"Tiroler Tageszeitung" Kommentar: "Patriarchat bleibt fest verwurzelt" (Von MIRIAM SULAIMAN)

Ausgabe vom 11. März 2010

Innsbruck (OTS) - Gerade einmal 4,7 % der BürgermeisterkandidatInnen sind weiblich. So besteht keine Aussicht auf Besserung.

Wir leben im Jahr 2010. Davon ist bei der Gemeinderatswahl nichts zu spüren. Nur 27 Frauen treten als Bürgermeisterkandidatinnen an. Ihnen gegenüber stehen 543 Männer. Es haben zwar mehr Frauen nun Chancen als bei der letzten Wahl, aber es sind gerade einmal fünf! Und das in 276 Orten. Damit ist im Vorhinein klar: Die marginale Vertretung weiblicher Führungskräfte in der Gemeindepolitik bleibt bestehen. Sie verfestigt sich sogar. Und das ist kein Wunder. Gleichstellung ist außerhalb der Landeshauptstadt ein Fremdwort. Was, eine Frau will mitreden? Nein, die soll sich um ihre Sachen kümmern. Die Kinderbetreuung soll ausgebaut werden? Nein, die Frauen sollen doch nicht im Kaffeehaus sitzen. Eine Frau unter den KandidatInnen? Ja, natürlich - auf Platz 5.

Das ist kein Auszug aus Gesprächen vor 40 oder 50 Jahren. Sondern von heuer. Das patriarchische Denken ist speziell in kleinen Gemeinden am Land fest verankert. Das Sagen haben die Männer. Weil das immer schon so war. Dass es eindeutige Studien gibt, die beweisen, dass ein ausgeglichener Frauenanteil sich positiv auswirkt, davon wollen sie nichts wissen. Und zugleich heißt es, dass sich die Frauen ja nicht zur Wahl stellen. Eine faule Ausrede, sonst nichts. Der Grund liegt auf der Hand: Frauen trauen sich viel zu selten aufzubegehren - in diesem patriarchischen Umfeld, wo ihnen der Widerstand nur so entgegenbläst.

Gerade auf der Ebene der Kommunalpolitik wäre ein Ausgleich aber wichtig. Hier zeigt sich, welche Auswirkungen ein Gesetz hat und wo die Bürger der Schuh drückt. Auf die Kompetenzen der Frauen etwa im sozial-kommunikativen Bereich wird verzichtet - und das geht genauso zu Lasten der Männer. Die miserable Frauenquote ist somit auch ein Defizit für die Männer. Dieses System zu ändern, dafür besteht am Sonntag so gut wie keine Chance - erst wieder 2016.

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