Industrie kämpft mit stagnierender Konjunktur und Beschäftigungs-abbau

Leichter Anstieg der Auftragseingänge, jedoch weiterer Rückgang inländischer Aufträge - Betriebe bekennen sich zu Lehrlingsausbildung auf hohem Niveau

Wien (OTS/PWK193) - "Der Hoffnungsschimmer, der aktuell für die heimische Industriekonjunktur ersichtlich ist, ist derzeit nur ein Flackern. Auch wenn sich die Auftragseingänge auf niedrigem Niveau stabilisiert haben, hat sich der Beschäftigtenabbau beschleunigt. Die Vorzeichen für eine rasch einsetzende konjunkturelle Erholung sind derzeit also nicht rosig", be-tonte heute der Geschäftsführer der Bundessparte Industrie, Manfred Engelmann, im Rahmen der Industriekonjunktur-Pressekonferenz. Auch wenn zuletzt andernorts von einem "starken Lebenszeichen" der Industrie die Rede war, könne dieses Lebenszeichen derzeit in den vorliegenden Zahlen - noch -nicht gesehen werden. "Jedes Plus ist derzeit ein positives Signal. Man darf dabei aber nie außer Acht lassen, dass wir aktuell in der Produktion wertmäßig auf dem Niveau des Jahres 2005 liegen", betonte Engelmann.

Bezüglich der Auftragseingänge könne als erster konjunktureller Hoffnungsschimmer ge-wertet werden, dass diese im November 2009 im Vergleich zum Vorjahresmonat seit dem August 2008 erfreulicherweise erstmals wieder anstiegen. "Zurückzuführen ist dies durch einen Schub bei den Auslands-Eingängen. Die Inlandsaufträge gingen mit -4,8 % wiederum leicht zurück", so der Industrie-Geschäftsführer. Ein Drittel der Fachverbände beurteilen in der Konjunktureinschätzung die Auftragseingänge weiterhin fallend, im Vorquartal waren es noch zwei Drittel. Insgesamt zeigt der Saldo der Auftragseingangseinschätzungen mit der Messzahl "-5" nach "-13" im 1. Quartal, "-11" im 2. Quartal bzw. "-8" im 3. Quartal eine sukzessive leichte Verbesserung.

Konkret wies die heimische Industrie in den ersten 11 Monaten 2009 einen nominellen Produktionsrückgang von 19,19 % auf 104,0 Mrd. EUR aus. Wertmäßig entspricht dies einem Minus von 24,7 Mrd. EUR auf ein Niveau in etwa des vergleichbaren Zeitraums von 2005. Überdurchschnittliche Produktionseinbrüche verzeichneten die 7 Fachverbände Ledererzeugung, Mineralölindustrie, Bergwerke & Eisenerzeugung, Gießeiindustrie, NE-Metallindustrie, Fahrzeugindustrie sowie Textilindustrie. Keine einzige Branche konnte ihren Produktionswert steigern. Mit einem Rückgang von bis zu 10 % kamen die 4 Fachverbände Bau, Nahrungs- und Genussmittel, Bekleidung sowie Gas- und Wärmeversorgungsunternehmen noch relativ glimpflich davon. Die restlichen 9 Branchen verzeichneten Einbrüche zwischen 10 und 20 %.

Die Beschäftigungssituation in der Industrie entwickelt sich weiter negativ. Der Eigenpersonalstand schrumpfte im Zeitraum Jänner - November 2009 um 6,0 % auf 403.448. Der Fremdpersonalstand in den Industriebetrieben reduzierte sich besonders dramatisch. In den ersten 11 Monaten 2009 ging die Anzahl des in den österreichischen Industriebetrieben beschäftigten Fremdpersonals um 38,5 % auf 14.185 Personen zurück. "Der von Quartal zu Quartal stärker fortschreitende Beschäftigtenabbau in den Industriebetrieben dürfte sich auch im ersten Quartal 2010 noch weiter fortsetzen", schätzt Engelmann. Denn die Konjunktureinschätzung der Industriefachverbände verschlechterte sich in diesem Punkt ein weiteres Mal: Ergab die Messzahl im 2. Quartal "- 13" so stieg sie für das 3. Quartal auf "-14" und betrug im 4. Quartal 2009 "-15". Fünf Sechstel der Industriefachverbände rechnen mit einem Beschäftigtenabbau, nur ein Sechstel mit einer gleichbleibenden Entwicklung.

"Besser als die Beschäftigungssituation im Gesamten ist die Situation bei den Lehrlingen. Die Industriebetriebe bekennen sich dazu, die künftigen Fachkräfte selber auszubilden", so Engelmann. Trotz eines Rückgangs der Gesamtbeschäftigtenzahl um fast 8 % gegenüber dem Vorjahr ist die Lehrlingsausbildung in der Industrie vergleichsweise "nur" um 2,8 % zurück gegangen. Seit Mitte der 1990er-Jahre ist die Zahl um mehr als 20 % bzw. ca. 3.000 Lehrlinge gestiegen.

Österreichs Industrieunternehmen bilden damit lt. Lehrlingsstatistik vom 31.12.2009 exakt 16.654 Lehrlinge aus, das sind um 487 Lehrverträge weniger als im Jahr zuvor. Die Rückgänge bei den Lehrlingen im 1. Lehrjahr werden durch vermehrte Aufnahme von Lehrlingen in höhere Ausbildungsjahre (z.B. Anrechnung von Schulzeiten) teilweise wettgemacht.

"Bedenkt man, dass gerade die Industrieunternehmen, die unter der Wirtschafts- und Finanzkrise am stärksten zu leiden haben, noch immer erhebliche Produktionseinbrüche verzeichnen und teilweise massiv Stammpersonal reduzieren mussten, dann ist die derzeitige Ausbildungsperformance umso höher einzustufen. Es ist auch Anzeichen dafür, dass mit Optimismus in die Zukunft geblickt wird, da nach der Krise wieder verstärkt gut ausgebildete Fachkräfte benötigt werden", betont der Industrie-Geschäftsführer abschließend. (us)

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