Schulärzte: neues Rollenverständnis mit umfassenden Aufgaben (1)

Gesundheitsberatung, Krisenintervention, Sorge um sicheren Schularbeitsplatz

Wien (OTS) - Eine aktuelle Umfrage der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK) unter Bundesschulärztinnen und -ärzten bestätigt:
Das Berufsbild "Schulärztin/Schularzt" hat sich wesentlich verändert. Die Ärztinnen und Ärzte werden immer mehr zu Vertretern der Gesundheitsinteressen der Schülerinnen und Schüler, Eltern und Lehrer. Sie setzen sich für gesundheitliche Anliegen und folglich für die Förderung der Leistungsfähigkeit ein sowie für die Sicherheit am "Arbeitsplatz" Schule. Sie betreuen diese ganzheitlich, d.h. aus physischer und psychologischer Sicht sowie unabhängig von Alter oder Geschlecht. Dieses neue Rollenverständnis stellt auf den dramatischen Gesundheitszustand der Kinder und Jugendlichen hierzulande ab. ÖÄK-Präsident Walter Dorner fordert in diesem Zusammenhang eine "Systematisierung und Harmonisierung der Gesundheitsbetreuung von der Kinderkrippe bis zur Matura". Der Ärztepräsident dazu am Donnerstag auf einer Pressekonferenz: "Wir müssen das Übel an der Wurzel packen. Daher: altersgemäße Information zu Ernährung und gesunder Lebensweise von Kindestagen an. Gesundheit muss zum ausbildungsbegleitenden Grundsatz werden!" Nur so könne Gesundheit auch im Zentrum der Lebenspraxis erwachsener Menschen stehen, so Dorner.

Düstere, aktuelle Statistiken zum Gesundheitszustand des vermeintlich hoffnungsvollen österreichischen Nachwuchses untermauern die Sorgen und Postulate des Ärztepräsidenten. Bereits jede/r fünfte Schüler/in ist übergewichtig, Tendenz steigend. Allein in Wien sind 4,5 Prozent der Jugendlichen adipös (fettleibig). Laut der EU-Gesundheits-Studie HELENA sind Halbwüchsige hierzulande Spitzenreiter beim Rauchen und beim Konsum von Alkohol und Süßigkeiten, Schlusslicht hingegen beim Verzehr von Obst und Gemüse. Die körperliche Fitness liegt deutlich unter dem Durchschnitt. Die Folgen von zu viel Alkohol, Nikotin und zu wenig Bewegung: Übergewicht sowie physische und seelische Krankheiten schon im Kindesalter. "Als Folge dieser Entwicklungen rollt eine Welle von Volkskrankheiten und damit auch von Kosten auf das Gesundheitswesen zu. Die Jugendlichen von heute sind die chronisch Kranken von morgen", so Dorner.

Vertreter der Gesundheitsinteressen

In Österreich sind derzeit rund 2.500 Ärztinnen und Ärzte an 6.500 Schulen tätig. Jedes Jahr untersuchen sie ca. 1,2 Millionen Schülerinnen und Schüler. Gravierende Versorgungsunterschiede gibt es zwischen den Bundesschulen (Gymnasien, Berufsbildende höhere Schulen), den Pflicht- (Volks-, Haupt-, Sonderschulen) und Berufsschulen.

Die schulärztlichen Tätigkeiten gehen längst über die jährliche Reihenuntersuchung hinaus und sind im Wesentlichen präventivmedizinischer Art. Die Inhalte sind breit gefächert und fordern ein umfassendes medizinisches Allgemein- und psychosoziales Spezialwissen, das durch entsprechende Aus- und Fortbildung erworben wird. So müssen Schulärztinnen und -ärzte auch über Kenntnisse aus

Arbeitsmedizin (zum Beispiel Ergonomie der Schulmöbel), Krisenintervention, psychotherapeutischer Medizin und Ernährungsmedizin verfügen. Schulärztinnen und -ärzte sind laut den Umfrageergebnissen die ersten Anlaufstellen für Jugendliche, etwa bei Ernährung, Vorsorge, sexuellen Problemen oder Suchtmittelmissbrauch. Sie sind damit Vertreter der Gesundheitsinteressen der Schülerinnen und Schüler.

"Schulärztinnen und -ärzte treten immer stärker in die Vermittlerrolle zwischen Lehrern, Eltern und Schülern. Anforderungen und Arbeitsaufwand sind gestiegen, die dafür zur Verfügung stehende Behandlungs-, Gesprächs- und Beratungszeit ist allerdings gleich geblieben", weiß die Schulärztereferentin in der ÖÄK, Gudrun Weber. Immer stärker wird der Bedarf vor allem an Gesprächen und Interventionen im psychosozialen Bereich. Durchschnittlich nehmen Tätigkeiten aus dem psychosozialen Sektor ein Drittel der Arbeit in Anspruch, wobei dieser Anteil für über 70 Prozent der Schulärztinnen und -ärzte in den letzten Jahren gestiegen ist. (Forts.)

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