Europäischer Radiologenkongress in Wien: Wenn Bilder Leben retten

Mit dem Computertomographen schneller Verletzungen erkennen

Wien (OTS) - Die häufigste Todesursache in Österreich bei Menschen bis zum 39. Lebensjahr sind Unfälle. Die Zahl der Unfälle beträgt in Österreich jährlich etwa 40.000, dabei werden circa 50.000 Personen verletzt. Falls das Opfer nicht an den Unfallfolgen akut verstirbt, hängt sein weiteres Lebensschicksal und die Überlebenswahrscheinlichkeit ganz wesentlich von der medizinischen Versorgung in der post-akuten Phase ab.

"Die Zahl der Verletzungen mit Todesfolge hat in den letzten Jahren kontinuierlich abgenommen, was dem exzellenten Rettungswesen und einer hervorragenden Notfallversorgung zu verdanken ist", erklärt Univ. Prof. Werner Jaschke, Direktor der Universitätsklinik für Radiologie an der Medizinischen Universität Innsbruck.

Seit 1980 ist die Zahl der tödlich endenden Unfälle um 48% gesunken, die Zahl der Unfall-Patienten ist jedoch signifikant gestiegen: Im Vergleich zu 1980 müssen heute um 26% mehr Patienten nach einem Unfall stationär behandelt werden, die Zahl der Heim-, Sport- und Freizeitunfälle stieg seit 1980 um 73%. Etwa 3.500 Patienten erleiden ein schweres Trauma: "Über das Schicksal dieser Patienten entscheidet das Verletzungsmuster und - ganz entscheidend -ein effizientes präklinisches und klinisches Traumamanagement", so Jaschke.

Radiologe kann die Überlebenswahrscheinlichkeit erhöhen

Radiologie spielt bei der Behandlung von Unfallopfern eine zentrale Rolle - die Kernaufgabe des Notfall-Radiologen ist das Erkennen aller Verletzungen und die Bewertung des Schweregrades gemeinsam mit einem Team von Spezialisten. Welches Untersuchungsverfahren eingesetzt wird, hängt wesentlich vom Schweregrad und Ausmaß der Verletzung ab. "Die größten Fortschritte konnten bei leichteren Verletzungen in den letzten Jahren durch die Einführung der Sonographie und Magnetresonanztomographie (MRT) erzielt werden", erklärt der Spezialist.

Da Unfälle nicht immer zu Verletzungen führen, die auf Röntgenaufnahmen erkennbar sind, ist der Einsatz weiterer bildgebender Verfahren notwendig, um unklare Beschwerden und Schmerzen abzuklären. Ein typisches Beispiel sind im Röntgenbild nicht erkennbare Frakturen oder Verletzungen von Weichteil-Geweben wie Muskel, Bänder, und Sehnen. Bei den Schwerstverletzten hat die Multi-Slice-Computertomographie (MS-CT) wesentlich zur Verbesserung der Überlebenswahrscheinlichkeit beigetragen. Der an Jaschkes Institut entwickelte "Innsbrucker Schockraumalgorithmus" sieht z.B. einen sehr frühen Einsatz des MS-CT vor, wodurch mehr relevante Verletzungen schneller erkannt werden können.

Strahlenbelastung erhöht das Risiko nicht!

Welches radiologische Verfahren angewendet wird, hängt von den Verletzungen ab: Die MRT kann Weichteile besser darstellen und arbeitet ohne ionisierende Strahlung. Die Überwachung des Patienten im MRT ist jedoch wesentlich schwieriger (aufgrund des starken Magnetfelds hat das Gerät nur eine lange, schmale Öffnung), die Untersuchungszeiten sind relativ lang (ca. 30 Min). Im Gegensatz dazu können im Computertomographen (CT) auch Schwerstverletzte leicht überwacht werden, die Untersuchungszeiten sind viel kürzer, die Qualität der Abbildung von Lunge und Skelett sind besser als bei der MRT, allerdings arbeitet das CT mit Röntgenstrahlung.

Die Strahlenbelastung eines Verletzten ist jedoch unter einer Kosten-Nutzen-Analyse der Situation nur relativ zu sehen, erläutert Jaschke: "Schwerstverletzte sind akut bedroht, die Strahlenbelastung führt zu keiner relevanten Risikoerhöhung. Moderne CT-Geräte bieten außerdem Bilder mit hoher Qualität bei deutlich reduzierter Dosis."

Plastische Darstellungen in 3-D-Technik möglich

Außerdem hat sich die CT-Technologie in den letzten Jahren enorm weiterentwickelt: "Moderne CT-Geräte liefern mit hochkomplizierten Rechenprozessen Bilder in Bruchteilen einer Sekunde mit einer Auflösung im Submillimeterbereich. Die neuesten Bildverarbeitungstechniken erlauben eine plastische Darstellung in 3D-Technik in kürzester Zeit. Vor 5 Jahren noch ein Traum, jetzt Realität!", schwärmt der Spezialist.

18.000 Radiologen tagen ab 4. März in Wien

Beim 22. Europäischen Radiologenkongress (European Congress of Radiology/ECR) vom 4. Bis 8. März 2010 in Wien werden auch heuer wieder Spezialisten aus dem Bereich der medizinischen Bildgebung ihr Fachwissen auf den verschiedensten Gebieten austauschen, und die neuesten Erkenntnisse der Forschung präsentieren.

Der ECR ist die Jahrestagung der Europäischen Gesellschaft für Radiologie mit mehr als 18.000 Teilnehmern aus der ganzen Welt; zusätzlich bietet der Kongress die größte Industrieausstellung in Europa, bei der auf über 26.000 m2 mehr als 300 internationale Firmen die neueste Produkte der Medizintechnik anbieten.

Für Interviews mit Prof. Jaschke kontaktieren Sie bitte das ESR Press Office.

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