Plassnik: "Raus aus dem Fraueneck!"

Frauenanliegen müssen ins Zentrum der Politik, fordert die Sonderbeauftragte für internationale Frauenfragen

Wien (OTS) - "Die Bilder aus den verschiedensten Ecken unseres Weltdorfes sprechen für sich: Gewalt, Not, Rechtlosigkeit, Diskriminierung, Demütigung. Auch am Internationalen Frauentag 2010 gibt der Blick über den Globus aus der Sicht der Frauen wenig Anlass zur Zufriedenheit oder gar Freude. Die Fortschritte bei der Verbesserung konkreter Lebensbedingungen von Frauen und Mädchen sind insgesamt bescheiden. Die Umsetzungsbilanz gerade der frauenbezogenen Milleniums-Entwicklungsziele der UNO zeigt weiterhin riesige Defizite. Im Kampf um ihre grundlegendsten Rechte und Freiheiten sowie um den Zugang zu Bildung, Gesundheitsdiensten und Finanzmitteln stoßen Frauen in vielen Ländern immer noch auf Mauern der Abwehr. Hier brauchen wir international einen Bewusstseinsschub und den konsequenten Einsatz der Regierungen."

"Der schlimmste Feind der Frauen ist vielfach das Schweigen. So gehört weltweit etwa die Gewalt gegen Frauen immer noch zur dunklen Materie unserer Gesellschaften, über die wir keine klare Datenlage haben. Selbst dort, wo es in unseren Breiten bisher kontinuierliche Erfolge gab - etwa beim Frauenanteil im Parlament oder Top-Positionen in der Wirtschaft - gibt es Stillstand oder gar Rückschritte", so Ursula Plassnik, Abgeordnete zum Nationalrat und Sonderbeauftragte des Außenministeriums für internationale Frauenfragen.

"Macht ist bis heute überwiegend männlich definiert. Frauen mussten und müssen Selbstverständliches jeweils gegen hartnäckige Widerstände, gegen Anfeindung oder offene Schmähung erkämpfen. Daran hat sich seit Einführung des Internationalen Frauentages vor nunmehr 100 Jahren viel zu wenig geändert. Im Kern geht es weiterhin um Eines: Frauenrechte sind Menschenrechte. Dies zum Grundprinzip des Alltags auf allen Ebenen zu machen, muss im 21. Jahrhundert endlich eine zentrale Aufgabe der Politik werden - in Europa und in der ganzen Welt. Starke Männer machen dieses Anliegen zu ihrem eigenen."

Plassnik weiter: "Wir müssen gesellschaftliche Akzeptanz dafür schaffen, dass sogenannte Frauenanliegen in Wirklichkeit Anliegen der gesamten Gesellschaft sind. Es geht nicht um einen Zweikampf Frauen gegen Männer oder umgekehrt. Es geht darum, gemeinsam auf allen Ebenen für eine gerechtere Welt zu arbeiten, in der nicht 50% der Bevölkerung zur Seite geschoben werden. Im Grunde gibt es kein reines `Frauenthema` - weder Kinderbetreuungsmöglichkeiten noch Gewalt gegen Frauen. Es ist ein demokratisches Grundanliegen, dass Frauen wie Männer gleichberechtigt an der Zukunft unserer Gesellschaft mitwirken können. Wie auch die Qualität der Ergebnisse nicht nur in Wirtschaft sondern auch in Politik und Gesellschaft mit der Einbeziehung von Frauen steigt."

Die Sonderbeauftragte mahnt: "Wir werden die Herausforderungen der Zukunft nur gemeinsam bewältigen können, Frauen und Männer. Das gilt daheim in den Gemeinden, in unserem Land, in Europa und im Weltdorf. Das Motto muss sein "gleichwertig, nicht gleichartig". Frauen bringen andere Sichtweisen, Erfahrungen und Fähigkeiten ein. Wir müssen schneller lernen, die Unterschiedlichkeit der Geschlechter nicht als Bausteine für Trennwände sondern als Stärkungschance zu nützen. Den globalen Problemen können wir wirksam nur begegnen, wenn wir auch im öffentlichen Bereich das Potential und die Energie der weiblichen Hälfte der Weltbevölkerung mobilisieren."

"Es gibt keinen Grund für Selbstgefälligkeit. Auch in Europa ist die Diskriminierung von Frauen noch vielfältige Realität, ob bei Gehaltsunterschieden oder Aufstiegschancen. Das zeigt dankenswerterweise die spanische EU-Ratspräsidentschaft auf. Auch bei uns werden antiquierte Rollenbilder noch zu oft in Werbung, Medien und Politik transportiert und als Maßstab des Verhaltens akzeptiert. Damit leistet eine Gesellschaft letztlich einem freiwilligen Verzicht auf wichtige Ressourcen Vorschub und beraubt sich wichtiger Zukunftschancen."

Die Sonderbeauftragte abschließend: "Unsere Kinder dürfen nicht länger erleben, dass die Frauen allein dafür kämpfen, respektiert und ernst genommen zu werden. Sie brauchen Männer, die Unrecht gegen Frauen, ihre offene und verdeckte Diskriminierung konsequent aufzeigen und sich für ihre Überwindung einsetzen. Couragierte Männer müssen sich auch der Duldung der Schlechterbehandlung von Frauen unter dem Vorwand religiöser oder gesellschaftlicher Traditionen öffentlich hörbar widersetzen. Wir brauchen keine `Macho-Zonen` mit 80 oder 90 prozentiger Männerquote mehr. Ermutigen wir deshalb Frauen, Verantwortung in bisher männlich dominierten Macht-Biotopen zu übernehmen. Ermutigen wir Frauen, wichtige Anliegen zu thematisieren und sich an der Arbeit an Lösungen zu beteiligen. Daher sollte im 21. Jahrhundert zur Selbstverständlichkeit werden: Raus aus dem Fraueneck und rein in die Mitte der Gesellschaft!"

Rückfragehinweis:

Digitale Pressemappe: http://www.ots.at/pressemappe/42

Rückfragen & Kontakt:

Bundesministerium für europäische
und internationale Angelegenheiten
Presseabteilung
Tel.: ++43 (0) 50 1150-3262, 4549, 4550, 3739
Fax: ++43 (0) 50 1159-213
abti3@bmeia.gv.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | MAA0003