Fluglärm macht krank - auch die Liesinger und ihre Nachbarn

Überflüge über dicht besiedeltes Gebiet sind volkswirtschaftlich unsinnig und gesundheitspolitisch unverantwortlich

Wien (OTS) - In Deutschland ist es jetzt "amtlich". Fluglärm in
der Umgebung des Flughafens Köln-Bonn erhöht das Erkrankungsrisiko dramatisch. Dass das in den betroffenen Gebieten rund um Wien Schwechat ähnlich sein wird, leugnen wohl nur mehr eingefleischte Fluglobbyisten.

Aber der Reihe nach: Das deutsche Umweltbundesamt hat erst kürzlich eine wissenschaftliche Untersuchung von Prof. Dr. Greiser über die Gesundheitsschädlichkeit von Fluglärm publiziert. Die Studie beruht auf Daten von ca. 1 Mio. Versicherten rund um den Flughafen Köln-Bonn. Das erschütternde Ergebnis: Schon ab einem mit 35,25 dBA recht niedrigen 24-Stunden-Dauerschallpegel für Fluglärm steigt bei Männern und Frauen das Risiko, an Herz- und Kreislauf zu erkranken, mit jedem zusätzlichen Dezibel linear an. Bei Frauen ist das Erkrankungsrisiko für Depression stark erhöht. Eine entsprechende Studie für Krebserkrankungen ist bisher aus politischen Gründen nicht veröffentlicht worden. Die Ergebnisse aus beiden Studien sind in der Abbildung "Anstieg des Erkrankungsrisikos durch Fluglärm" zusammengefasst.

Überträgt man die Erkenntnisse von Prof. Dr. Greiser auf Liesing, das mit einem 24-Stunden-Fluglärm-Dauerschallpegel von 40,8 dBA belastet ist, so erhält man ein beunruhigendes Bild der Auswirkungen der seit 2004 überfallsartig auf dicht besiedeltes Gebiet verlegten Flugrouten. Der Fluglärm lässt das Risiko bei Frauen und Männern für sämtliche Herzkreislauferkrankungen um 17% bzw. 18%, das für koronare Herzkrankheit um 14% bzw. 24% und jenes für Schlaganfälle um 23% bzw. 29 % steigen. Das Risiko für Brustkrebs erhöht sich entsprechend dem Fluglärmpegel um 31%, das für Depression bei Frauen sogar um 51% (Abbildung "Abschätzung der Gesundheitsrisiken bei Übertragung der Greiser Studien auf Liesing").

Eine genauere Berechnung kann nur mit einer gleichartigen Studie für den Flughafen Wien erreicht werden. Für eine erste Abschätzung der zusätzlichen Krankheitsfälle reicht aber die Übertragung der Greiser Studien. Bei rund 100.000 betroffenen Menschen in Liesing und den direkt angrenzenden Gebieten in Wien und Niederösterreich ist demnach z.B. mit 50 zusätzlichen Schlaganfällen pro Jahr zu rechnen.

So wie bei allen anderen Krankheiten ist nicht nur das persönliche Schicksal dramatisch, es entstehen auch beträchtliche Kosten für das Gesundheitssystem. Multipliziert man beispielsweise die bekannten durchschnittlichen Kosten pro Schlaganfall von rund 75.000 Euro mit der Anzahl der Schlaganfälle, so kommt man alleine dafür auf rund 3,75 Millionen Euro pro Jahr, die der Verlegung der Flugrouten auf das dicht besiedelte Liesing zuzuschreiben sind. (Abbildung "Flugrouten im Süden Wiens verlaufen über dichtest besiedeltes Gebiet")

Daher sind nicht nur Austro Control und Infrastrukturministerium, sondern auch das Gesundheitsministerium dringend gefordert, zu den Flugrouten über Liesing volkswirtschaftlich sinnvollere und gesundheitspolitisch verträglichere Alternativen zu finden bzw. zu verordnen.

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Parteiunabhängige BI "Liesing gegen Fluglärm und die 3. Piste"
Email: liesing@fluglaerm.at,
Homepage: http://liesing.fluglaerm.at

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