Europäischer Radiologenkongress in Wien: Wiener Expertisen ins Ausland und retour

Experten fordern EU-weiten Rechtsrahmen für Telemedizin

Wien (OTS) - Teleradiologie ist in den meisten Ländern der Europäischen Union Alltag geworden, doch das Fehlen einer einheitlichen Gesetzgebung schafft sowohl medizinische als auch rechtliche Bedenken. Am Europäischen Radiologenkongress wird eine Gruppe von Experten diese Themen beim Spezialvortrag e-health: Legal and technical challenges for radiology diskutieren.

Positive Effekte für Patienten

Um diese Gesetzeslücke zu füllen müssen Radiologen sicherstellen, dass die Vorteile der Teleradiologie hervorgehoben werden. "Wir wollen die positiven Effekte der Teleradiologie für die Patienten aufzeigen", sagt Prof. Lluís Donoso aus Barcelona, Vorsitzender des Professional Organisation Committee und Mitglied des Executive Council der ESR.

Rahmenbedingungen müssen EU-weit festgelegt werden

Experten sind vor allem wegen fehlender Zulassungen der Ärzte besorgt. Wenn zum Beispiel ein belgischer Arzt einen Befund nach Großbritannien schicken möchte, braucht er dazu eine gültige Zulassung in Großbritannien. Weiters muss es einen Vertrag zwischen dem Radiologen vor Ort und dem Teleradiologen geben, und die gesetzlichen Rahmenbedingungen für Telemedizin und Teleradiologie müssen in der Verantwortlichkeit des Mitgliedsstaates liegen, in dem der Patient die Untersuchung macht oder wo der telemedizinische Befund angefordert wird. Ebenso sollte ein Patient aus Großbritannien, der einen Befund aus Belgien bekommt, über dieses Faktum informiert werden.

Teleradiologie als eigenständige medizinische Handlung

Medizinische Bedenken konzentrieren sich hauptsächlich auf die Definition von Teleradiologie, welche als eigenständige medizinische Handlung angesehen werden muss. "Wir möchten betonen, dass die Leistung bei einem teleradiologischen Befund nicht einfach nur ein Gutachten ist. Die Leistung beinhaltet ebenso weiterführende Empfehlungen - über die geeignetste Untersuchungsstrategie, die Optimierung der Durchführung, die individuelle Anpassung des Protokolls und wie man die durchgeführte Untersuchung in die anderen Befunde einbindet", erklärt Donoso.

Zusätzlich ist es äußerst wichtig, Telemedizin von Telemonitoring zu unterscheiden: das eine ist die Erweiterung einer bereits etablierten Praktik, und bedeutet die Beschaffung der bestmöglichen Bilder, deren Übertragung und Interpretation an einem anderen Ort. Zweiteres ist eine neue technische Lösung, die bisher unzugängliche biologische Parameter zu einem Arzt an einem anderen Ort überträgt.

Die ESR als Ratgeberin der Europäischen Kommission

Die ESR als Vertreterin der europäischen Radiologen beobachtet die Gesetzgebung und sämtliche Agenden der EU, die mit medizinischer Bildgebung zu tun haben, und begrüßte die Mitteilung der Europäischen Kommission zu Telemedizin (KOM689, November 2008). Mitte vorigen Jahres hat die Generaldirektion Informationsgesellschaft und Medien die ESR kontaktiert und um Beratung in Bezug auf die rechtlichen Aspekte der Teleradiologie ersucht. Diese Zusammenarbeit resultiert nun in der gemeinsamen Session der Europäischen Kommission und der ESR, die heute Mittag am ECR stattfindet.

18.000 Radiologen tagen ab 4. März in Wien

Beim 22. Europäischen Radiologenkongress (European Congress of Radiology/ECR) vom 4. bis 8. März 2010 in Wien werden auch heuer wieder Spezialisten aus dem Bereich der medizinischen Bildgebung ihr Fachwissen auf den verschiedensten Gebieten austauschen, und die neuesten Erkenntnisse der Forschung präsentieren.

Der ECR ist die Jahrestagung der Europäischen Gesellschaft für Radiologie mit mehr als 18.000 Teilnehmern aus der ganzen Welt; zusätzlich bietet der Kongress die größte Industrieausstellung in Europa, bei der auf über 26.000 m2 mehr als 300 internationale Firmen die neueste Produkte der Medizintechnik anbieten.

Weitere Informationen unter www.myESR.org/Presse_ECR2010

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