• 26.02.2010, 09:33:56
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Österreich 15 Jahre EU-Mitglied

Wien (OTS/WIFO) - Österreich ist seit 15 Jahren EU-Mitglied. Das
WIFO legt in seinem aktuellen Monatsbericht eine ökonomische
Neubewertung der Integrationseffekte vor dem Hintergrund der sich
wandelnden Integrationsgeschichte Europas seit der Ostöffnung 1989
vor: Parallel zur Vertiefung der Integration - nach der Schaffung des
Binnenmarktes wurde (noch nicht in allen Mitgliedsländern) eine
gemeinsame Währung eingeführt, folgte 2004 und 2007 in einem großen
Schritt eine Erweiterung. 15 Jahre EU-Mitgliedschaft waren für
Österreichs Wirtschaft ein Gewinn. Das reale BIP-Wachstum wurde
dadurch um jährlich 0,6 Prozentpunkte gesteigert. Über alle
Integrationsschritte seit 1989 (Ostöffnung, EU-Beitritt,
WWU-Teilnahme, EU-Erweiterung) beträgt der Integrationsbonus in
Österreich +0,9% des realen BIP und +19.000 Arbeitsplätze pro Jahr.

Vor 15 Jahren, am 1. Jänner 1995, trat Österreich der Europäischen
Union bei. Inzwischen hat sich Europa geopolitisch stark verändert.
Der Zusammenbruch der kommunistischen Planwirtschaften in Osteuropa
hatte die Ostöffnung und letztlich die Wiedervereinigung Europas zur
Folge. Die Europäische Gemeinschaft (EG) hatte sich gerade zum Ziel
gesetzt, ihre Integration durch Schaffung eines Binnenmarktes nach
dem Vorbild der USA zu vertiefen, als 1989 der Umbruch in Osteuropa
die politische Landschaft völlig veränderte und die EG zwang, über
eine Erweiterung nachzudenken. Österreich - vormals durch die
Bestimmungen des Staatsvertrags und den Neutralitätsstatus in der
EG-Integration beschränkt - beschäftigte sich nach Publikation des
Ziels der Schaffung eines Binnenmarktes im Weißbuch von 1985 intensiv
mit den Optionen einer Annäherung an die EG. Am 17. Juni 1989 stellte
Österreich den Antrag auf EG-Beitritt. Nach einer relativ positiven
Stellungnahme der Europäischen Kommission (Avis), den
Beitrittsverhandlungen gemeinsam mit Finnland, Norwegen und Schweden
und dem positiven Votum in einer Volksabstimmung trat Österreich
gemeinsam mit Finnland und Schweden am 1. Jänner 1995 der
Europäischen Union (EU) bei.

Parallel zu den Überlegungen der EU über eine Einbindung der
Länder in Ostmitteleuropa, die sich seit 1989 von der UdSSR
emanzipierten, zunächst mit handelspolitischen Maßnahmen
(Europa-Abkommen) und letztlich mit der Vollmitgliedschaft im Rahmen
der größten EU-Erweiterung 2004 und 2007 zur EU 27 lief der Prozess
der Vertiefung der Integration in der EU weiter: 1993 wurde der
Binnenmarkt geschaffen, 1999 die Wirtschafts- und Währungsunion (WWU)
mit der Einführung des Euro als gemeinsame Währung (2002 wurde der
Euro als gesetzliches Zahlungsmittel eingeführt); mit dem
Schengen-Abkommen wurde das Reisen in der EU ohne Reisepass möglich
(Schengen-Raum); dazu kamen institutionelle Reformen der Union,
zuletzt trat der Lissabon-Vertrag in Kraft.

Um die Integrationseffekte der österreichischen EU-Mitgliedschaft
von jenen zu trennen, die durch die gleichzeitig ablaufenden anderen
Integrationsschritte (Ostöffnung, WWU-Teilnahme, EU-Erweiterung)
induziert wurden, wurde ein eigenes Integrationsmodell entwickelt.
Die EU-Mitgliedschaft brachte Österreich erwartungsgemäß die größten
Einzelintegrationseffekte, weil der Beitritt mit zahlreichen
Änderungen und Anpassungen verbunden war. Die Teilnahme am
Binnenmarkt und damit auch an der Zollunion der EU (Gemeinsame
Handelspolitik), einheitliche Regelungen der Wettbewerbspolitik, die
Gemeinsame Agrarpolitik, die vereinheitlichte Regional- und
Strukturpolitik trugen zur Effizienzsteigerung und Handelsausweitung
bei und erhöhten die Chancen, von der Globalisierung zu profitieren,
entscheidend. Die Teilnahme an der WWU und die Einführung der
gemeinsamen Währung verstärkten diese Effekte noch. Die Ausweitung
des Binnenmarktes durch die fünfte EU-Erweiterung um Nachbarländer
begünstigte die Öffnung Österreichs für Handel und
Direktinvestitionen zusätzlich. Österreich, das zuvor durch den
Eisernen Vorhang von den Märkten im Osten abgeschottet war, liegt nun
im Zentrum Europas und nimmt voll an der durch Ostöffnung und
EU-Erweiterung entstandenen "Mini-Globalisierung" in Europa teil.

Die 15-jährige Mitgliedschaft Österreichs in der EU ist eine
Erfolgsgeschichte. Sie brachte Österreich einen zusätzlichen
Wachstumsimpuls von jährlich 0,6 Prozentpunkten und ermöglichte die
Schaffung von 14.000 neuen Arbeitsplätzen. Trotz dieser ökonomischen
Vorteile scheint die Bevölkerung die EU-Zugehörigkeit nach wie vor
nicht sehr zu schätzen. Die Zustimmung beträgt nur 42%, im
EU-Durchschnitt dagegen 53%. Auch EU-Skeptiker anerkennen aber, dass
der "Schutzschirm Euro" und die mit der Teilnahme an der WWU
einhergehende Einbindung in die wirtschaftspolitische Zusammenarbeit
in der EU maßgeblich dazu beigetragen haben, dass Österreich die
Finanzmarkt- und Wirtschaftskrise ohne schweren Konjunktureinbruch
bewältigte. Das hat die EU-Skepsis in Österreich vorübergehend etwas
in den Hintergrund gedrängt.

Übersicht 1: Effekte verschiedener Integrationsschritte für
Österreich - auf der WIFO-Website
(http://www.wifo.ac.at/wwa/jsp/index.jsp?&fid=12)

Nähere Informationen entnehmen Sie bitte dem WIFO-Monatsbericht
2/2010,
http://www.wifo.at/wwa/jsp/index.jsp?fid=23923&typeid=8&id=38384&disp
lay_mode=2!

Rückfragehinweis:
Univ.-Prof. Dr. Fritz Breuss
Österreichisches Institut für Wirtschaftsforschung - WIFO
Tel. +43 1 798 26 01-220 * Fax. +43 1 798 93 86
mailto:[email protected]

Digitale Pressemappe: http://www.ots.at/pressemappe/235

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