Dynamik des Wirtschaftswachstums Ende 2009 nicht weiter verstärkt

Wien (OTS/WIFO) - Die Schnellschätzung des WIFO für das IV. Quartal 2009 ergab einen Anstieg der Wirtschaftsleistung um real 0,4% gegenüber der Vorperiode. Damit wuchs die heimische Wirtschaft etwas schwächer als im III. Quartal (+0,5%). Im Vorjahresvergleich ergibt sich ein Rückgang von real 1,5%. Insgesamt schrumpfte das BIP nach diesen vorläufigen Berechnungen 2009 gegenüber 2008 real um 3,6%.

Nach dem Rückgang des österreichischen Bruttoinlandsproduktes bis zum II. Quartal 2009 setzte im III. Quartal ein Wachstum ein: Die um Saison- und Arbeitstagseffekte bereinigte Wirtschaftsleistung lag real um 0,5% über dem Niveau der Vorperiode. Für das IV. Quartal errechnet das WIFO einen vorläufigen Wert von +0,4%. Damit verstärkte sich die Wachstumsdynamik vorerst nicht weiter.

Die Erholung des Welthandels belebte die heimische Exportwirtschaft. Bereits im III. Quartal 2009 stieg der Export gegenüber dem Vorquartal real um 1,8%. Zum Jahresende hin verlor das Wachstum etwas an Dynamik (+1,5%). Bestimmt wurde die Entwicklung von der Warenausfuhr, jedoch nahm auch der Tourismusexport abermals zu. Der Import wuchs im IV. Quartal 2009 gegenüber dem Vorquartal zwar um nur 1%, doch war das Vergleichsniveau durch Sondereffekte überhöht gewesen.

Weiterhin stützt der Konsum die Konjunktur. Saison- und arbeitstagsbereinigt erhöhten sich die Konsumausgaben der privaten Haushalte im IV. Quartal gegenüber dem Vorquartal real um 0,3%, ebenso stark wie in den zwei Quartalen zuvor. Zwar verschlechterte sich die Lage auf dem Arbeitsmarkt kontinuierlich, doch entfalten die Konjunktur- und Arbeitsmarktpakete mehr und mehr ihre Wirkung.

Die Nachfrage nach Investitionsgütern ist nach wie vor flau, allerdings verlangsamt sich der Rückgang. Die Ausrüstungsinvestitionen verringerten sich gegenüber dem Vorquartal real um 1,9%, nach -2,6% im II. und -2,2% im III. Quartal. Auch im IV. Quartal sanken die Investitionen in Fahrzeuge stärker als jene in Maschinen und Elektrogeräte.

Wie die Ausrüstungsinvestitionen waren die Bauinvestitionen neuerlich rückläufig, die Abwärtsdynamik lässt aber auch hier schrittweise nach. Im IV. Quartal 2009 wurde mit -0,9% gegenüber dem Vorquartal der siebente Rückgang in Folge verzeichnet. Die Investitionen in Wohnbauten schrumpften mit -0,7% weniger stark als jene in andere Bauwerke (-1,1%).

Am stärksten profitierte von der Erholung im 2. Halbjahr 2009 die Sachgütererzeugung. Ihre Wertschöpfung stieg, nach dem Einbruch im 1. Halbjahr 2009, im III. Quartal gegenüber der Vorperiode real um 2,0%, im IV. Quartal um 1,4%.

Übersicht 1: WIFO-Schnellschätzung zur vierteljährlichen Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung - auf der WIFO-Website
(http://www.wifo.ac.at/wwa/jsp/index.jsp?&fid=12)

Methodische Hinweise und Kurzglossar

Periodenvergleiche

Zeitreihenvergleiche gegenüber der Vorperiode, z. B. dem Vorquartal, werden um jahreszeitlich bedingte Effekte bereinigt. Dies schließt auch die Effekte ein, die durch eine unterschiedliche Zahl von Arbeitstagen in der Periode ausgelöst werden (etwa Ostern). Im Text wird von "saison- und arbeitstägig bereinigten Veränderungen" gesprochen.

