Papst bekräftigt Unveräußerlichkeit der Menschenwürde

Respekt vor der Würde der menschlichen Person muss "vollständig, total und ohne Einschränkungen" sein

Vatikanstadt, 13.02.2010 (KAP) Papst Benedikt XVI. hat die Unveräußerlichkeit der Menschenwürde und des Lebensrechts unterstrichen. Sie dürften niemals dem Belieben des Stärkeren unterworfen werden, sagte er am Samstag vor der Päpstlichen Akademie für das Leben.

Natürlich sei menschliches Leben verschiedenen Entwicklungsstufen unterworfen, sagte der Papst. Jedoch wäre die Einschätzung völlig verkehrt, es handle sich um leblose und manipulierbare Materie. Im Gegenteil sei menschlichen Leben vom ersten Beginn an ein menschlichen Wesen mit der ihm eigenen Würde.

Die Geschichte habe gezeigt, wie gefährlich und schädlich ein Staat sein könne, der Gesetze mit dem Anspruch erlässt, er sei selbst Quelle und Prinzip der Ethik, unterstrich der Papst. Die Akademie unter ihrem Präsidenten, Kurienerzbischof Rino Fisichella, diskutierte bei ihrer seit Donnerstag tagenden Vollversammlung in Rom Fragen von Bioethik und Naturrecht.

Das Naturrecht bilde eine unerlässliche sittliche Grundlage für den Aufbau der menschlichen Gemeinschaft, führte der Papst aus. Insbesondere müsse sie eine Grundlage für die Bioethik bilden. Ohne universale Prinzipien, die einen gemeinsamen Nenner für die gesamte Menschheit böten, drohe die Gefahr des Abgleitens in einen Relativismus auch in der Gesetzgebung. Das natürliche Sittengesetz "macht es möglich, diese Gefahr zu vermeiden; insbesondere bietet es dem Gesetzgeber die Garantie für einen echten Respekt gegenüber der Person wie gegenüber der gesamten Schöpfungsordnung".

Die kulturelle Auseinandersetzung zwischen dem Absolutheitsanspruch der Technik und der moralischen Verantwortung des Menschen spitze sich heute besonders in der Bioethik zu. Dort stehe die Möglichkeit einer ganzheitlichen menschlichen Entwicklung selbst auf dem Spiel. Es handle sich um einen äußerst sensiblen Bereich, in dem sich die fundamentale Frage stelle, ob sich der Mensch selbst hervorgebracht habe oder ob er von Gott abhänge.

Die Menschenwürde findet nach Worten des Papstes ihr Fundament als unveräußerliches Recht "in jenem Gesetz, dass nicht von Menschenhand geschrieben ist, sondern dass vom Schöpfergott ins Herz des Menschen eingeschrieben ist". Ohne das grundlegende Prinzip der Menschenwürde wäre es schwer, eine Quelle für die Rechte der Person zu finden. Und es wäre unmöglich, zu einem ethischen Urteil über die Errungenschaften der Wissenschaften zu gelangen, die direkt das menschliche Leben betreffen.

Daher müsse man mit allen Nachdruck deutlich machen, dass Menschenwürde niemals nur an äußere Elemente wie wissenschaftlichen Fortschritt, Entwicklungsstufen des menschlichen Lebens oder an einen simplen Respekt vor Grenzsituationen gebunden ist. Der Respekt vor der Würde der menschlichen Person müsse "vollständig, total und ohne Einschränkungen" sein.

(ende)
nnnn

Digitale Pressemappe: http://www.ots.at/pressemappe/510

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | KAT0002