Industrie zu Bankengipfel: Versachlichung notwendig

IV-Präsident Sorger und IV-GS Beyrer zu Bankensteuer-Diskussion: System krisenfester machen, aber keine Kreditklemme produzieren und dadurch Erholung gefährden

Wien (OTS/PdI) - Eine Versachlichung der Diskussion rund um die Rolle der österreichischen Banken und der Forderungen nach einer sogenannten "Bankensteuer" mahnt die Industriellenvereinigung (IV) ein. Bislang seien Politik und einzelne Interessenvertreter über bloße Forderungen nicht hinausgekommen, ohne auch nur in irgendeiner Art und Weise zu sagen, was eigentlich konkret mit einer "Bankensteuer" gemeint oder diskutiert werden soll. "Worum es der Politik wirklich gehen sollte, ist, darüber nachzudenken, wie unser System krisenfester gemacht werden kann. Die österreichischen Banken, die ohnehin in punkto Kapitalausstattung vor neuen Herausforderungen durch die in Diskussion befindliche Verschärfung der Basel-Bestimmungen (höhere Eigenkapitalerfordernisse) stehen, für Verfehlungen der Wallstreet oder anderer europäischer Banken verantwortlich machen zu wollen, ist nur schwer nachzuvollziehen", betonten IV-Präsident Dr. Veit Sorger und IV-Generalsekretär Mag. Markus Beyrer heute, Sonntag, im Vorfeld des morgen stattfindenden sogenannten "Bankengipfels".

Vor allem müsse allen handelnden Personen bewusst sein, dass die österreichischen Unternehmen in ihrer Finanzierung von Fremdkapital stark abhängig sind. Rund 1/3 der externen Finanzierung bei Unternehmen bis 50 Beschäftigten wird allein durch Bankkredite abgedeckt, in den USA sind das gerade einmal an die 7 Prozent. "Bei einzelnen Klein- und Mittelbetrieben beträgt der Bankkreditanteil oft mehr als 70 Prozent", erinnerte die Industriellenvereinigung. "Hier die Kreditaufnahme zu verteuern, oder die Vergabe von Krediten durch Belastungen weiter zu erschweren, ist kontraproduktiv, gefährdet den Erholungsprozess der österreichischen Wirtschaft und damit Arbeitsplätze."

"Der Blutkreislauf der Unternehmen wird in Österreich nun einmal zu einem großen Teil über das Kreditsystem finanziert", so IV-Präsident Sorger. "Wir sollten nicht durch neue Belastungen der Banken eine künstliche Kreditklemme produzieren, nur weil es gerade dem aktuellen Stimmungsbild entspricht, die Kreditwirtschaft undifferenziert für die Krise verantwortlich zu machen." Für eine sachorientierte Diskussion werde es auch notwendig sein, auf Basis seriöser Zahlen zu agieren. "Dabei gilt es vor allem zu berücksichtigen, dass ein großer Teil der Bilanzsumme der österreichischen Systembanken in Mittel- und Osteuropa bzw. außerhalb der Grenzen Österreichs erwirtschaftet wird. Diese Erträge wurden schon zuvor in den Quellenländern versteuert. Die schon im Ausland versteuerten und im Rahmen der Konzernkonsolidierung hinzuzurechnenden Erträge mit den für die reine Tätigkeit in Österreich entrichteten Steuern in Relation zu setzen, ist jedenfalls unseriös weil Äpfel mit Birnen verglichen werden."

Zur Versachlichung gehöre aus Sicht der Industrie auch, "sich der volkswirtschaftlichen Bedeutung der österreichischen Finanzdienstleister bewusst zu sein. Der Sektor leistet einen direkten Beitrag von 5,1 Prozent zum BIP und weist einen Wertschöpfungsmultiplikator von 1,3 bis 1,7 Prozent auf. Besonders deutlich zeigt sich diese Schlüsselrolle, wenn man bedenkt, dass der Entzug von 1 Million Euro aus Wertschöpfung des Sektors einen negativen Beschäftigungseffekt von 17 Arbeitsplätzen - direkt und indirekt - nach sich zöge."

Digitale Pressemappe: http://www.ots.at/pressemappe/112

Rückfragen & Kontakt:

IV-Newsroom
Tel.: +43 (1) 711 35-2306
info@iv-newsroom.at
www.iv-net.at/medien

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | NPI0001