Erfolgsprodukt aus Wien: Geschichte des Akkordeons im Überblick

Wiener Erfindung aus dem Jahr 1829 veränderte weltweit die Volksmusik - 1882 exportierte Wiener Firma 200.000 Exemplare

Wien (OTS) - Wenn ab 20. Februar allerortens die "ziehende Musik" des Akkordeons im Rahmen des 11. Akkordeon-Festivals ertönt, dann lohnt sich ein Blick zurück auf die Erfolgsgeschichte dieses Instruments, das, so Akkordeon-Spieler und Wienerlied-Botschafter Walter Soyka, "sämtliche Volksmusiken von Grund auf änderte". Wien spielt bei der Entwicklung des Akkordeons die Geburtsrolle: Am 23. Mai 1829 meldete der auf der Mariahilfer Strasse wohnende Instrumentenbauer Cyrill Demian ein zweijähriges Patent auf das von ihm und seinen Söhnen entwickelte "Accordion" an. "Dieses Instrument hat die Gestalt eines kleinen Kästchens mit einem Blasebalg", heißt es in den Patentunterlagen. Im Unterschied zu anderen Modellen - 1821 meldete der Wiener Klavierbauer Anton Haeckl ein Patent auf seine entworfene "Physharmonika" an - hatte Demians Entwurf statt eines doppelten Balges nur einen einfachen, der von Hand aufgezogen und zugedrückt werden konnte. Danach ging es Schlag auf Schlag: Diverse Wiener Instrumentenbauer begannen sich für das neue Musikinstrument zu interessieren. Im Technischen Museum befindet sich das älteste Accordeon von Joseph Müller aus dem Jahr 1839. In den nächsten Jahren eroberte das "Wiener Accordeon" die Welt. Nicht nur in Europa schlug das Tanzmusikinstrument ein, via See- und Handelswege machte es seinen Weg durch die damals bekannte Welt.

Wiens Rolle als produzierende Akkordeon-Hauptstadt endete kurz nach der Jahrhundertwende. Vor allem der Siegeszug der deutschen Firma Hohner, die bis heute existiert, brachte die Wiener Instrumentenbauer unter Druck: Ab 1903 industriell hergestellt eroberte das deutsche Produkt teils mit hartem Marketing Europa, vor allem aber auch Übersee, wo man die See- und Handelsrouten sukzessive für sich eroberte. In Mariahilf, Neubau und vor allem Ottakring gab es zwar weiterhin noch viele Akkordeonbauer, aufgrund der hohen handwerklichen Anforderung an die populäre "Schrammelharmonika", die Karl Budowitz um 1870 in Wien perfektionierte, verlor man aber rasch Terrain an die Konkurrenz. Nichtsdestoweniger beeindrucken die Exportzahlen aus Wien: So soll etwa allein 1882 das Unternehmen des Mathäus Bauer, der erstmals Klaviertasten auf dem Instrument anbrachte, 200.000 Stück in alle Welt exportiert haben.

Das Schrammelquartett führte das Akkordeon ab 1890 zu einem ungeahnten Höhenflug. Tausende Besucher zählten damalige Auftritte des bis heute populären Ensembles. Für Soyka, der als 18jähriger im Jahr 1983 zum ersten Mal professionell mit einem der "Wiederentdecker des Wienerliedes" Roland Neuwirth auftrat, hat der historische Erfolg des Akkordeons auch mit der damaligen "Zurück zur Natur"-Welle zu tun. Der Börsenkrach von 1873 brachte einerseits eine Verarmung mit sich, zugleich leitete der Crash auch eine Abkehr vom Wirtschafttreiben ein. "Die Volksmusik wurde damals kunstvoll", meint Soyka, der sich seit Jahren mit dem alten Wienerlied beschäftigt und in einem Heurigen in Döbling zum Zuhören regelmäßig einlädt. Spätestens in den 30er Jahren wird das Ende des Akkordeons eingeläutet. Unter den Nazis wird das Wienerlied zum subversiven Kulturgut - "Ein Glück für uns, als das Wienerlied ab den späten 70er Jahren ohne braune Flecken wiederentdeckt wurde" (Soyka) - , nach 1945 beginnen Ragtime-Musik und Jazz die Wienerinnen und Wiener zu unterhalten. Ab den späteren 70er Jahren kommt es mit Neuwirth, vor allem aber auch durch Karl Hodina zur Renaissance des Wienerliedes. Seitdem wird auch der Blasebalg des Akkordeons wieder zusammengedrückt.

Das 11. Akkordeon-Festival findet heuer zwischen dem 20.2. und 22.3. an 20 Orten in ganz Wien statt. Infos auch unter:
www.akkordeonfestival.at

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