"Tiroler Tageszeitung" Kommentar: "Hofburg und die fehlende Spannung" (Von Michael Sprenger)

Ausgabe vom 25.2.2010

Innsbruck (OTS) - Die Volkspartei verzichtet auf einen Hofburg-Kandidaten und überlässt so der FPÖ das Feld.

Alle wollten im Vorfeld der Bundespräsidentenwahl eine künstliche Spannung aufbauen. Mit mäßigem Erfolg. Niemand hat ernsthaft daran geglaubt, dass Heinz Fischer nicht erneut für das höchste Amt im Staate kandidieren wird. Trotzdem hat er sich lange Zeit gelassen, dies offiziell kundzutun. Niemand wird geglaubt haben, dass sich die ÖVP selbst im Weg steht, um ihren Erfolgskurs zu unterbrechen - und einen aussichtslosen Kandidaten gegen den amtierenden Bundespräsidenten nominiert. Nur offiziell verkünden tut sie dies erst heute. Niemand wird glauben, dass angesichts eines teuren Wahlkampfs, leerer Parteikassen und der bei Bundespräsidentenwahlen fehlenden Wahlkampfkostenrückerstattung das BZÖ und die Grünen einen Kandidaten nominieren werden. Aber sie sagen es noch nicht.

Und die FPÖ überraschte uns nicht wirklich, als sie am Montag erklärte, einen Kandidaten ins Rennen zu schicken. Die FPÖ hat - im Gegensatz zu den anderen Parteien - eine gefüllte Parteikasse. Nur den Namen wollte Heinz-Christian Strache noch nicht sagen. Ein wenig Spannung soll bleiben. Die FPÖ wird die Bundespräsidentenwahl als Zwischenwahlkampf führen. Vor allem, um Rückenwind für die Landtagswahl in Wien zu erzeugen. Deshalb wird es uns nicht wirklich wundern, wenn auf den FPÖ-Wahlplakaten zur Bundespräsidentenwahl das Konterfei von Strache zu sehen sein wird. Auch dann, wenn Barbara Rosenkranz Präsidentschaftskandidatin sein wird. Strache rechnet nicht im Entferntesten damit, gegen Heinz Fischer gewinnen zu können. Aber er hofft, dass all jene, die Fischer nicht wählen wollen, dem FPÖ-Kandidaten die Stimme geben. Die ÖVP ebnet ihm hierfür das Feld.

Trotz alledem. Am Abend des 25. April wird sich Heinz Fischer über seine Wiederwahl freuen. Auch dies wird wohl niemand überraschen können.

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