Weniger ist mehr: Interventionelle Radiologie als Alternative zur klassischen Operation

Europäischer Radiologenkongress ab heute in Wien

Wien (OTS) - Seit der Entdeckung der Röntgenstrahlung durch
Wilhelm Conrad Röntgen im Jahre 1895 hat sich das Fach Radiologie im Laufe der Zeit nicht nur zu einer High-Tech Disziplin, sondern in den letzten Jahren auch zu einer interventionellen, sprich therapeutische Eingriffe durchführenden Disziplin, weiterentwickelt.

Die Radiologie ist eines der "technischsten" Fächer der Medizin, zugleich das interdisziplinärste - radiologische Befunde sind die Grundlage von fast allen Diagnosen. In Ergänzung zu Aufnahmen des Körpers und seiner Strukturen bei der diagnostischen Radiologie werden bei der Interventionellen Radiologie (IR) Erkrankungen minimal-invasiv therapeutisch behandelt. Diese minimal-invasiven Eingriffe werden bildgesteuert durchgeführt, das bedeutet unter Durchleuchtung, durch CT (Computertomographie), MRT (Magnetresonanz-Tomographie) oder Ultraschall.

Interventionelle Radiologie - ein junges Fach

Die IR gibt es seit ca. 45 Jahren. "Einer der großen Pioniere war der amerikanische Radiologe Charles Dotter, der als erster die Dehnung von verkalkten Gefäßen durchgeführt hat", weiß Univ. Prof. Johannes Lammer, seit 1992 Leiter der Klinischen Abteilung für Kardiovaskuläre und Interventionelle Radiologie an der Universitätsklinik für Radiodiagnostik, AKH Wien, und ehemaliger Präsident der European Society for Cardiovascular and Interventional Radiology (CIRSE).

Interventionell-radiologische Eingriffe bilden eine für den Patienten gute, weniger invasive Alternative zu chirurgischen Eingriffen, und haben einen immensen Handlungsspielraum:

Bei Gefäßverengungen

Die meisten Eingriffe durch IR erfolgen bei Gefäßverengungen und -verschlüssen. Diese Erkrankungen können zum Schlaganfall führen, den man mit einem sogenannten Stent in der Halsschlagader verhindern kann. Auch bei Verengungen der Nierenarterien kann ein Stent eingesetzt werden, was zu einer Milderung des Bluthochdruckes und zur Verhinderung eines Nierenversagens führen kann. Bei der "Schaufensterkrankheit" (arterielle Verschlusskrankheit in den Beinen) wird mit dem Ballon die Arterie gedehnt oder ein Stent eingesetzt, um dadurch die Durchblutung der Beinarterien zu verbessern.

Bei Aneurysmen

"Weitere Indikationen sind so genannte Aneurysmen, das sind Ausweitungen der Hirnarterien oder der Hauptschlagader (Aorta). Durch Einsetzen eines Stents oder durch Verschluß mit Embolisationsspiralen kann dieses Aneurysma verschlossen werden und damit ein Platzen desselben mit schwerer, eventuell tödlicher Blutungskomplikation verhindert werden", erklärt Lammer die weiteren Einsatzgebiete eines interventionellen Radiologen.

Bei Tumorerkrankungen

Auch Tumorerkrankungen können mit Hilfe der IR behandelt werden, wobei der Tumor einerseits durch CT- oder MR-gesteuerte Punktion mit anschließender Verkochung mit einer Radiofrequenz- oder Lasersonde behandelt werden kann, oder er kann von der Blutzirkulation durch Embolisation oder Chemoembolisation abgeschnitten und so "ausgehungert" werden.

Bei Wirbelsäulenerkrankungen

Weitere Indikationen sind Erkrankungen der Wirbelsäule, wobei sich die chronischen Schmerzen durch Medikamenteninfiltration oder durch eine sogenannte Vertebroplastie beheben lassen können. Bei der Vertebroplastie wird unter CT-Kontrolle ein osteoporotisch eingebrochener Wirbelkörper mit Spezialzement aufgefüllt und damit ein weiteres schmerzhaftes Zusammensacken verhindert.

Interventionelle Radiologen sind besonders gewohnt mit anderen Spezialisten zusammen zu arbeiten. "Die Chirurgen sind froh, dass es die IR gibt, die insbesondere bei Risikopatienten minimal-invasive Eingriffe durchführen kann", beschreibt Lammer die Situation. Die Indikationsstellung zu interventionell-radiologischen Eingriffen wird in den meisten Spitälern in interdisziplinären Besprechungen ("Gefäßkonferenz", "Tumorboard") gestellt, wobei je nach Ausdehnung der Erkrankung und Risikozustand des Patienten die Entscheidung zugunsten des minimal-invasiven interventionell-radiologischen Eingriffes oder zugunsten der offenen Chirurgie fällt. "Differenzen gibt es nur dann, wenn ein Arzt den Patienten und dessen Wohl nicht im Zentrum seiner Betrachtung sieht", ergänzt er.

18.000 Radiologen tagen ab heute in Wien

Beim 22. Europäischen Radiologenkongress (European Congress of Radiology/ECR) vom 4. bis 8. März 2010 in Wien werden auch heuer wieder Spezialisten aus dem Bereich der medizinischen Bildgebung ihr Fachwissen auf den verschiedensten Gebieten austauschen, und die neuesten Erkenntnisse der Forschung präsentieren.

Der ECR ist die Jahrestagung der Europäischen Gesellschaft für Radiologie mit mehr als 18.000 Teilnehmern aus der ganzen Welt; zusätzlich bietet der Kongress die größte Industrieausstellung in Europa, bei der auf über 26.000 m2 mehr als 300 internationale Firmen die neueste Produkte der Medizintechnik anbieten.

Mehr Information und Bildmaterial unter www.myESR.org/Presse_ECR2010

Digitale Pressemappe: http://www.ots.at/pressemappe/6430

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European Society of Radiology - ESR
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Tel.: +43 1 533 4064-0
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