WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Das deutsche Syndrom der Eurozone - von Michael Laczynski

Euro funktioniert nur dann, wenn alle wie Deutschland sind

Wien (OTS) - Die EU hat ein ernsthaftes Problem. Und das
unabhängig davon, ob die Führungsspitze der Europäischen Union den gestrauchelten Defizitsünder Griechenland auf den Pfad der budgetären Tugend führen kann oder nicht. Dieses Problem, das nur mittelbar mit den jüngsten Ereignissen in Athen oder Lissabon zu tun hat, wird leider immer akuter.

Die Wetten der Spekulanten gegen den Euro sind nicht die Ursache, sondern das Symptom einer Malaise, die man am ehesten als das deutsche Syndrom bezeichnen könnte. Wie die Krise demonstriert hat, fußt die Einheitswährung auf einem Regime, das nach dem Vorbild seines stärksten Mitglieds gestaltet wurde. Überspitzt formuliert:
Damit Euroland in seinem jetzigen Zustand funktionieren kann, müssten alle wie Deutschland sein. Das sind sie aber nicht.
Wo liegt der Fehler? Deutschland ist eine hypereffiziente Werkbank, die bis zuletzt mehr exportiert hat als das riesige China. Diese Position hat man sich hart erkämpft, und zwar mit einem jahrelangen Sparkurs. Das hat aber nur aus zwei Gründen funktionieren können:
Erstens haben die konsensorientierten Deutschen dieses Programm mitgetragen und die sozialen Folgen abgefedert, so gut es ging. Und zweites fiel die Rosskur in eine Ära der boomenden Nachfrage in Übersee. So waren die Ausfuhren von 1999 bis 2007 für 70 Prozent des BIP-Wachstums verantwortlich.

Nun aber ist alles anders: Die globale Nachfrage ist regelrecht kollabiert und bleibt auf absehbare Zeit schwach. Und ob die griechische Gesellschaft so pflichtbewusst (bzw. masochistisch) ist wie die deutsche, ist stark zu bezweifeln.

Am besten wäre es wohl, wenn die EU Maßnahmen zur Verminderung der internen Ungleichgewichte mit Reformen der Eurozone koppeln würde. Das würde aber bedeuten, dass Deutschland mehr konsumiert, weniger ausführt und sich nicht mehr gegen eine gemeinsame Euro-Anleihe stemmt. Zumindest ersteres ist angesichts einer in der Verfassung verankerten Schuldenbremse fraglich.

Die Alternative: Berlin löst die Eurozone auf und gründet sich mit wirtschaftlich gleichgesinnten Ländern wie Österreich und den Niederlanden neu. In seiner jetzigen Form ist der Euro nur für Schönwetter geeignet.

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