WKÖ-Hochhauser: Anreize für Gleichbehandlung wirken, nicht die Brechstange

Gehaltsoffenlegung bringt nichts und wäre massive Belastung für Betriebe - bessere Rahmenbedingungen für Kinderbetreuung und Aufbrechen von alten Rollenbildern nötig

Wien (OTS/PWK194) - "Der Einkommensunterschied zwischen Männern
und Frauen hat viele Ursachen, daher ist eine Vielzahl von Maßnahmen notwendig, um hier zu Verbesserungen zu kommen", betont die Generalsekretärin der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ), Anna Maria Hochhauser, anlässlich der heutigen Präsentation neuer EU-Daten zur Entlohnung von Männern und Frauen. "Wir dürfen hier nicht mit der Brechstange vorgehen, wie das Quoten und die Offenlegung von Einkommen wären. Die bewirken nämlich gar nichts, das zeigt gerade auch das schwedische Modell", betont Hochhauser und verwahrt sich zugleich strikt gegen Vorwürfe, die österreichischen Betriebe würden ihre Mitarbeiterinnen ungleich behandeln.

In Schweden liegt der Einkommensunterschied zwischen den Geschlechtern mit 17,1 Prozent nur knapp besser als der EU-Schnitt. "Die Einführung der verpflichtenden Einkommensberichte im Jahr 2000 hat an dem ungeklärten Rest bei der Differenz, der z.B. nicht auf Teilzeitarbeit oder Ausbildung zurückzuführen ist, nichts geändert", so die WKÖ-Generalsekretärin. Die isolierte Betrachtung einer Zahl lasse sich zwar populistisch gut vermarkten, verdecke aber den Blick auf die wirklichen Ursachen der Einkommensunterschiede und andere wichtige Aspekte der Frauenbeschäftigung.

So liegt Österreich mit einer Frauenbeschäftigungsquote von 65,8 % (Eurostat-Daten für 2008) weit über dem EU-27-Schnitt (59,1 %). In Ländern mit geringem Einkommensunterschied wie Malta und Italien ist hingegen die Erwerbsquote gering. In Italien arbeitet z.B. nicht einmal jede zweite Frau.

Die Wirtschaft steht natürlich zur Gleichstellung von Frauen und Männern. Auch die Sozialpartner beschäftigen sich schon seit langem mit diesem Thema. "Der Wirtschaftskammer geht es aber um die Sache, nicht um markige Sprüche. Wer wirklich etwas für die Frauen tun will, muss positive Anreize setzen. Die bewirken nämlich tatsächlich etwas, wie auch von Expertenseite einhellig bestätigt wird." Die verpflichtende Gehaltsoffenlegung würde hingegen nicht nur nichts bringen, wie das Beispiel Schweden zeigt, sondern zudem in eine massive bürokratische Belastung für die Betriebe ausarten.

Wenn es um die Information geht, so ist verstärkt darüber aufzuklären, dass der Betriebsrat schon jetzt Einblick in alle Gehaltslisten nehmen kann und sich die Mitarbeiter in dieser Angelegenheit auch an ihn wenden können. "Hier könnten die Betriebsräte noch stärker ihre Verantwortung wahrnehmen", so Hochhauser.

Dass die Nordländer in zahlreichen Vergleichsstudien besser abschneiden, liegt vor allem an den Rahmenbedingungen: So steht Schweden hinsichtlich der Qualität der Kinderbetreuung an der Spitze. Hingegen hat Österreich beim Ausbau von hochwertigen Kinderbetreuungsplätzen mit flexiblen Öffnungszeiten nach wie vor Aufholbedarf. Neben besseren Bedingungen für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist etwa das Aufbrechen von Rollenbildern nötig, wozu - neben dem Forcieren der partnerschaftlichen Aufteilung der Haushalts- und Kinderbetreuungspflichten - auch die Bekämpfung von Berufsstereotypen gehört.

Die WKÖ fordert nicht nur, sie handelt auch und hat gemeinsam mit dem Wirtschaftsministerium und der Industriellenvereinigung das Programm "Zukunft.Frauen" gestartet. Neben dem nötigen fachlichen Rüstzeug soll es den Teilnehmerinnen vor allem ein Netzwerk bieten, auf das sie auf ihrem Weg an die Spitze zurückgreifen können.

Der heute präsentierte EU-Bericht thematisiert auch die Pensionen. Im Gegensatz zu den meisten EU-Ländern besteht in Österreich immer noch ein unterschiedliches gesetzliches Pensionsalter, das für Frauen bei 60, bei Männern bei 65 Jahren liegt. Damit fehlen Frauen in vielen Fällen die einkommensstärksten Jahre - sowohl bei den aktiven Bezüge als auch später bei der Pension. Richtig, so Hochhauser, und "im Sinne höherer Fraueneinkommen und höherer Frauenpensionen" sei daher der Vorschlag des WIFO, das Pensionsantrittsalter nicht erst 2033 sondern schon vorher anzugleichen. (SR)

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