Frauenberger/Theimer: "Keine Ausreden" bei Gender Mainstreaming

Stadt Wien setzt erfolgreiche Gender Mainstreaming-Kampagne fort

Wien (OTS) - 2006 hat die Stadt Wien mit ihrer konzerninternen Gender Mainstreaming-Kampagne überraschenderweise weltweit für Aufsehen gesorgt. Im Mittelpunkt standen allgemein bekannte Piktogramme und Schilder mit getauschtem Geschlecht. Unter anderem brachte die Kampagne neue Piktogramme in U-Bahn und Straßenbahn, auf denen erstmals auch Väter mit kleinen Kindern am Arm zu sehen waren. Jetzt findet die erfolgreiche Kampagne eine Fortsetzung. Unter dem Titel "Keine Ausreden! Wien ist Gender Mainstreaming" versucht die Stadt erneut, bei den 65.000 MitarbeiterInnen das Bewusstsein für den etwas sperrigen Begriff "Gender Mainstreaming" zu schärfen. Gender Mainstreaming bedeutet im wesentlichen, bei allen Entscheidungen und Planungen die unterschiedlichen Lebenslagen und Bedürfnisse von Frauen und Männern zu berücksichtigen. ****

Im Rahmen der neuen Kampagne werden auf Plakaten die beliebtesten Ausreden, die gebraucht werden, wenn es um Gender Mainstreaming geht, ironisch illustriert. "Das geht jetzt gerade ganz schlecht", "Das muss ich zuerst googeln", "Meine Frau jedenfalls braucht das nicht, hat sie gesagt", "Schicken Sie mir doch einmal eine E-Mail" oder "Tschenda Mänschtriming - Das mach ich immer im Fitnesscenter" ist auf den Plakaten etwa zu lesen. Zusätzlich gibt es humorvolle Intranetfilme und Folder zum Thema. Als kulinarische Erinnerung gibt es Glückskekse. Darin sind weitere Sprüche zum Thema versteckt, etwa:
"Nur wer keine Ausreden mehr braucht, ist auf dem richtigen Weg zur Mitte."

In den letzten Jahren hat sich innerhalb des Magistrats viel getan. Heute können bereits sehr viele MitarbeiterInnen der Stadt mit dem Begriff Gender Mainstreaming etwas anfangen. Die Akzeptanz gegenüber dem Gleichstellungsthema ist deutlich gestiegen. Es gibt sehr klare Vorgaben seitens der Politik und der Verwaltungsspitze sowie zahlreiche erfolgreiche Pilotprojekte. "Wir betrachten Gleichstellungsfragen und Chancengleichheit nicht als exotische Randthemen, sondern als integrierenden Teil unserer Unternehmenskultur. Ich bekenne mich dazu, dass die Stadt Wien auf allen Ebenen und in allen Bereichen ein Klima der Fairness und der Chancengleichheit fördert. Gender Mainstreaming ist dabei nicht nur nach innen gerichtet, sondern auch ein wichtiges Instrument der KundInnenorientierung", unterstreicht Magistratsdirektor Dr. Ernst Theimer.

Frauenstadträtin Sandra Frauenberger, die die neue Kampagne gemeinsam mit dem Magistratsdirektor initiiert hat, erklärt: "Es ist nicht immer leicht, die unterschiedlichen Ausgangsbedingungen von Frauen und Männern mitzudenken, die geschlechtsspezifischen Wirkungen abzuschätzen und Maßnahmen zu setzen, die geeignet sind, Ungleichheiten zu beseitigen. Aber die Erfahrung zeigt, dass es ganz nach dem Motto 'Sehen Sie's einmal anders' möglich ist, Diskriminierungen von Frauen oder von Männern zu beseitigen. Es sollte also eigentlich keinen Anlass mehr für Ausreden geben."

Wien ist Vorzeigestadt in Sachen Gender Mainstreaming

Als einziges Bundesland hat Wien im Jahr 2005 eine eigene Projektstelle Gender Mainstreaming in der Verwaltungsspitze eingerichtet. Diese Positionierung von Gender Mainstreaming direkt in der Konzernspitze hat sich als sehr vorteilhaft erwiesen. Ergebnisse finden sich bereits in vielen Aufgabenbereichen der Stadt: bei der Arbeitsmarktpolitik ebenso wie bei der Gestaltung von öffentlichen Plätzen, Parkanlagen, Spielplätzen oder Kindergärten. Die größte Beachtung findet der Gender-Aspekt bislang im Bereich Stadtplanung und Wohnbau, im Gesundheits- und Jugendbereich und im Stadtgartenamt. Auch die von der Stadt Wien dotierten Fonds arbeiten nach den Prinzipien des Gender Mainstreamings. Das Know-How Wiens bei der Implementierung von Gender Mainstreaming ist international gefragt, wie viele Einladungen beweisen. Expertinnen der Stadt Wien haben ihre Erfahrung in viele europäische und amerikanische Städte exportiert.

Was bedeutet Gender Mainstreaming?

Gender Mainstreaming lässt sich nur schwer übersetzen. Im Unterschied zum biologischen Geschlecht (Englisch: "sex") meint "gender" das soziale bzw. das anerzogene Geschlecht. "Mainstreaming" heißt wörtlich "in den Hauptstrom bringen". Gender Mainstreaming bedeutet also, bei allen Entscheidungen und Planungen die unterschiedlichen Lebenslagen und Bedürfnisse von Frauen und Männern zu berücksichtigen - egal, ob es nun um die Gestaltung eines Parks geht oder um die Ausarbeitung von Qualifizierungs-Programmen im Bereich der aktiven Arbeitsmarktpolitik. Es geht auch darum, beiden Geschlechtern gleich viel Platz im öffentlichen Raum zu geben sowie Chancen, und Verpflichtungen gerecht zu verteilen. "Gender Mainstreaming ist eine Art Elchtest: Es ist ein zusätzlicher Qualitätscheck und eine wichtige Entscheidungshilfe, die sicherstellt, dass auch wirklich die unterschiedlichen Auswirkungen von Maßnahmen für die verschiedenen NutzerInnengruppen bedacht werden", so die Projektleiterin Ursula Bauer. (Schluss) lac

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