"Kleine Zeitung" Kommentar: "Kanada zelebrierte den Mythos der Ringe" (Von Michael Schuen)

Ausgabe vom 01.03.2010

Graz (OTS) - Die Begeisterung war spürbar. An jeder Ecke. Bei
jedem Gespräch, in jedem Lächeln, bei jedem Wetter. Vancouver, Whistler und Kanada waren nicht einfach Gastgeber der Olympischen Winterspiele, sie waren Olympia. Und zwar im besten Sinne. Eine Nation hauchte dem Geist, der so oft vom Kommerz beherrscht und von den Bonzen im Internationalen Olympischen Komitee (IOC) vermiest wird, neues Leben ein und sorgte dafür, dass der Mythos der Ringe weiter wuchs.

Hunderttausende feierten eine fast dreiwöchige Party. Auf den Straßen, in Lokalen, bei den Bewerben. Sie steckten einander an, ließen sich inspirieren, trotzten dem schlechten Wetter.

Das Motto: "Heute beginnt es, morgen endet es - wir genießen die Party und kämpfen um Gold." Es war faszinierend, wie die Nation sich während der Spiele zu einen schien, wie ein Nationalstolz aufkam, ein Zusammenhalt, der fern jeglichem peinlichen Chauvinismus oder Nationalismus war. Es war Patriotismus. Ein "Wir"-Gefühl, das in ein überzeugtes "Yes, we can" mündete. Aber eines, das nicht von oben diktiert wurde, sondern eines, das sich aus dem Volk entwickelte. Die Kanadier - genauso der kleine, oft unterschätzte Bruder USA wie Österreich von Deutschland - organisierten Spiele, die lange in Erinnerung bleiben werden. Sie bewiesen sich damit in Zeiten der Krise vor allem eines: Wir sind imstande, Außergewöhnliches zu leisten. Sie freuten sich wie Kinder über jede kanadische Medaille, sie bejubelten und bewunderten alle anderen Gewinner aber ebenso. Und sie jubelten besonders über den größten Traum: Gold im Eishockey. Apropos Medaillen: Auch Österreich darf sich freuen. Über 16 Medaillen, das ist das drittbeste Ergebnis aller Zeiten, das unter folgendem Aspekt noch mehr Beachtung verdient: In Turin, als Rot-Weiß-Rot 23 Mal auf dem Podest stand und Geschichte schrieb, machten die Schifahrer 14 Medaillen; in Vancouver gerade vier.
Dass just die alpinen Schi-Herren erstmals leer ausgegangen sind, dass sie drei Mal "Blech" holten, dass sie Häme, Spott und mehr ausgesetzt waren, schmerzt die Schi-Seele. Dass Österreich aber seine vier Goldenen genau dort holte, wo man sie bisher oft verfehlte, freut auch: in Teambewerben. Egal ob Doppelsitzer-Rodler, Biathlon-Staffel, Schisprung- oder Kombinations-Team: Gold wurde gemeinsam gewonnen. Das macht die Medaillen noch ein wenig wertvoller - weil sie Beispiel geben: Gemeinsam kann man alles erreichen.****

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