Schönborn: Nach den Ursachen sexuellen Missbrauchs fragen

Wien, 10.03.10 (KAP) Bei sexuellem Missbrauch könne es nur den Weg der Wahrheit geben und es sei absolut notwendig, die Opfer an erste Stelle zu stellen. Das hat Kardinal Christoph Schönborn, in der aktuellen Ausgabe von "thema kirche", dem Mitarbeitermagazin der Erzdiözese Wien, unterstrichen. Zugleich äußerte der Wiener Erzbischof Verständnis dafür, dass viele Kirchenmitarbeiter frustriert über die zuletzt gehäuften Anlassfälle sind, für die sie nichts könnten. Und Schönborn trat auch dafür ein, nach den Ursachen sexuellen Missbrauchs zu fragen.

Über mögliche Ursachen schreibt der Kardinal wörtlich: "Dazu gehört die Frage der Priestererziehung genauso wie die Frage nach dem, was in der 68er-Generation mit der 'sexuellen Revolution' geschehen ist. Dazu gehört das Thema Zölibat genauso wie das Thema Persönlichkeitsentwicklung. Und dazu gehört eine große Portion Ehrlichkeit, in der Kirche, aber auch in der Gesellschaft."

Schönborn richtet sein Schreiben unmittelbar vor dem Beginn der zweiten großen Wiener Diözesanversammlung im Rahmen der Missionsinitiative "Apostelgeschichte 2010" (11. bis 13. März) an seine Mitarbeiter in den Pfarren und kirchlichen Organisationen. Er räumt darin ein, dass er großes Verständnis für Frustration bei vielen Mitarbeitern habe: "Es reicht! So sagen viele. So denken viele. In vieler Hinsicht. Genug der Skandale! Wie kommen wir dazu, immer als Mitglieder der Kirche quasi haftbar gemacht zu werden für Vergehen, die wir nicht begangen haben? Nur weil es immer gleich heißt: 'die Kirche'!"

Zugleich betont und zitiert Schönborn erneut das Jesus-Wort "Die Wahrheit wird euch frei machen" aus dem Johannesevangelium. Er sei wie auch Papst Benedikt XVI. überzeugt, "dass volle Offenheit, Transparenz, Sorge um die Opfer und die große Entschuldigungs- und Versöhnungsbitte an sie, aber auch viel Anstrengung in Richtung Vorbeugung notwendig sind, um wenigstens ansatzweise die Schande des Missbrauchs in der Kirche zu tilgen".

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