Graf zu Karl: Erste Schritte in der Uni-Politik in die falsche Richtung gesetzt

RFS befürchtet Abschaffung des freien Hochschulzugangs und völlige Entwertung der Matura

Wien (OTS) - "Die neue Wissenschaftsministerin Beatrix Karl setzt ihre ersten Schritte in der Universitäts-Politik in die völlig falsche Richtung", stellt heute der freiheitliche Wissenschaftssprecher NAbg. Martin Graf fest. Anstatt die bestehenden Zugangsbeschränkungen durch intelligentere Modelle zu ersetzen, sei Karl nun bemüht, auch dort neue Hürden aufzubauen, wo es sie derzeit nicht gebe und sie auf Grund der Studentenzahlen auch gar nicht nötig seien. "Offenbar traut man in der ÖVP jungen Menschen generell nicht zu, selbständig zu entscheiden, was für sie richtig ist. Zwar darf man nun schon mit 16 bei Wahlen über die Zukunft des Landes entscheiden, aber mit 18 bald schon nicht mehr die persönliche Zukunft", hält Graf fest.

Auch der Bundesvorsitzende des Rings Freiheitlicher Studenten (RFS), Chlodwig Mölzer, übt scharfe Kritik an Karls Vorstoß:
"Flächendeckende Zugangsbeschränkungen wären das Eingeständnis einer völlig gescheiterten Bildungspolitik", so Mölzer. Zwar seien eine Oberstufenreform und eine Aufwertung der Matura dringend nötig. Man dürfe jedoch nicht so weit gehen, die derzeitige Matura für völlig wertlos zu erklären.

Graf kann auch dem von Karl angekündigten gesetzlichen Eingriff in die Studienpläne nichts abgewinnen: "Das käme einer Abschaffung der Universitäts-Autonomie gleich. Es ist zwar richtig, dass manche Universitäten mit der Autonomie schlecht umgehen können und sich daraus ein Wildwuchs in den Studienplänen gebildet hat. Es wäre jedoch Karls Aufgabe, hier auf die Rektoren einzuwirken, anstatt gleich mit der Gesetzeskeule zu drohen", erklärt der FPÖ-Wissenschaftssprecher. Eine gesetzliche Regelung könne nur die Ultima Ratio sein, wenn - etwa bei Juristen - durch unterschiedliche Studienpläne die Mobilität der Studenten eingeschränkt werde und sich die juristischen Berufsgruppen nicht mehr auf eine einheitliche Ausbildung verlassen könnten.

Mit Drohung und Einschüchterung werde es Karl weder bei den Lehrenden noch bei den Lernenden gelingen, Vertrauen zu bilden, sagt Mölzer. An einem Neuanfang müsse eine vernünftige Evaluierung des bestehenden Systems, insbesondere des Bologna-Prozesses, stehen. "Wir brauchen keine verschulten Unis, sondern echte Bildungseinrichtungen. Wo es nicht passt, muss man sich vom Bologna-Prinzip verabschieden", forder der RFS-Vorsitzende.

Graf ruft der Ministerin den 12-Punkte-Plan für Österreichs Universitäten in Erinnerung, der als Antrag nach wie vor unbehandelt im Wissenschaftsausschuss liegt. "Karl soll die Uni-Politik endlich wieder ins Parlament verlagern, anstatt mit unüberlegten öffentlichen Ankündigungen für Verunsicherung zu sorgen." Er werde heute mit der Ministerin ein intensives Gespräch führen um abzuklären, inwieweit die medial kolportierten Positionen ihrem tatsächlichen Willen entsprächen. Auch Mölzer verlangt von Karl ein Abgehen von unverbindlichen Gesprächen und eine Rückverlagerung der Diskussion in die entscheidenden Institutionen: "Es ist zwar begrüßenswert, dass Karl in den Dialog mit Studenten eintritt. Leider sind darunter viele an einer sachlichen Lösung nicht interessiert und nützen das Podium für gezielte Provokationen."

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