AK Studie zu Unternehmensführung in Österreich: Reine Männerwirtschaft

Gerade einmal jede zwanzigste GeschäftsführerIn in den Top 200 Unternehmen ist weiblich, nur jedes zehnte Aufsichtsratsmandat wird von einer Frau bekleidet

Wien (OTS) - In den Führungsetagen österreichischer Unternehmen sitzen auch im Jahr 2010 fast ausschließlich Männer, das zeigt eine aktuelle AK-Untersuchung der Top 200 österreichischen Kapitalgesellschaften. Der Frauenanteil in der Geschäftsführung liegt demnach nur bei 5,3 Prozent - das sind lediglich 33 Frauen von insgesamt 627 GeschäftsführerInnen. Nur jedes zehnte Aufsichtsratsmitglied ist weiblich: Unter den KapitalvertreterInnen liegt die Frauenquote überhaupt nur bei sechs Prozent. Im Vergleich dazu ist der Frauenanteil in den Reihen der Arbeitnehmervertretung der Top 200 Unternehmen mit 18,7 Prozent mehr als drei Mal so hoch. Auch in den börsennotierten Unternehmen bleiben Frauen in Führung und Kontrolle stark unterrepräsentiert: In den ATX Unternehmen sind lediglich 4,7 Prozent an der Geschäftsführung beteiligt, in den Unternehmen des Prime Markets liegt der Frauenanteil überhaupt nur bei drei Prozent: "Die bisher übliche freiwillige Selbstverpflichtung der Unternehmen führte einzig dazu, dass Österreich international zu den Schlusslichtern zählt und gemeinsam mit Ländern wie Griechenland, Italien, Portugal und Luxemburg die niedrigsten Frauenanteile in Führungspositionen aufweist. Für eine echte Trendwende braucht es -wie das Beispiel Norwegen zeigt - gesetzlich verbindliche Regelungen mit deutlichen Sanktionen", fordert Heinz Leitsmüller, Leiter der Abteilung Betriebswirtschaft in der AK Wien.

Die Arbeiterkammer Wien untersuchte im Februar 2010 den Anteil von Frauen in den Geschäftsführungen und Aufsichtsräten der Top 200 Unternehmen Österreichs (AG und GmbH) sowie die Führungsgremien in den börsennotierten Unternehmen des ATX sowie des Prime Markets.

Ungebrochene Männerdominanz in Führungsetagen
In jedem dritten Unternehmen sind Frauen in keiner Art und Weise an der obersten Führung beteiligt, nur in 18 der 200 Top Unternehmen Österreichs ist sowohl in Geschäftsführung bzw. Vorstand als auch im Aufsichtsrat zumindest eine Frau vertreten. Von 627 Geschäftsführern bzw. Vorständen sind nur 33 weiblich (5,3 Prozent): Damit ist gerade einmal jede zwanzigste GeschäftsführerIn eine Frau. Der Frauenanteil im Kontroll- und Steuerungsorgan Aufsichtsrat liegt im Jahr 2010 bei 9,7 Prozent - damit entfallen 141 der 1.454 Aufsichtsratsmandate in den Top 200 Unternehmen auf Frauen.

Allein unter Männern: Nur sechs Prozent Kapitalvertreterinnen im Aufsichtsrat
Allerdings ist zu beachten, dass von den 141 Aufsichträtinnen mehr als die Hälfte (79 von 141) vom Betriebsrat delegiert sind. Damit tragen die Arbeitnehmervertreterinnen maßgeblich zu mehr Diversität im Aufsichtsrat bei. In den Aufsichtsräten werden 9,7 Prozent der Mandate von Frauen bekleidet, unter den Kapitalvertretern liegt die Frauenquote aber überhaupt nur bei sechs Prozent. Der Frauenanteil in den Reihen der Arbeitnehmervertretung ist mit 18,7 Prozent im Vergleich dazu mehr als drei Mal so hoch. Dies ist vor allem vor dem Hintergrund bemerkenswert, dass nur in drei von vier der Top 200 Unternehmen überhaupt eine Betriebsratskörperschaft besteht und dort, wo es ArbeitnehmervertreterInnen gibt, diese nur maximal ein Drittel der Mandate besetzen dürfen.

ATX und Prime Market: Frauen in Führungspositionen sind dramatisch unterrepräsentiert
Nicht zufriedenstellend ist die Lage bei den börsennotierten Unternehmen des ATX und des Prime Markets. Wo die Frauenanteile mit 4,7 bzw. drei Prozent im Vorstand und 7,8 bzw. sieben Prozent im Aufsichtsrat klar unter dem Durchschnitt liegen: In den ATX Unternehmen sind nur vier Frauen an der Geschäftsführung beteiligt, von den 16 Aufsichtsrätinnen in den ATX Unternehmen zählen auch hier mehr als die Hälfte zu den Belegschaftsvertreterinnen. In den folgenden zehn ATX Unternehmen ist weder im Vorstand noch im Aufsichtsrat eine Frau vertreten: bwin Interactive Entertainment AG, Flughafen Wien AG, Intercell, Mayr-Melnhof Karton AG, Palfinger AG, Raiffeisen International Bank-Holding AG, RHI AG, Schoeller Bleckmann oilfield equipment AG, Voestalpine AG und Zumtobel AG.

AK-Forderungen
+ Einführung einer gesetzliche Frauenquote von 40 Prozent bei der Besetzung von Aufsichtsräten. Seit der Einführung dieser Geschlechterquote in Norwegen gibt es bereits deutliche Erfolge. Der Frauenanteil in Aufsichts- und Verwaltungsräten liegt 2009 bei 42 Prozent. Die legistische Umsetzung einer Frauenquote im Aktien- und GmbH Gesetz sollte rasch erfolgen. Übergangsfristen zur Umsetzung in den Unternehmen könnten ca. drei Jahre betragen. Zunächst sollen börsennotierte Gesellschaften, Unternehmen im öffentlichen Interesse und Unternehmen, die mehrheitlich der öffentlichen Hand gehören, erfasst werden, später dann alle großen Kapitalgesellschaften. Sanktionen bei Nichteinhaltung sollen spürbare Strafen und eine Eintragung im Firmenbuch sein.
+ Als Sofortmaßnahme fordert die AK wirksame Regelungen im Corporate Governance Kodex, die auf eine ausgewogene Vertretung beider Geschlechter im Aufsichtsrat abzielen. Die bestehenden Bestimmungen sollten umgehend verschärft und an die Standards anderer EU-Mitgliedstaaten angepasst werden. Die betreffenden Regeln sollten sofort in "compy or explain" Regeln umgewandelt und in der Folge spezifiziert werden. Dies bedeutet, dass bei Nichteinhaltung der Regel eine entsprechende Begründung abgegeben werden muss. Die derzeitige Unterrepräsentanz von Frauen in der Führung und Kontrolle von ATX und Prime Market Unternehmen zeigt die Wirkungslosigkeit des Corporate Governance Kodex mehr als deutlich.
+ Darüber hinaus verlangt die AK eine zertifizierte, an eine offizielle Stelle angebundene Datenbank mit qualifizierten Frauen, die für die Tätigkeit im Aufsichtsrat zur Verfügung stehen und empfohlen werden. Bei der Bestellung von Aufsichtsrätinnen steht den Unternehmen dann ein umfassender Pool an kompetenten, hochqualifizierten Frauen zur Verfügung.

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