Gewaltstatistik 2009: Armut und fehlende Perspektiven

Jede vierte im Frauenhaus ohne Einkommen, Abhängigkeit fördert Gewalt

Wien (OTS) - Heuer ist das EU-Jahr gegen Armut und soziale Ausgrenzung, daher möchten wir besonders auf die sozioökonomische Situation von gewaltbetroffenen Frauen aufmerksam machen. Ein Viertel aller Frauen, die 2009 in einem der 26 autonomen österreichischen Frauenhäuser Schutz vor den Misshandlungen ihres Partners gesucht haben, hatte beim Einzug ins Frauenhaus kein Einkommen. Das geht aus der jüngsten Statistik der Frauenhäuser für das Jahr 2009 hervor. Nur 22 Prozent der Frauenhaus-Bewohnerinnen im Jahr 2009 hatten ein Einkommen aus selbstständiger oder unselbstständiger Arbeit. Zwar würden die Mitarbeiterinnen im Frauenhaus bei der Jobsuche und bei den Anträgen für Sozialleistungen helfen, die finanzielle Situation vieler Frauen, die im Frauenhaus Schutz suchten, sei aber dramatisch, so Maria Rösslhumer, Geschäftsführerin des Vereins Autonome Österreichische Frauenhäuser.

"Auch Frauen mit Arbeit verdienen oft zu wenig zum Leben", erklärt Rösslhumer. Frauen, die in ihrer Beziehung Gewalt erleben, gehörten zu den am stärksten von Armut gefährdeten Gesellschaftsgruppen, betont sie. Die erlebten Misshandlungen führten häufig zum Jobverlust, die Trennung vom Gewalttäter bedeute für manche Frauen zwar ein Ende der Gewalt aber gleichzeitig auch ein Leben als Alleinerzieherin am Rande der Existenz.

Gewalterfahrungen müssten deshalb bei der Armutsbekämpfung als Risikofaktor Nummer eins von Frauen betrachtet werden. Frauen bekommen Jobs oft nur im Gastgewerbe oder in Reinigungsfirmen mit schlechter Bezahlung und Arbeitsbedingungen, bei denen es keine Möglichkeit einer Kinderbetreuung gibt.

Vielen Frauenhausbewohnerinnen fehle es laut Rösslhumer nicht nur an Geld, sondern auch an Qualifikationen. Besonders stark betroffen seien Migrantinnen und obwohl in den Frauenhäusern alles getan werde, um den Bewohnerinnen den Schritt in ein eigenständiges Leben ohne Gewalt zu ermöglichen, stünden die Mitarbeiterinnen hier oft vor unüberwindbaren Hürden.

Insgesamt 1.598 Frauen und 1.565 Kinder haben 2009 in den 26 autonomen österreichischen Frauenhäusern Schutz und Unterkunft gefunden. Diese Zahl hat sich in den vergangenen Jahren nur geringfügig geändert. Der Bedarf an sicheren Plätzen im Frauenhaus sei nach wie vor groß. Diskussionen wie jene um die Schließung des Frauenhauses Hallein ist deshalb nicht nur unverständlich, sondern fahrlässig, nimmt Rösslhumer auf die jüngsten Ereignisse im Land Salzburg Bezug.

Die Statistik der autonomen österreichischen Frauenhäuser 2009 steht auf www.aoef.at als Download zur Verfügung.

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