WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Der nächste EZB-Chef bringt sich in Stellung - von Hans Weitmayr

Bundesbank-Chef Axel Weber versucht, sein mediales Profil zu schärfen

Wien (OTS) - Es war eine Breitseite, die Axel Weber über die Meinungsseite der "Financial Times Deutschland" gegen den Internationalen Währungsfonds (IWF) abfeuerte. Grund seines Zorns war ein Papier, in dem der Fonds - unter anderem - anregte, die Notenbanken mögen in Betracht ziehen, ihre Inflationsziele zu überdenken. Die aktuellen, die in den maßgeblichen Volkswirtschaften der Welt bei rund zwei Prozent liegen würden, ließen in Krisenzeiten zu wenig Platz zum Manövrieren. Dass Weber, Chef der Deutschen Bundesbank, ein derartiger Gedanke sauer aufstößt, ist klar. Gerade die Deutschen waren immer Verfechter möglichst niedriger Inflationsziele. Das geht auf die hyperinflationären Traumata einer bereits länger zurückliegenden Vergangenheit zurück und war der Grundgedanke, der hinter der "harten D-Mark" stand.

Dass die Europäische Zentralbank (EZB) diese Strategie fortführt, war eine Bedingung dafür, dass die größte Volkswirtschaft des Kontinents in die Eurozone eintrat. Die EZB ist also in gewisser Weise die Deutsche Bundesbank in groß. Nachdem die Furcht der Deutschen vor Inflation hinlänglich bekannt ist, stellt sich die Frage, warum Weber die Diskussion dermaßen anheizt. Der IWF-Vorstoß, der zwar in Randnotizen über die Agenturen bekannt geworden ist, hat medial kaum ein Echo gefunden. Erst die Weber-Replik, die sogar auf der Titelseite des vielleicht wichtigsten deutschsprachigen Wirtschaftsmediums angekündigt wurde, verschaffte der IWF-Position ein breites Publikum.

Es drängt sich der Verdacht auf, dass sich Weber den IWF bewusst als Reibefläche sucht, um sein Profil zu schärfen. Womit sich wiederum die Spekulation erhärtet, dass Weber den Top-Job im Euroraum - also Jean-Claude Trichets Nachfolge als EZB-Chef - anstrebt. Dieses Szenario ist zum ersten Mal aufgetaucht, als die deutsche Regierung beim Gerangel um die Ernennung des EU-Ratspräsidenten und des Außenbeauftragten kampflos das Feld räumte. Die Interpretation damals: Kanzlerin Merkel spart Munition für die Schlacht um die EZB-Präsidentschaft.

All das wäre kein Problem, wenn Weber den IWF nicht beschuldigen würde, Unsicherheit zu schüren und die Stellung der Notenbank zu unterminieren. Indem Weber das Thema breitgetreten hat, hat in Wirklichkeit er umgesetzt, was dem Fonds aufgrund mangelnder medialer Durchschlagskraft verwehrt blieb: Unsicherheit zu schüren.

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