"Tiroler Tageszeitung" Kommentar: "Kriminalität hält sich nicht an Statistiken" (Von MARIO ZENHÄUSERN)

Ausgabe vom 13. Februar 2010

Innsbruck (OTS) - Zahlen sind interpretierbar und können kein Gradmesser für die qualitative Verbrechensentwicklung sein.

Mitte der Woche sorgte der Leiter der Oberstaatsanwaltschaft Innsbruck, Kurt Spitzer, für Murren und ungläubiges Staunen in Polizeikreisen. Der Spitzenjurist berichtete öffentlich von einem massiven Ansteigen der Schwerkriminalität im Land. Die Zahl der Anklagen, die vor dem Schöffen- oder Geschworenengericht landen, sei um 40 Prozent gestiegen, die Strafanträge vor Einzelrichtern um fünf Prozent, die Richter schickten um fünf Prozent mehr Angeklagte in Haft als im Vorjahr.

Mit seiner Bilanz zerlegte Spitzer die Kriminalitätsstatistik der Bundespolizei in ihre Einzelteile. Seit sechs Jahren geben die Uniformierten monatlich bzw. jährlich einen Bericht über die Kriminalitätsentwicklung in Österreich und in den jeweiligen Bundesländern ab. Für 2009 weist die Statistik einen Rückgang von 1,7 Prozent bei den Anzeigen auf.

Der offensichtliche Gegensatz - massiver Anstieg auf der einen, erfreulicher Rückgang auf der anderen Seite - zeigt einmal mehr auf, wie untauglich die Statistik in diesem Bereich ist. Zahlen sind beliebig interpretierbar, wie das halb leere oder halb volle Glas. Sie sind höchstens geeignet, aufgeregte Vorgesetzte zu beruhigen und bestenfalls in der Lage, auf mögliche Tendenzen hinzuweisen. Keinesfalls aber stellen sie einen Gradmesser für die qualitative Kriminalitätsentwicklung dar. Und schon gar nicht tragen sie dazu bei, das subjektive Sicherheitsgefühl in der Bevölkerung zu heben. Das wissen natürlich auch die Experten im Innenministerium. Sie gaben gestern bekannt, dass die Kriminalitätsstatistik erstens gründlich überarbeitet und zweitens künftig nur mehr quartalsweise veröffentlicht wird. Ein überfälliger, aber nicht der letzte Schritt. Denn eigentlich müsste die Polizeistatistik künftig mit jener der Oberstaatsanwaltschaft abgeglichen werden. Um peinliche Diskrepanzen in Zukunft zu vermeiden.

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