WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Schon was von "An einem Strang ziehen" gehört? - von Michaela Lexa

Druck sollte Zusammenhalt erzeugen - auch bei der Lufthansa

Wien (OTS) - Ein Kommentator, der einen Streik behandelt, kann nur verlieren. Stellt man sich auf die Seite der Streikenden, kritisiert einen das bestreikte Unternehmen, das ob der Arbeitsniederlegung einen Millionenschaden hat. Bezieht man Partei für das Unternehmen, ist man unsozial, hart und kalt. Stellt sich dennoch die Frage, ob in der Causa Pilotenstreik bei der Lufthansa nicht doch ein goldener Mittelweg zu finden ist. Daher versuchen wir mal, die ganze Sache nüchtern zu betrachten.

Die wirtschaftliche Situation der Lufthansa sowie der Airline-Branche ist derzeit nicht das Gelbe vom Ei. Bleiben wir zuerst beim Kranich:
Trotz gestiegener Passagierzahl (plus drei Prozent) ist der Umsatz in den ersten drei Quartalen um 13,2 Prozent auf 16,2 Milliarden Euro gesunken. Offenbar konnte das Passagiergeschäft das Minus bei der Fracht (15,4 Prozent) nicht auffangen. Auch kein Wunder, da Ticketpreis-Erhöhungen bei den preissensiblen Kunden nur schwer durchsetzbar sind. Das führte dazu, dass die Lufthansa bereits in der Verlustzone fliegt - und auch das Gesamtjahr 2009 (Zahlen gibt's am 11. März) in dieser beenden wird.

Aus der Branche kommen zwar erste positive Meldungen wie wieder leicht anziehende Passagierzahlen, doch aus dem Tal der Tränen ist die Industrie noch lange nicht. Der Branchenverband IATA rechnet für 2010 mit einem Verlust von 5,6 Milliarden US-$. Durch das "Horror-Jahr 2009" hat der Sektor laut IATA-Präsident Giovanni Bisignani "zweieinhalb Jahre Wachstum im Passagier- und dreieinhalb Jahre im Frachtgeschäft verloren". Die Rückkehr zur Profitabilität werde noch länger auf sich warten lassen.

Klar ist, dass auch ein Multi wie die Lufthansa sparen muss. Tut sie das nicht, wäre das grob fahrlässig und würde wohl in einem Desaster enden. In einem Desaster, das vielen den Job kosten würde. Doch jetzt kostet erst etwas anderes, nämlich der Streik: 100 Millionen Euro. Das tut weh, selbst in guten Zeiten, noch mehr in schlechten. Doch die Fronten sind verhärtet, der Kranich will sich nicht auf die Forderung einlassen, deutsches Tarifrecht auch für Unternehmensteile im Ausland anzuwenden. Die Gewerkschaft will davon nicht abrücken, denkt sogar an weitere Streiks.

Den Verhandlungsparteien wird aber nichts anderes übrig bleiben, als miteinander zu reden und eine Lösung zu finden. Denn der wirtschaftliche Druck ist enorm. Gerade dieser, sollte man meinen, müsste doch auf beiden Seiten Verständnis für die jeweils andere hervorrufen. Offensichtlich ist bei der Lufthansa das Gegenteil der Fall. Dafür haben wir kein Verständnis - weder für die eine noch für die andere Seite.

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