Die Formulierung "veränderte sich gegenüber dem Vorjahr . . ." beschreibt hingegen eine Veränderung gegenüber der gleichen Periode des Vorjahres und bezieht sich auf unbereinigte Zeitreihen.

Die Analyse der saison- und arbeitstägig bereinigten Entwicklung liefert genauere Informationen über den aktuellen Konjunkturverlauf und zeigt Wendepunkte früher an. Die Daten unterliegen allerdings zusätzlichen Revisionen, da die Saisonbereinigung auf statistischen Methoden beruht.

Reale und nominelle Größen

Die ausgewiesenen Werte sind grundsätzlich real, also um Preiseffekte bereinigt, zu verstehen. Werden Werte nominell ausgewiesen (z. B. Außenhandelsstatistik), so wird dies eigens angeführt.

Inflation, VPI und HVPI

Die Inflationsrate misst die Veränderung der Verbraucherpreise gegenüber dem Vorjahr. Der Verbraucherpreisindex (VPI) ist ein Maßstab für die nationale Inflation. Der Harmonisierte Verbraucherpreisindex (HVPI) ist die Grundlage für die vergleichbare Messung der Inflation in der EU und für die Bewertung der Preisstabilität innerhalb der Euro-Zone (siehe auch http://www.statistik.at/).

WIFO-Konjunkturtest und WIFO-Investitionstest

Der WIFO-Konjunkturtest ist eine monatliche Befragung von rund 1.100 österreichischen Unternehmen zur Einschätzung ihrer aktuellen und künftigen wirtschaftlichen Lage. Der WIFO-Investitionstest ist eine halbjährliche Befragung von Unternehmen zu ihrer Investitionstätigkeit (http://www.itkt.at/). Die Indikatoren sind Salden zwischen dem Anteil der positiven und jenem der negativen Meldungen an der Gesamtzahl der befragten Unternehmen.

Arbeitslosenquote

Österreichische Definition: Anteil der zur Arbeitsvermittlung registrierten Personen am Arbeitskräfteangebot der Unselbständigen. Das Arbeitskräfteangebot ist die Summe aus Arbeitslosenbestand und unselbständig Beschäftigten (gemessen in Standardbeschäftigungsverhältnissen). Datenbasis: Registrierungen bei AMS und Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger.

Definition gemäß ILO und Eurostat: Als arbeitslos gelten Personen, die nicht erwerbstätig sind und aktiv einen Arbeitsplatz suchen. Als erwerbstätig zählt, wer in der Referenzwoche mindestens 1 Stunde selbständig oder unselbständig gearbeitet hat. Personen, die Kinderbetreuungsgeld beziehen, und Lehrlinge zählen zu den Erwerbstätigen, nicht hingegen Präsenz- und Zivildiener. Die Arbeitslosenquote ist der Anteil der Arbeitslosen an allen Erwerbspersonen (Arbeitslose plus Erwerbstätige). Datenbasis:
Umfragedaten von privaten Haushalten (Mikrozensus).

Begriffe im Zusammenhang mit der österreichischen Definition der Arbeitslosenquote

Personen in Schulungen: Personen, die sich zum Stichtag in AMS-Schulungsmaßnahmen befinden. Für die Berechnung der Arbeitslosenquote wird ihre Zahl weder im Nenner noch im Zähler berücksichtigt.

Unselbständig aktiv Beschäftigte: Zu den "unselbständig Beschäftigten" zählen auch Personen, die Kinderbetreuungsgeld beziehen, sowie Präsenz- und Zivildiener mit aufrechtem Beschäftigungsverhältnis. Zieht man deren Zahl ab, so erhält man die Zahl der "unselbständig aktiv Beschäftigten".

Digitale Pressemappe: http://www.ots.at/pressemappe/235

Rückfragen & Kontakt:

Dr. Marcus Scheiblecker
Österreichisches Institut für Wirtschaftsforschung - WIFO
Tel. +43 1 798 26 01-245 * Fax. +43 1 798 93 86
Marcus.Scheiblecker@wifo.ac.at

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