Stein- und keramische Industrie 2009: massive Auswirkungen der Wirtschaftskrise

Gesamtumsatz der Baustoffindustrie sank um 11 Prozent - Dramatischer Rückgang im Wohnbau und bei Exporten

Wien (OTS/PWK163) - Die Wirtschaftskrise hat 2009 die Stein-
und keramische Industrie Österreichs massiv getroffen. Sie musste einen Umsatzrückgang um elf Prozent hinnehmen und sank damit auf das Niveau des Jahres 2005. Insgesamt haben die Unternehmen der Stein-und keramischen Industrie 2009 einen Umsatz von 3,2 Mrd. Euro erzielt - das sind elf Prozent oder 390 Millionen Euro weniger, als noch 2008. Auch die Zahl der Beschäftigten in der Stein- und keramischen Industrie Österreichs sank, von 14.700 Ende 2008 auf 13.600 zu Jahresende 2009 um 7,5 Prozent. Als eine Konsequenz daraus verlangt der Obmann des Fachverbands Steine-Keramik in der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ), Manfred Asamer, von der Bundesregierung eine neuerliche Förderaktion für die thermische Sanierung von Gebäuden. Die Aktion 2009 habe dem Finanzminister über höhere Steuereinnahmen sogar mehr Geld gebracht, als sie gekostet hat.

Einen relativ geringen Rückgang verzeichneten mit minus 9,5 Prozent die baustofferzeugenden Branchen. Sie konnten 2009 noch Auftragsüberhänge aus dem Rekordjahr 2008 abarbeiten. Die Industriezulieferer (Schleifmittel, Industriekalk, Schamotte) kamen mit minus 16,1 Prozent deutlich stärker unter die Räder. Sie leiden schon seit 2008 unter der weltweiten Wirtschaftskrise.

Deutlich weniger Wohnungen, als benötigt werden

Die Zementindustrie verlor 0,9 Millionen Tonnen und verkaufte 2009 mit 4,7 Millionen Tonnen ebenfalls um 16 Prozent weniger als im Jahr zuvor. Die Erzeuger von Transportbeton verzeichneten Umsatzeinbußen von zwölf Prozent, die Hersteller von Beton-Fertigteilen ein Umsatzminus von zehn Prozent. Noch härter getroffen wurde die Ziegelindustrie mit einem Minus von 13 Prozent. Als Grund nennt Carl Hennrich, Geschäftsführer des Fachverbandes Steine-Keramik, den dramatischen Rückgang im Wohnbau. Hennrich: "Die Baubewilligungen sanken 2009 um zehn Prozent auf 36.600 Wohneinheiten. Das Wirtschaftsforschungsinstitut spricht dem gegenüber von einem Bedarf von mehr als 50.000 Wohnungen jährlich." Hennrich warnt daher vor Mangel an Wohnraum, vor drohenden Wartelisten und steigenden Wohnungskosten.

Ein wesentlicher Grund für die Umsatzrückgänge ist der Außenhandel. In den ersten drei Quartalen 2009 gingen die Exporte um 24,1 Prozent auf 590 Millionen Euro zurück. Die Einfuhren verringerten sich demgegenüber nur um 8,4 Prozent auf 515 Millionen Euro.

Umsatzrückgänge drohen zumindest bis 2013

Laut einem Gutachten des Wirtschaftsforschungsinstitut (WIFO) Anfang 2009, büße die Branche jährlich 0,4 Prozent ihrer realen Produktion ein. Angesichts der starken Verluste des Vorjahres könnte daher das Produktionsniveau 2013 um mehr als fünf Prozent real niedriger liegen als 2008. Im Zeitraum 2000 bis 2008 konnte die Stein- und keramische Industrie hingegen noch jährlich um 2,5 Prozent zulegen. "Ein Ende der Negativspirale ist nicht in Sicht", so Hennrich.

