DER STANDARD-KOMMENTAR "Sempern im Depot" von Lisa Nimmervoll

Wien (OTS) - Es war symbolisch eine wichtige Geste der neuen Wissenschaftsministerin: Anders als ihr Vorgänger machte Beatrix Karl (ÖVP) den "Audimaxisten" und der studentischen Protestbewegung, die mit der wochenlangen Besetzung von Hörsälen eine Bildungsdebatte erzwungen haben, die dringend nötig war, sofort ein Dialogangebot.

Man erfand die "akademische Stunde" und brachte sich pünktlich für den Event in Stellung: Karl will - aus ihrem Mund keine Überraschung - längerfristig flächendeckende Zugangsregeln für die Unis. Die Hochschülerschaft drohte - ebenfalls nicht überraschend - umgehend mit neuen Protesten. So weit nichts Neues unter der Sonne.

Was noch immer fehlt, ist endlich eine Zusammenschau des gesamten Hochschulsystems, das in seiner derzeitigen Verfasstheit ein, mit Verlaub, Sauhaufen unterschiedlichster Zugangs- und Finanzierungsformen mit aberwitzigen Schleichwegen von einem System bzw. Land (z. B. Numerus-clausus-Flüchtlinge) ins andere ist: "freie" Unis vs. beschränkte Med- und Kunst-Unis, pädagogische und Fachhochschulen, hier keine Studiengebühr, dort schon - und dann die bekannte Überforderung vor allem der Unis. Das ist der politische Großauftrag in der Warteschleife.

So war die Chose mit Karl dem Ort angepasst: Das Semper-Depot diente früher als Produktionsort für Theaterkulissen. Das war die Fragestunde: ein Sprechstück, das Uni-Politik nicht ersetzen kann, oder - Sempern im Depot.

Digitale Pressemappe: http://www.ots.at/pressemappe/449

Rückfragen & Kontakt:

Der Standard
Tel.: (01) 531 70 DW 445

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PST0001