"Tiroler Tageszeitung" Kommentar: "Bodenseer gestärkt, die Kammer nicht" (Von PETER NINDLER)

Ausgabe vom 4. März 2010

Innsbruck (OTS) - Dass nur 36 Prozent der Unternehmer ihre Interessenvertretung wählten, schmälert den Erfolg Bodenseers.

Jürgen Bodenseer (63) darf zufrieden sein: Als Tiroler Wirtschaftskammerpräsident ist er anerkannt, als Interessenvertreter und Sozialpartner geschätzt und als hochrangiger VP-Funktionär traut er sich auch gegenüber der eigenen Partei aufzubegehren wie zuletzt beim Grundverkehrs- und Agrargesetz. VP-intern gilt er als Querdenker, was einem Kompliment sehr nahekommt. Das hervorragende Wahlergebnis für den Wirtschaftsbund bei der Wirtschaftskammerwahl mit 80,2 Prozent ist deshalb auch eine Auszeichnung für Bodenseer, der die heterogene VP-Teilorganisation seit 20 Jahren anführt.
So stark das Ergebnis für Bodenseer ist, so schwach war das Engagement der Unternehmer selbst. Denn mit der auf 36 Prozent gesunkenen Wahlbeteiligung schwächen sie ihre Interessenvertretung in der Öffentlichkeit und im politischen Kräfteparallelogramm. Die Mobilisierungsschwäche bleibt der Klotz am Bein der Wirtschaftskammer. Ausreden, dass Tirol im Bundesländervergleich ohnehin besser dastehe oder der Konkurrenzkampf gefehlt habe, sind fehl am Platz: Denn das Recht zu wählen, beinhaltet auch die staatsbürgerliche Pflicht, sich an demokratischen Vorgängen zu beteiligen.

Interessenvertretungen benötigen letztlich alle fünf Jahre die Legitimation ihrer Mitglieder: Je höher diese ausfällt, desto stärker kann sie auftreten. Deshalb kann ein Absacken der Wahlbeteiligung auf Hochschülerschaftsniveau von 25 Prozent wohl kein Ziel sein.

An der Mobilisierung scheiterten auch die Herausforderer des Wirtschaftsbundes: Die Zugewinne der Freiheitlichen können als mäßig bis enttäuschend eingestuft werden. Zwischen HC Straches Populismus und unternehmerischen Realitäten klaffen doch Welten. Dass die Grünen vor den Sozialdemokraten liegen, ist lediglich ein marginaler Erfolg. Die Verluste der SPÖ reihen sich hingegen nahtlos in die Niederlagenserie der vergangenen Monate ein.

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