Diese Entwicklung schlägt sich auch in den Mitarbeiterzahlen nieder. Ende 2009 gab es mit 13.600 Arbeitern und Angestellten um 7,5 Prozent weniger Beschäftigte als vor Jahresfrist (14.700).
Dennoch herrsche in der Branche noch etwas Optimismus, betont Hennrich. Die Investitionen seien nämlich 2009 mit 180 Millionen Euro auf dem Niveau von 2008 geblieben.

Stillstand im Hochbau für Industrie und Gewerbe

Fachverbandsobmann Manfred Asamer hat für 2010 eher verhaltene Erwartungen. "Die Bauwirtschaft weist einen Auftragsbestand von einer Halbjahresproduktion auf, das große Fragezeichen bleibt aber die Finanzierungssituation", erklärt Asamer. Dies gilt besonders für den gewerblichen und industriellen Hochbau, der praktisch zum Stillstand gekommen ist.

Thermische Sanierung ist "Moneymaker" für das Budget

Ein positives Signal wäre daher, so Asamer, die Fortsetzung der der Förderungsaktion des Bundes für die thermische Sanierung. Diese müsse ein wesentlicher Bestandteil der Energiestrategie der Bundesregierung sein. Asamer: "Investitionen in die thermische Sanierung sind mit einer Hebelwirkung von eins zu acht ein absoluter Moneymaker" für das Finanzministerium." Die Sanierungsaktion des Jahres 2009 hat mit einem Fördervolumen von 61 Millionen Euro ein Investitionsvolumen von 485 Millionen Euro im privaten Wohnbau ausgelöst. Damit haben alleine die höheren Mehrwertsteuereinnahmen die Ausgaben übertroffen - vom Beschäftigungseffekt, damit zusammenhängenden anderen Steuereinnahmen und geringeren Sozialkosten gar nicht zu sprechen.

Große Unsicherheit herrscht in der Branche zudem für den Zeitraum ab 2011. Der Wohnbau wird auf dem Rekordtief von 35.000 Einheiten verharren. Weiters drohen Probleme im Tiefbau, wie - angesichts der leeren Kassen - eine Verschiebung von Ausbauprojekten durch ÖBB und ASFINAG. Eine auch nur teilweise Kürzung der jährlich rund drei Milliarden Euro Infrastrukturinvestitionen hätte fatale Konsequenzen für die wichtigsten Baustoffsparten.

Das Fünf-Punkte-Paket der Baustoffindustrie

Konkret verlangt Asamer daher:

1. Eine dem Bedarf angepasste Wohnbautätigkeit: Statt nur 36.600 Wohnungen, wie 2009, müssten künftig 50.000 Wohnungen im Jahr gebaut werden.

2. Eine höhere Sanierungsrate bei bestehenden Gebäuden von drei Prozent satt derzeit einem Prozent. Damit könnte die Gebäudesanierung wenigstens in 35 Jahren abgeschlossen sein.

3. Neubau und Sanierung müssen sich zumindest am Niedrigenergiehausstandard orientieren, damit im Gebäudebestand das Kyoto-Ziel von etwa 4,5 Millionen Tonnen CO2-Reduktion erfüllt werden kann. In diesem Zusammenhang ist eine neuerliche Förderungsaktion des Bundes für die thermische Sanierung von Gebäuden dringend nötig.

4. Einführung von Nachhaltigkeitskriterien für ein modernes Gebäudedesign. Die bisherige Ausrichtung auf den ökologischen Teil der Nachhaltigkeit muss für ein zeitgemäßes Bauen und Wohnen um wirtschaftliche und soziale Gesichtspunkte erweitert werden.

5. Die Beibehaltung der Investitionspläne von ÖBB und ASFINAG zur Sicherstellung einer modernen Infrastruktur für die österreichische Wirtschaft. Gleichzeitig müssten weitere Ausbaupläne für die Zeit nach 2013 entwickelt werden. (ES)

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