenhang insbesondere verstärktes Market Testing eine größere Berücksichtigung finden als bisher.

Weitere Informationen: www.businesseurope.eu

Rückfragen & Kontakt:

IV-Newsroom
Tel.: +43 (1) 711 35-2306
info@iv-newsroom.at
www.iv-net.at/medien

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | NPI0002