"KURIER"-Kommentar von Karin Leitner: "Achtung, Armutsfalle!"

Der vernünftig klingende Plan, Früh-Rentner zu strafen, trifft die Falschen.

Wien (OTS) - Es klingt vernünftig und scheint gerecht, was Christoph Leitl fordert: Wer vor dem 60. (Frauen) bzw. 65. (Männer) Lebensjahr beruflich abdankt, dem wird etwas von der Rente abgezogen. Wer über dieses Alter hinaus arbeitet, bekommt etwas drauf.
Leitl denkt an keine Peanuts für die Betroffenen; er spricht von jeweils bis zu zwölf Prozent pro Jahr.
Der Klientel des wahlkämpfenden Wirtschaftskammer-Präsidenten mag das Verlangen nach derart hohen Zu- und Abschlägen behagen. Tatsächlich ist es zynisch. 400.000 Österreicher haben derzeit keinen Job. Als Folge der Krise dürften es noch mehr werden. In vielen Betrieben werden ältere und damit teure Mitarbeiter in die Pension gedrängt, um einzusparen. Deren Chance, anderswo beschäftigt zu werden, ist gering. Selbst für - vergleichsweise billige - Junge mangelt es an Arbeitsplätzen. Und immer mehr Menschen sind auf Sozialhilfe angewiesen, weil sie mit Arbeitslosengeld und Notstandshilfe nicht das Auslangen finden.
Und denen wird jetzt gesagt, dass sie gefälligst länger werken sollen, weil es sonst im Ruhestand weniger geben könnte? Der Plan des Wirtschaftskammer-Bosses wäre dann vernünftig und gerecht, wenn es genügend Arbeitsmöglichkeiten gäbe, um ihn zu verwirklichen.

Digitale Pressemappe: http://www.ots.at/pressemappe/129

Rückfragen & Kontakt:

KURIER, Innenpolitik
Tel.: (01) 52 100/2649
innenpolitik@kurier.at
www.kurier.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PKU0002