FPÖ-Karlsböck: Bund muss Ärztenachwuchs finanzieren

Ärztemangel droht in spätestens zehn Jahren - Allgemeinmediziner aufwerten

Wien (OTS) - Der Bund müsse endlich auf die unzumutbaren Zustände bei der Ausbildung von Ärzten reagieren, sagte heute der freiheitliche Ärztesprecher NAbg. Dr. Andreas Karlsböck. So müssten etwa die Lehrpraxen dringend gefördert werden, forderte Karlsböck der auch einen diesbezüglichen Antrag im Parlament einbringen wird.

Laut aktuellem "Strukturplan Gesundheit" für Wien würde alleine die Bundeshauptstadt für eine optimale Versorgung der Bevölkerung im Jahr 2015 rund 830 niedergelassene Allgemeinmediziner benötigen. Das seien 55 Allgemeinmediziner mehr als es derzeit gebe. Laut Experten drohe in rund zehn Jahren ein Personalmangel, denn etwa 45 Prozent aller Allgemeinmediziner seien älter als 55 Jahre und gingen in den kommenden zehn Jahren in Pension, zeigte Karlsböck auf.

Die zentrale Rolle des Allgemeinmediziners werde immer wieder von Experten hervorgehoben. So könne der Allgemeinmediziner eine "Gatekeeperfunktion" übernehmen. Dadurch könnten Patienten wohnortnah betreut werden und Mehrfachdiagnostik und unverträgliche Therapiekombinationen verhindert werden, so Karlsböck, der auf die positiven Folgen einer effizienteren Versorgung und Kostendämpfung im Gesundheitssystem hinwies.

Neuer Tarifvertrag gefährdet Lehrpraxen

"Die wichtige Schlüsselfunktion des Allgemeinmediziners für die medizinische Grundversorgung in Österreich, ist aufgrund des neuen Tarifvertrages für Lehrpraxen akut gefährdet", warnte Karlsböck. So hatten Jungmediziner, die einen Teil ihrer Turnusausbildung in einer Ordination absolvieren, vor diesem Abschluss, Anspruch auf ein Honorar von knapp 1.000 Euro. "Diese Situation war für zahlreiche Lehrpraxen im Rahmen ihrer finanziellen Möglichkeiten durchführbar -für den Turnusarzt jedoch kaum zumutbar", so Karlsböck. Es sei für junge Akademiker zwischen 25 und 35 Jahren nach einem aufwendigen Studium nicht nachvollziehbar für ein Gehalt von 1.000 Euro arbeiten zu müssen, so Karlsböck. Diese Situation werde weiter verschärft wenn Turnusärzte eine Familie erhalten bzw. versorgen müssten.

Vor diesem Hintergrund sei Anfang 2010 ein Kollektivvertrag für Turnusärzte beschlossen worden, der ein Gehalt zwischen 1.300 und 2.600 Euro - gestaffelt nach dem Ausbildungsgrad - vorsehe. Damit sei eine Gleichstellung im Verdienst mit Turnusärzten in Krankenanstalten, sowie die Verhinderung von "Preisdumping" bei Lehrpraktikanten sichergestellt worden, so Karlsböck.

"Aufgrund der daraus entstehenden enorm hohen finanziellen Belastung für niedergelassene Allgemeinmediziner, erklärten zahlreiche Ordinationsinhaber, dass sie nach dem Auslaufen ihrer Verträge ihre Ausbildungstätigkeit aufgeben und ihre Lehrpraxis zusperren", berichtete Karlsböck. Es gebe sogar Fälle, bei denen eine bereits zugesagte Ausbildungsstelle wieder gekündigt worden sei.

Ein Engpass an Ausbildungsplätzen und der daraus resultierende Mangel an Allgemeinmedizinern müsse verhindert werden. Hinsichtlich der zukünftigen Patientenversorgung sei es somit unumgänglich eine praxisnahe Ausbildung der niedergelassenen Allgemeinmediziner - wie in allen anderen europäischen Ländern üblich - zu finanzieren, forderte Karlsböck die öffentliche Finanzierung der Lehrpraxen.

Digitale Pressemappe: http://www.ots.at/pressemappe/4468

Rückfragen & Kontakt:

Freiheitlicher Parlamentsklub
Tel.: 01/ 40 110 - 7012
presse-parlamentsklub@fpoe.at

http://www.fpoe-parlamentsklub.at
http://www.fpoe.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | FPK0010